Pferdesport

Ein Abiturient überrumpelt die Star-Jockeys

Dennis Schiergen gewinnt den Großen Preis von Berlin

Der Siegesritt von Dennis Schiergen beim 123. Großen Preis von Berlin dürfte in der nunmehr 145-jährigen Geschichte der Galopprennbahn Hoppegarten möglicherweise einen Platz unter den Top Ten der unerwartetsten und gleichzeitig kuriosesten Rennergebnisse beanspruchen. Aus der Startmaschine heraus übernahm der einzige Amateur im Feld der Profis die Führung. Mit bis zu zwanzig Längen Vorsprung raste Schiergen auf der vierjährigen Stute Nymphea dem Ziel in 2400 m Entfernung und der letztlich in einer Zeit von 2:36,3 Minuten verdienten 100.000-Euro-Siegprämie entgegen. Für Filip Minarik, Zweiter im Sattel der fünfjährigen Stute Temida, und den Italiener Mirco Demuro mit Vorjahressieger Meandre kam der jeweilige Endspurt zu spät.

Während Dennis Schiergen sich über seinen Coup freute, dabei immer wieder unter dem Jubel der über 10.000 Zuschauer die linke Faust in Richtung azurblauen Himmel stieß, blieb für Minarik (rund 1500 Siege), der zuvor das mit insgesamt 80.000 Euro dotierte Jubiläumsrennen gewonnen hatte, und Demuro (2711 Siege) nur die Rolle des jeweils guten Verlierers. Immerhin: 40.000 und 20.000 Euro Preisgeld dienten als Trostpflaster.

„Ein wahnsinnig geiles Gefühl. Ich sollte von der Spitze aus gehen, aber ich habe mehr Vorsprung gehabt als geplant. Ich konnte Nymphea frei galoppieren lassen und hatte von Anfang an ein gutes Gefühl“, sagte der Sieger, „im Schlussbogen habe ich sie etwas Luft holen lassen und auf der Zielgeraden noch einmal beschleunigt. Es ist großartig, in solch einem Rennen reiten zu dürfen und dann noch zu gewinnen“, sprudelte es nur so aus dem frisch gebackenen Abiturienten heraus.

Etatmäßiger Jockey gesperrt

Ein bisschen kurios: Dennis Schiergen war nur deshalb im Starterfeld vertreten, weil der etatmäßige Jockey von Nymphea, Andrasch Starke, momentan eine Zwei-Renntage-Sperre absitzen muss.

Nicht weniger begeistert als der Sieger war sein sonst eher introvertierter Vater. „Wir hatten schon den Plan, gleich die Initiative zu ergreifen, aber dass es so viele Längen Vorsprung sein würden, hatten wir natürlich nicht gedacht. Dennis hat viel Mumm gezeigt. Und schon im Schlussbogen hatte ich an den Sieg geglaubt, denn auf so einer schnellen Bahn ist es schwer, dann noch solchen Boden gutzumachen“ sagte Peter Schiergen. Er plant jetzt mit der Siegerstute einige Rennen in Frankreich zu bestreiten.

Trotz seines sensationellen Erfolges ist Dennis Schiergen Realist. „Ich werde sehen, ob ich weiterhin den Weg in Richtung Profi gehen kann. Ich bin für einen Jockey schon recht groß (1,65 m, d.R) und weiß auch nicht ob ich immer die 56 Kilo Gewicht bringen kann. Klappt das nicht, macht es keinen Sinn“, so der 18-Jährige.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, beginnt er im Wintersemester ein Studium im Bereich Sport-Management. Für Peter Schiergen eine vernünftige Entscheidung. „Solange Dennis Spaß hat und das Gewicht bringt, bekommt er von mir jede Unterstützung. Andernfalls ist das Studium eine gute Alternative.“

Sollte es mit der Karriere im Sattel für den ältesten Schiergen-Sohn nicht klappen, steht mit seinem Bruder Vinzenz das nächste Talent bereit. Der 15-Jährige präsentierte sich im Preis der Traber-Derby-Woche auf Rang drei – direkt vor seinem Bruder. „Vinzenz hat ebenfalls ein feines Händchen“, lobte Peter Schiergen.