Fußball

Schmerzhaftes Debüt für Hosogai

Bei Herthas 2:1 gegen Palermo wird mehr getreten als gespielt

Jos Luhukay hatte sich einen Härtetest gewünscht. Weil die bisherigen Testspiel-Gegner allzu leichte Beute für die Mannschaft von Hertha BSC gewesen waren. In der Vorbereitungspartie gegen US Palermo bekam er den gewünschten harten Brocken. Allerdings mit einer so wortwörtlichen hammerharten Gangart, dass der Trainer nach einer knappen halben Stunde wutentbrannt auf die gegnerische Trainerbank zulief und brüllte: „Gattuso!!“

Gemeint war Gennaro Gattuso, Weltmeister von 2006 und mittlerweile Trainer von US Palermo, der von der ersten Minute seine Mannschaft angeschrien hatte. Mit dem Effekt, dass das „internationale Freundschaftsspiel“, so der Stadionansager, am Rande des Abbruchs stand. Die Italiener hatten in den ersten 27 Minuten Herthas Neuen, Hajime Hosogai dreimal derart zusammengetreten, dass es im Bundesliga-Alltag drei Platzverweise gehagelt hätte. Luhukay stürmte gar aufs Feld. „Wer die Gesundheit meiner Spieler attackiert, attackiert auch mich“, sagte der Trainer hinterher. Da schlug sein Puls wieder auf normalem Niveau. Der Bundesliga-Aufsteiger hatte einen Rückstand umgebogen und 2:1 (0:1) gewonnen. Beide Berliner Tore erzielte Alexander Baumjohann (58./ 65.).

Der Leidtragende der ersten Hälfte war jedoch Hosogai. Der Japaner wird sich noch länger an seinen Einstand im Hertha-Trikot erinnern. Es schien, als sei eine regelrechte Jagd auf ihn im Gange. Luhukay war auch nach dem Abpfiff nicht einverstanden mit dem, was passiert war. „Stellen Sie sich vor, wir hätten zehn Millionen Euro für ihn ausgeben. Und dann wird der uns bei so einem Spiel für ein halbes Jahr weggetreten.“

Die neuen Kollegen versuchten, Hosogai zu unterstützen. Sebastian Langkamp stand Nase an Nase mit Palermos Übeltäter Munoz. Der Argentinier, der gerade mit gestrecktem Bein von hinten in Hosogai gesprungen war, stieß den Hertha-Verteidiger mit einem Würgegriff zum Hals weg. Tumulte und Rudelbildung vor rund 1400 Zuschauern im Franz-Fekte-Stadion waren die Folge.

Dabei hatte Hosogai schon vor dem Anpfiff intern für Furore gesorgt. Der Zugang, für eine Million Euro Ablöse von Bayer Leverkusen gekommen, stand in der Anfangsformation. Er wirbelt die Hierarchie bei Hertha durcheinander. Sein Manager Shohei Higuchi hat bei der Ankunft seines Klienten in Berlin gesagt, er gehe davon aus, dass Hajime zum japanischen Aufgebot für die WM 2014 gehören werde. „Das ist der Grund, warum er nach Berlin gewechselt ist. Er will regelmäßig spielen.“ Offenbar hat Hertha dem Mittelfeldspieler signalisiert, dass er in Berlin mit reichlich Einsatzzeit rechnen könne. Das ist deshalb interessant, weil die Hosogai-Position im defensiven Mittelfeld vergangene Saison von Peter Niemeyer besetzt war. Gestern stand der Kapitän nicht im Kader. Er wird seine nächste Chance am Freitag gegen RAD Belgrad erhalten.

Hosogai hielt trotz der Angriffe eine Halbzeit durch. Nach dem Spiel stand der 23malige Nationalspieler am Spielfeldrand. „Ich weiß, dass internationale Spiele kompliziert sein können. So was kommt vor.“ Sein großer Zeh am rechten Fuß war von einem dicken Tape umgeben. „Kein Problem“, sagte er auf Deutsch. Seit einer Woche trainiert Hosogai bei Hertha. „Ich weiß noch nicht, bei wie viel Prozent ich bin. Aber es wird von Tag zu Tag besser. Zum Ligastart werde ich völlig fit sein.“

Auch Peer Kluge und Pierre-Michel Lasogga wurden nach heftigen Schlägen ausgewechselt. Im zweiten Durchgang setzten sich die fußballerischen Qualitäten von Hertha durch. Baumjohann schoss von der Strafraumgrenze, der abgefälschte Ball landete zum Ausgleich im Netz. Listig stahl er wenig später dem Italiener Pisano den Ball vom Fuß, lief allein auf das Tor zu und vollendete überlegt zum Siegtreffer.

Und wie ging der Abend zwischen Luhukay und Gattuso zu Ende? Mit einer herzlichen Umarmung beider Trainer nach dem Schlusspfiff.