Tour de France

Ein Nobody stiehlt Froome die Show

Franzose Riblon gewinnt die Königsetappe nach Alpe d’Huez. Der Gesamtspitzenreiter der Tour zeigt erstmals Schwächen

Beim doppelten Höllenritt ins legendäre Alpe d’Huez hat Christopher Froome trotz einer körperlichen Krise kurz vor dem Ziel einen weiteren Schritt zum ersten Gesamtsieg bei der Tour de France gemacht. Beim Sensationssieg des Franzosen Christophe Riblon auf der Königsetappe der 100. Tour nahm der britische Radstar seinem Widersacher Alberto Contador trotz seiner Probleme knapp eine Minute ab.

Doch ein Anfängerfehler hätte sich fast fatal ausgewirkt. Froome, der bis dahin alle Attacken Contadors gekontert hatte, hatte auf den mörderischen 172,5 Kilometern ins Radsport-Mekka zu wenig gegessen. Rund vier Kilometer vor dem Ziel drohte der gefürchtete Hungerast, Froome schwächelte. Sein Adjutant Richie Porte musste sich zurückfallen lassen und seinem Kapitän ein Elektrolyt-Gel organisieren, Froome kämpfte sich als Siebter ins Ziel. Porte hatte das Gel aber am Teamwagen geholt, für die Hilfsaktion wurden beide mit 20 Sekunden Zeitstrafe belegt, da dies auf den letzten Kilometern nicht gestattet ist.

Vor den letzten drei Tourtagen führt Froome nun mit 5:11 Minuten auf Contador. Der junge Kolumbianer Nairo Quintana nahm dem Mann in Gelb rund eine Minute ab, ist nun mit 5:32 Rückstand Dritter. Sieger Riblon hatte als einer von diversen Ausreißern im Schlussanstieg den schon wie der sichere Sieger aussehenden Tejay van Garderen kurz vor dem Ziel noch abgefangen und seinen zweiten Erfolg bei einer Tour-Bergankunft nach Ax-3-Domaines 2010 gefeiert. „Das ist einfach unglaublich“, stammelte der tief bewegte Franzose.

Froome war zunächst die 21 Kehren ins Radsport-Mekka an der Seite seines Adjutanten Porte hinaufgestürmt und hatte die Kontrahenten zermürbt. Während ein Gegner nach dem anderen wegbrach, hatte der Mann in Gelb noch die Luft, sich mit Porte ausgiebig zu besprechen. Rund neun Kilometer vor dem Ziel konnten nur Quintana, Joaquim Rodgriuez und Porte folgen. Dann zeigte der Dominator ungeahnte Schwächen. Contador und sein Saxo-Teamkollege Roman Kreuziger, Zweiter und Dritter der Gesamtwertung, waren zuvor volles Risiko gegangen und in der Abfahrt nach der ersten Runde durch die berüchtigten 21 Kehren waghalsig angetreten. Der Italiener Marcelo Moser hatte die erste Bergwertung in Alpe d’Huez gewonnen, zwischen dem Neffen Francesco Mosers und den Favoriten waren noch diverse versprengte Ausreißer unterwegs, darunter Altmeister Jens Voigt, der ein beherztes Rennen fuhr, letztlich aber einbrach.

Daten an Zeitung weitergegeben

Froome ging kein Risiko auf der umstrittenen Abfahrt vom Col de Sarenne ein, die trotz der schmalen, ramponierten Straße ohne schwerere Zwischenfälle blieb. Rund 20 Sekunden Vorsprung erlaubte er seinen beiden größten Kontrahenten, hatte alles unter Kontrolle – auf dem Flachstück hin zum finalen Anstieg wurden Contador und Kreuziger gestellt.

Das Team Sky hat in der Dopingdiskussion um Christopher Froome Leistungsdaten des Tour-de-France-Dominators an die französische Tageszeitung L’Equipe übergeben. Teamchef Dave Brailsford traf mit dem Blatt die Übereinkunft, die Daten analysieren zu lassen, sie aber nicht zu veröffentlichen. Im Zuge seiner überragenden Leistungen bei den Bergankünften der 100. Frankreich-Rundfahrt in Ax-3-Domaines und am Mont Ventoux war Froome unter Dopingverdacht geraten und hatte sich unangenehmen Fragen stellen müssen.