Fußball

Neid-Debatte schon vor dem ersten Spiel

Potsdamer Schröder fordert Ablösung des Bundestrainerin, falls DFB-Frauen EM-Titel verpassen

Vor dem ersten Turnierspiel seit dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM vor zwei Jahren suchte ein Teil der deutschen Fußballerinnen noch einmal Zerstreuung am malerisch gelegenen Växjö-See. Mit der Entspannung wird es für das runderneuerte Nationalteam aber spätestens beim EM-Auftakt heute gegen die Niederlande (20.30 Uhr/ZDF, Eurosport) vorbei sein. Ausgerechnet die stark verjüngte Mannschaft, der sechs Stammkräfte fehlen, soll durch die EM-Titelverteidigung in Schweden die WM-Schmach tilgen und so auch Bundestrainerin Silvia Neid wieder unangreifbar machen.

Auch Steffi Jones wird gehandelt

Denn obwohl Neid immer wieder betont, dass das vorzeitige Aus 2011 gegen Japan (0:1 n.V.) längst kein Thema mehr sei, muss die 49-Jährige pünktlich zum Turnierbeginn genau deshalb Störfeuer aus der Heimat verkraften. Für Chefkritiker Bernd Schröder ist Neid im Fall eines erneuten Scheiterns „nicht zu halten“. Via „Sport-Bild“ bringt der Meistertrainer von Turbine Potsdam in Martina Voss-Tecklenburg (Schweizer Nationaltrainerin) und Maren Meinert (U20-Nationaltrainerin) schon Nachfolgerinnen ins Gespräch. Zudem werden Gerüchte gestreut, wonach DFB-Direktorin Steffi Jones auf Neid folgen könnte.

All diese Nebengeräusche muss Neid, deren Vertrag bis 2016 läuft, ausblenden. Schließlich soll mit einem Sieg heute der Grundstein für den sechsten EM-Triumph in Folge und den achten insgesamt gelegt werden. „Wir haben uns konzentriert vorbereitet und freuen uns auf das Spiel. Es kommt darauf an, gut ins Turnier zu starten“, sagte Neid, die in Schweden auf die verletzten oder kranken Kim Kulig, Viola Odebrecht, Verena Faißt, Babett Peter, Linda Bresonik und Alexandra Popp verzichten muss.

Für den erhofften Auftaktsieg hat Neid, die noch neun Europameisterinnen von 2009 nominiert hat, viel getan. Der Gegner wurde im zurückliegenden halben Jahr bei allen Spielen beobachtet. „Man darf diesen Gegner nicht ins Spiel kommen lassen, weil er technisch sehr versiert ist. Wir müssen auf allen Positionen gut zusammenarbeiten und nach vorn das Tempo hoch halten“, sagte sie. Die Elf, die diese Aufgaben erfüllen soll, hat Neid schon im Kopf. Sie hat ihren Kader auf 23,5 Jahre im Durchschnitt verjüngt und wird in weiten Teilen auf die Mannschaft aus den zurückliegenden beiden Testspielen gegen Kanada (1:0) und Weltmeister Japan (4:2) bauen.

Die weiteren Partien der Gruppe B am Sonntag in Växjö gegen Island (20.30 Uhr/ZDF) und am 17. Juli in Kalmar gegen Norwegen (18 Uhr/ARD/beide Eurosport) sollen in den Köpfen der Spielerinnen, die für den Titelgewinn die Rekordprämie von je 22.500 Euro kassieren würden, keine Rolle spielen. „Natürlich sind wir in Schweden, um etwas zu gewinnen. Aber wir dürfen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen“, betonte die Bundestrainerin, die an allen bisherigen EM-Triumphen als Spielerin (dreimal), Co-Trainerin (dreimal) und Cheftrainerin (einmal) beteiligt war.

Italien und Finnland haben sich zum Auftakt der EM in Gruppe A 0:0 getrennt. Die Italienerinnen dominierten die Partie, konnten ihre Überlegenheit aber nicht in Tore ummünzen. Im offiziellen Eröffnungsspiel trennten sich anschließend Schweden und Dänemark in Göteborg 1:1 (1:1). Das Team der Gastgeberinnen war besonders in der zweiten Halbzeit drückend überlegen, vergab aber unter anderem zwei Elfmeter.