Wassersport

Schwimm-WM: Steffen hat freie Bahn und schweigt

Hausding verpasst Medaille, dafür holt Maurer Bronze

Jede Menge Freude statt Frust – ein Jahr nach dem Olympia-Debakel von London darf sich der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) täglich über WM-Medaillen freuen. Nach einmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze steuerte Angela Maurer gestern im Hafen von Barcelona bereits das vierte Edelmetall bei. Die Olympia-Fünfte fiel nach WM-Bronze ihrem Ehemann und Trainer Nikolai Evseev um den Hals. Platz drei über zehn Kilometer – diese Freiwasser-Medaille hatten selbst die Experten nicht auf dem Zettel.

„Erfolg macht süchtig“, erklärte Leistungssportdirektor und Wassersprungbundestrainer Lutz Buschkow mit einem Lächeln. Davon war im vierten Durchgang beim Synchronspringen von Patrick Hausding und Stephan Feck vom Drei-Meter-Brett nichts zu sehen, als das Duo aus Berlin und Leipzig eine Medaille vergab. Am Ende stand für Hausding zwei Tage nach dem Titel zusammen mit Sascha Klein vom Turm diesmal der vierte Platz in der Endabrechnung.

Auch ohne weitere Plakette von Hausding sieht die Bilanz erfreulich aus. Vier Wettkampftage, vier Medaillen, drei davon in olympischen Disziplinen – diese Serie würde der DSV gern fortsetzen. Bis zum Auftakt der Beckenschwimmer am Sonntag stehen noch zehn weitere Entscheidungen an. „Die Beckenschwimmer kommen in eine positiv gestimmte Mannschaft“, sagte Verbandspräsidentin Christa Thiel mit Vorfreude auf die Wettbewerbe im Palau Sant Jordi.

Das Team um den einzigen deutschen Weltjahresbesten, Steffen Deibler, reist zum Großteil heute an. Mit einem zusätzlichen Start kann Peking-Olympiasiegerin Britta Steffen rechnen, denn nach dem angekündigten Verzicht von Daniela Schreiber darf sie ihre Olympia-Revanche auch über 50 Meter Freistil starten. Schreiber verzichtete zugunsten von Steffen, einer der wenigen deutschen Medaillenhoffnungen im Becken, auf ihren Startplatz. „Ich habe es Britta angeboten, sie hat sich sehr über das Angebot gefreut. Ich kenne ihre Entscheidung, aber mehr kann ich dazu nicht sagen. Wir wollen vorher noch mit dem Bundestrainer darüber sprechen, bevor wir es bekannt geben“, sagte Schreiber.

Steffen hüllte sich wie in den vergangenen Monaten in Schweigen, sie will bis Sonntag in der Öffentlichkeit nicht sprechen. Bundestrainer Henning Lambertz verlangt heute bei der Mannschaftssitzung eine Entscheidung. „Ich will den Mädels in die Augen schauen und sehen, mit wie viel Klarheit sie diese Entscheidung mittragen. Wir müssen immer sehen, was das Beste für den Verband ist.“ Steffen hatte sich wegen Krankheit bei der Deutschen Meisterschaft nicht für die 50 Meter qualifizieren können.

Patzer beim Delfinsalto

Noch aber geht es bei den Schwimmern nur bei den Freiwasser-Assen um WM-Ehren. Und die haben mit drei Podestplätzen in vier Wettbewerben ihr Soll schon übererfüllt. „Mit dieser Medaille von Angie war nicht zu rechnen. Und wir haben ja noch einige Eisen im Feuer. Wahnsinn, wie sie ihre Erfahrung ausgespielt hat“, schwärmte Bundestrainer Stefan Lurz. Das Rennen gewann die Brasilianerin Poliana Okimoto Cintra.

Routine ist auch beim Kunstspringen notwendig – noch wichtiger aber waren im Finale vom Drei-Meter-Brett gute Nerven. Kein Duo kam fehlerfrei durch die Konkurrenz. Hausding/Feck fielen nach einem missglückten dreieinhalbfachen Delfinsalto vom vierten auf den achten Rang zurück. „Es war viel mehr möglich. Ich habe einen großen Fehler gemacht, das haut in die Punkte rein. Auf jeden Fall war der Sprung nicht vorzeigbar“, sagte Hausding. Der Sieg ging durch Qin Kai/He Chong an China, das Stunden zuvor schon Gold vom Ein-Meter-Brett der Frauen gewonnen hatte. Hier bedeutete Rang sechs für Tina Punzel ein gutes Resultat. Das konnten Hausding/Feck nicht behaupten, wenngleich sie mit einem starken letzten Sprung noch bis auf elf Punkte an die Medaillenränge heranrückten. Hausding hat als Olympia-Vierter vom Brett eine weitere gute Medaillenchance.