Stadion an der Alten Försterei

Köpenick öffnet sein Theater der Träume

1. FC Union feiert heute beim Spiel gegen Celtic Glasgow mehr als nur sein modernisiertes Stadion

Ob die Spieler mit großen Augen ihr neues Reich bezogen haben, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass der eine oder andere mit lauten Schreien die Kabinen betreten haben soll, die sich im Erdgeschoss der neuen Haupttribüne befinden. Vor allem jene Akteure, die schon seit vielen Jahren als Fußballprofi beim 1. FC Union tätig sind, sollen ihrer Freude in fast schon kindlicher Art und Weise freien Lauf gelassen haben. Stellvertretend für die gesamte Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten sei hier Torsten Mattuschka zitiert. „Völlig verrückt“, befand der Union-Kapitän: „Wir springen baulich von der Kreisklasse in die Champions League. Ich bin echt geplättet.“ Und das kommt bei einem wie Mattuschka nun wahrlich nicht oft vor.

Ebenso wenig wie die Einweihung einer neuen Tribüne, die heute mit dem Freundschaftsspiel gegen Celtic Glasgow (20.15 Uhr, RBB live) komplett in Betrieb gehen wird, mit all ihren Vip-Logen und Business-Seats. „Wir haben uns einen Traum erfüllt und gezeigt, was eine Gemeinschaft, die auf Augenhöhe miteinander umgeht, erreichen kann“, fiebert Unions Präsident Dirk Zingler dem Abend entgegen. „Und weil hier Unioner am Werk waren und alles selber gemacht haben, ist es so geworden, wie wir es uns gewünscht haben.“ Dirk Thieme, Vorstand der Stadion AG, pflichtete ihm bei: „Wir haben uns ein Stadion gebaut, dass zu uns passt, und wir haben viele unserer Ideen verwirklichen können. Die letzten zwölf Monate sind wie im Flug vergangen, von den letzten Tagen ganz zu schweigen. Jetzt ist die Zeit gekommen, um gemeinsam zu feiern.“

Berlins neues Theater der Träume öffnet also heute seine Pforten. Und nicht nur das Jahr, das zwischen Grundsteinlegung und Fertigstellung der Tribüne vergangen ist, hat gezeigt: Es darf wirklich geträumt werden an der Alten Försterei. Von Mehreinnahmen von zwei Millionen Euro zum Beispiel. Oder von einem Sieg heute gegen den schottischen Meister. „Ich bin gespannt, ob wir gegen den Gegner, der ohne Zweifel eine hohe Qualität hat, unser Spiel durchsetzen können“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. Deshalb wurde gestern noch einmal der Spielaufbau akribisch geübt, egal, ob der Gegner nun mit einem oder zwei Stürmern aufläuft.

Umzug dank Junioren-Spieler

Auch Neuhaus gerät ob der neuen Bedingungen mit Wellnessbereich ein wenig ins Schwärmen. „Ich muss die Eindrücke erst mal wirken lassen“, sagte der Coach. Um dann seinen ersten Eindruck wie folgt zusammenzufassen: „Es war überwältigend.“ Es tue gut, endlich aus dem Altbau, wie Zugang Mario Eggimann die altehrwürdigen Umkleide-Container getauft hatte, raus zu können. Um schon den Donnerstagnachmittag in neuer Umgebung nutzen zu können, wurden Vormittags extra die Spieler der A- und B-Junioren angeheuert, um die Utensilien der Profis hinüberzuschaffen. Größeres Equipment wie Ergometerräder wurden vor dem Umzug per Gabelstapler aus dem Container gehievt.

Auch wenn vor allem in den Logen und Arbeitsbereichen bis kurz vor Öffnung der Stadiontore am Freitagabend gewerkelt werden muss – das kickende Personal sollte nahezu ungestört sein Tagwerk vollbringen, um den Traum von gutem Fußball in Köpenick aufrechtzuerhalten. Und damit auch den viel größeren Traum von einem Sprung in die Bundesliga. Inwiefern sich dies realisieren lässt, dürfte sich zumindest in Ansätzen schon gegen Celtic zeigen. Denn zum einen werden die Schotten sich nicht noch einmal in solcher Verfassung präsentieren, wie sie sich jüngst beim 2:6 gegen Bundesliga-Absteiger SpVgg Greuther Fürth gezeigt haben. Schließlich wartet am Mittwoch die Champions-League-Qualifikation auf die Glasgower.

Zum anderen wird Union zeigen müssen, ob man die im Test zuvor gegen Dundee United (4:1) gezeigten Unzulänglichkeiten nur fünf Tage später abstellen kann. „Das Defensivverhalten müssen wir verbessern, und die Trefferquote vorne auch“, hatte Neuhaus den Finger in die Wunde gelegt, trotz des klaren Erfolges gegen Dundee.

Der Teamgeist stimmt

An Einsatzwillen und Teamgeist fehlt es den Köpenickern jedenfalls nicht. Auch während der Übungseinheiten sieht man die Profis immer wieder miteinander reden, gemeinsam Fehler abstellen. Union im Sommer 2013 – der beste Union-Jahrgang aller Zeiten? „Ich denke ja, aber das wird die Saison erst zeigen. Doch ich glaube schon, dass wir nun Ausfälle besser kompensieren können“, sagt Neuhaus. Die nahezu doppelte Besetzung jeder Position macht es möglich.

Den Test gegen Celtic will Pragmatiker Neuhaus dennoch „auf keinen Fall als stinknormal“ bezeichnen: „Es ist ein besonderer Tag, klar. Gerade die neuen Räume bezogen, gleich das erste Spiel, da haben wir uns alle drauf gefreut.“ In Berlins neuem Theater der Träume.