Fußball

Zurück ins Scheinwerferlicht

Bayern-Präsident Hoeneß hat sich wegen seiner Steueraffäre rar gemacht. Beim Spiel gegen Barcelona rückt er für einen Abend in den Mittelpunkt

Zehntausende Menschen werden ihm heute Abend auf die Nase fassen. Der FC Bayern hat das Gesicht seines Präsidenten auf die Eintrittskarten für das nach ihm benannte Freundschaftsspiel gedruckt, den Uli-Hoeneß-Cup. Er lächelt auf diesem Bild, er sieht zufrieden aus. Darüber steht das Motto eines Klubsponsors: „Erleben, was verbindet“. FC Bayern gegen den FC Barcelona. Ausverkauftes Stadion. Hochsommer. Millionen Zuschauer vor den Fernsehern, die Partie wird in über 140 Ländern gezeigt. Es muss sich toll anfühlen, einem solchen Spiel seinen Namen geben zu dürfen. Aber empfindet Hoeneß jetzt wirklich so?

Pokal aus Gold und Edelsteinen

Sein Verein hatte ihm das Spiel zu seinem 60. Geburtstag vor eineinhalb Jahren geschenkt. „Was schenkt man so einem privilegierten Mann? Es soll und muss ja etwas Besonderes und Außergewöhnliches sein“, sagte der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals. Schließlich gab es zum 50. bereits eine Runde Golf mit Tiger Woods. Nun also ein Gutschein für einen wundervollen Fußballabend. Ein Goldschmied fertigte in 96 Stunden Handarbeit den Hoeneß-Pokal: 62 Zentimeter hoch, knapp elf Kilogramm schwer, mit je acht Bergkristallen und Edelsteinen verziert.

Doch wie das so ist mit Gutscheinen, ist der optimale Zeitpunkt zum Einlösen oft schwer zu finden. Diese Fußballgala gegen Barcelona fällt in die „schwerste Zeit meines Lebens“, wie Hoeneß die aktuelle Phase kürzlich selbst beschrieben hat. Sein Name, sein Kopf ist in diesen Tagen in München allgegenwärtig. „Verkehrschaos wegen Uli-Hoeneß-Cup befürchtet“, steht in den Lokalzeitungen. Wahrscheinlich wäre es ihm ruhiger lieber. An diesem Mittwoch soll es mal nicht um Steuern gehen, ob die entscheidende Summe unter oder über einer Million Euro liegt und Hoeneß auf eine Bewährungsstrafe hoffen darf oder nicht. Uli Hoeneß wird vielleicht wieder einmal mit seinem Sport in Verbindung gebracht, mit Fußball. Das dürfte ihm gefallen. Der Abend ist eine Chance.

Und gleichzeitig würde es ihn wohl nicht überraschen, wenn Diskussionen aufkommen. Das Benefizspiel als PR-Aktion zu verurteilen, ist nicht gerechtfertigt. Der Termin steht lange fest. Hoeneß wird die Einnahmen der von ihm ins Leben gerufenen Dominik-Brunner-Stiftung für Zivilcourage zur Verfügung stellen. Er hat schon weit vor der Steueraffäre gespendet, durch die Honorare aus Vorträgen oft sechsstellige und höhere Summen pro Jahr. Wegen seines Steuerskandals hat er öffentliche Auftritte in den vergangenen Wochen auf das Nötigste beschränkt. In der öffentlichen Wahrnehmung war der FC Bayern noch nie so wenig Hoeneß wie zuletzt.

Pep Guardiola, Rummenigge und vor allem Matthias Sammer – das sind derzeit die Gesichter des Klubs. Eine Einladung als Ehrengast zum Bayerischen Sportpreis hatte Hoeneß abgelehnt. Auf der großen Bühne stand er zuletzt Ende Juni, als der Triple-Sieger den neuen Trainer Guardiola präsentierte. Vergangene Woche schaute er bei einem Richtfest eines Fanshops in einer Gemeinde nahe seinem Wohnort am Tegernsee vorbei, verzichtete aber auf eine Ansprache. Beim Telekom-Cup in Mönchengladbach am vergangenen Wochenende saß er auf der Tribüne, trat darüber hinaus aber nicht in Erscheinung. Und jetzt wieder voll im Rampenlicht, für einen Abend.

Eigentlich hätte das ZDF das Spiel sogar zur besten Sendezeit um 20.30 Uhr übertragen. Weil die Nationalmannschaft der Frauen zu dieser Zeit aber im Halbfinale der Europameisterschaft auf Schweden trifft und der Sender auch diese Partie zeigen möchte, stoßen die Bayern nun um 18.30 Uhr an. Auch Sky überträgt. Der Gastgeber ist auf seiner Party eingeschränkt. Über die Vorgänge im Verein ist Hoeneß zu jeder Zeit informiert. Der Transfer von Thiago, der Ärger um das Nike-Shirt von Mario Götze bei seiner Vorstellung, die neuen Ideen Guardiolas – Hoeneß hat Abstand von der Öffentlichkeit, nicht aber von seinem Klub genommen. Er ist weiterhin Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Guardiola ist der neue Star

Die „Abteilung Attacke“ hat Rummenigge übernommen. Er reagiert auf Spitzen aus Dortmund. Und Sammer wendet das klassische Hoeneß-Prinzip an: Kritisieren und Mahnen, wenn es gut läuft. So war es schon in der Spielzeit, so ist es in der Vorbereitung auf die neue Saison. Die Zeiten einer Stammelf seien vorbei; wer sich in den Mittelpunkt stelle, kriege Ärger, warnt Sammer die Mannschaft. Rummenigge lenkt den Klub. Und der Star ist Guardiola. Der Spanier zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass über Hoeneß weniger gesprochen wird.