Schwimmen

DSV-Team peilt nach Olympia-Debakel fünf WM-Medaillen an

Olympia in London war ein Debakel, jetzt müssen für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) WM-Medaillen her.

Fünf- bis achtmal Edelmetall sollen es sein, berichtete DSV-Präsidentin Christa Thiel aus der Zielvereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund für die Titelkämpfe in Barcelona. „Ambitioniert“, urteilte Thiel über die drei bis vier Medaillen allein für die Beckenschwimmer, deren neuer Chef-Bundestrainer Henning Lambertz sich fragt: „Wo soll es in diesem Jahr plötzlich herkommen?“

Einen Erwartungs-Dissens sieht Thiel nicht; im Gegensatz zu früher seien ja keine Medaillenfarben genannt, sondern Zielkorridore und Finalteilnahmen. Das Gewitter, das sich Donnerstag über Barcelona entlud, ist also kein Sinnbild für die Stimmung im DSV, die allseits als sehr gut gelobt wird. „Die überwiegende Anzahl der Rennen wird gut werden. Athleten und Betreuer sollen erhobenen Hauptes Spaß haben“, wünscht sich Lambertz ein Jahr vor der Europameisterschaft in Berlin. Eine seiner Ideen für einen Mentalitätswechsel der in London so schlappen Schwimmer: neongrün leuchtende Teamtrikots statt tiefschwarz.

Bevor die Beckenschwimmer am 28. Juli starten, stehen zunächst andere Sparten des DSV im Fokus. Rekord-Weltmeister Thomas Lurz kann seine Serie fortsetzen und heute zum WM-Auftakt zum achten Mal nacheinander Weltmeister über fünf Kilometer werden (siehe Interview). Er ist neben Angela Maurer einziger DSV-Athlet, der schon bei der WM 2003 in Barcelona dabei war. Maurer gewann damals im Freiwasser Medaillen, Lurz konzentrierte sich seinerzeit im Becken auf die Olympia-Qualifikation. Fünfmal deutsches WM-Gold ist diesmal allerdings nicht zu erwarten.

Steffen gibt sich schweigsam

Der Olympia-Vierte Steffen Deibler ist bei den Beckenschwimmern einziger Deutscher auf Nummer eins der Weltrangliste. „Schon London war mein Durchbruch, ich bin bereit für eine Medaille“, sagte der Hamburger. Er steht nach der frühzeitigen WM-Absage von Paul Biedermann wegen Krankheit im Fokus des Männer-Teams. Die Berlinerin Britta Steffen hingegen schweigt und konzentriert sich auf ihre Wettkämpfe. Ob sie neben der Freistil-Staffel über 4x100 Meter und den 100 Metern auch über die 50 Meter starten darf, hängt von Daniela Schreiber ab. Lambertz gab die Richtung vor und lobte für den wahrscheinlichen Fall des Falls Schreiber für eine eventuelle „große Geste“, eine Direktive werde es aber nicht geben.

Besetzungsprobleme gibt es bei den Wasserspringern nicht. Die EM-Erfolge von Rostock vom Juni mit zehn Medaillen (2-4-4) sind weltweit gesehen angesichts der Dominanz aus Übersee nicht sehr viel wert. Ein bis zwei WM-Medaillen und viele Finalplatzierungen erwartet Bundestrainer Lutz Buschkow, der sich künftig auf seinen Job als DSV-Leistungssportdirektor konzentrieren soll. Keine Medaillenambitionen hegen die neu formierten Wasserballer und die Synchronschwimmerinnen.