Radsport

Martin siegt im Tour-Zeitfahren dank Asphaltsalbe

Weltmeister Tony Martin hat das erste Einzelzeitfahren der 100. Tour de France mit einer starken Vorstellung gewonnen.

Der 28-Jährige fuhr am Mittwoch auf den 33 Kilometern von Avranches zum Kloster Mont Saint-Michel in 36:29 Minuten die Bestzeit und sorgte für den vierten deutschen Etappensieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Der Tour-Gesamtführende Christopher Froome (Großbritannien) wurde mit einem Rückstand von elf Sekunden Zweiter. Rang drei ging an den Belgier Thomas de Gendt, der eine Minute langsamer war.

Dass sich Martin in seiner Spezialdisziplin so gut in Szene setzen konnte, verdankt er nicht zuletzt Quik-Step-Teamarzt Helge Riepenhof. Der Mediziner griff nach dem Verletzungspech seines Schützlings zu Tourbeginn zu ungewöhnlichen Methoden, um die tiefen Risswunden und zahlreichen Abschürfungen zu behandeln. Er versorgte die Wunden des deutschen Radprofis mit einer eigens zusammengemischten Salbe. Der Hauptwirkstoff darin nennt sich Polyhexanid und dient in erster Linie nicht der Heilung. „Die Wunden heilen aufgrund der Belastungen eh nicht richtig, wichtiger ist, dass sich keine Infektionen bilden“, erklärte Riepenhof.

Um herauszufinden, was genau die größten Gefahrenquellen für eine Infektion sind, hatte der Orthopäde und Unfallchirurg vor einigen Jahren mit Wattestäbchen Abstriche von den Straßenbelägen in verschiedenen Regionen Frankreichs genommen und diese auf Keime untersuchen lassen. „Bei einem Sturz auf die Straße bleibt immer Dreck in der Wunde, egal wie oft man sie ausspült“, sagte Riepenhof. Anderthalb Wochen nach dem schweren Sturz auf der ersten Etappe scheint Riepenhofs Methode bei Tony Martin Wunder gewirkt zu haben.

Cavendish mit Urin bespritzt

Der Brite Mark Cavendish, der beim Zielsprint am Vortag einen Sturz verursacht hatte, wurde von einem Zuschauer an der Strecke mit Urin bespritzt. Er sei „eher traurig als verärgert“, erklärte Cavendish. „Es ist schade, ich dachte Radsportfans seien Gentlemen und enthusiastisch“, erklärte der Ex-Weltmeister weiter. Cavendishs Teamkollege Jerôme Pineau nannte den Zwischenfall „beschämend“. Via Twitter erklärte der Franzose: „Das ist ein Skandal.“ Die Rennjury hatte Cavendish von jeder Schuld am Sturz freigesprochen.