Handball

Die Füchse erfinden sich neu

Früherer Europameister Volker Zerbe verstärkt die Klubführung. Heute wird das moderne Handballzentrum im Sportforum eingeweiht

An eine der ersten Begegnungen mit Volker Zerbe kann sich Bob Hanning, der Geschäftsführer der Handball-Füchse, noch ganz genau erinnern. „Lauf’ du mal ein paar Meter hinter mir, sonst ist das zu peinlich“, sagte Hanning vor vielen Jahren zum 2,11 Meter großen Zerbe, der damals noch als Profi beim TBV Lemgo spielte. Hanning selbst misst 1,68 Meter.

Immer wieder haben sich die Wege der beiden getroffen, die die Liebe zum Handball eint. Jetzt machen sie gemeinsame Sache. Am Mittwoch wurde der 45-jährige Zerbe (siehe Interview) als Sportkoordinator bei den Füchsen vorgestellt. Eine Funktion, die es bisher beim Klub nicht gab. Der Ex-Nationalspieler (284 Spiele/777 Tore) war 20 Jahre lang für den TBV Lemgo im Bundesliga-Einsatz (586 Spiele/1977 Tore) und arbeitete beim TBV zwischen 2007 und 2012 als Geschäftsführer.

Im Spaß nennt Hanning Zerbe „den langweiligsten Menschen der Welt“. Er sei immer noch in erster Ehe verheiratet, habe ein kleines Häuschen und Zeit seines Lebens Tore für Lemgo geworfen. Aber: „Bodenständigkeit passt genau zu unserer Philosophie.“

Die Verpflichtung von Zerbe sei, so der Geschäftsführer, „der nächste große Schritt in der Professionalisierung unserer Strukturen“. Und er fügt mit Blick auf Cheftrainer Dagur Sigurdsson hinzu: „Wir sind zu dritt noch stärker als zu zweit.“ Das Trio Hanning, Sigurdsson, Zerbe ist bereit für die kommenden Aufgaben, das erste Pflichtspiel steigt am 21. August gegen den HSV Hamburg.

Weitere Professionalisierung

Sigurdsson ist die Vorfreude darauf anzumerken. „Ich bin richtig gespannt“, sagt der Isländer. Wenn heute das Training beim Bundesligisten beginnt, hat sich vieles verändert: „Spieler sind neu, die Halle ist neu, die Trikotfarben sind neu, der Mannschaftsbus ist neu…“ So richtig weiß er gar nicht, wo er aufhören soll. Und Zerbe ist eben auch neu.

Weitere Neuerungen: Da ist zum Beispiel die neue Trainingshalle (Lili-Henoch-Halle in der Fritz-Lesch-Straße) auf dem Gelände des Sportforums in Hohenschönhausen, in der Sigurdsson heute zum ersten Mal die Mannschaft zum Üben begrüßen wird. Unter dem Begriff „Füchse Town“ wurde das verwirklicht, was Hanning immer „meinen Traum“ genannt hat. Trainingshalle, Kraftraum, Aufenthaltsräume, Internat für junge Handball-Talente, die Schule ist auch nicht weit – „alles unter einem Dach“, sagt Hanning stolz.

Die Nachwuchsarbeit liegt den Füchsen seit jeher sehr am Herzen. Die Erfolge sprechen für sich: Die A- und die B-Jugend der Berliner holten sich vor Kurzem zum wiederholten Male die deutschen Meistertitel. „Vier bis fünf“ im eigenen Klub ausgebildete Spieler möchte Hanning auf Sicht im Team der Profimannschaft stehen sehen. Im Hinblick darauf sieht Zerbes Aufgabe neben der Unterstützung von Sigurdsson und der Entlastung von Hanning auch vor, „Schnittstelle zum kompletten Nachwuchsbereich“ zu sein. Die B-Jugend wird er sogar selbst betreuen.

Aber im Mittelpunkt – gerade des öffentlichen Interesses – wird die Profimannschaft stehen, die künftig in grün-weißen (Heimspiele) und weiß-grünen (Auswärtsspiele) Trikots spielen wird. „Wir haben große Baustellen am Anfang“, sagt Sigurdsson. Er weiß um den großen Umbruch, den es gegeben hat. Ein Sextett etablierter Spieler (Laen, Nincevic, Pevnov, Sellin, Bult und Lund) hat den Klub verlassen.

„Wir haben aber unseren Kern behalten“, sagt Sigurdsson. Von den Neuen erwartet er sich „frischen Wind und Konkurrenz“. Für die beiden Außenbahnen kommen in Mattias Zachrisson (IF Guif) und Fredrik Petersen (HSV Hamburg) zwei schwedische Nationalspieler. Am Kreis verstärkt Jesper Nielsen vom schwedischen Meister IK Sävehof die Füchse. Im linken Rückraum soll der Tscheche Pavel Horak (Frisch Auf Göppingen) für Verstärkung sorgen. Aus dem eigenen Nachwuchs rücken Kreisläufer Jonas Thümmler und Linkshänder Fabian Wiede zu den Profis auf. „Sechs raus, dafür vier rein plus zwei Junge von uns“, meint der Trainer, „so finde ich es gut.“

Nur noch sechs Wochen sind es, bis es richtig ernst wird für die Füchse. Dann stehen die beiden Qualifikationsspiele für die Champions League gegen Hamburg an. Dann wird man sehen, was vom Füchse-Jahrgang 2013/2014 wirklich zu halten ist. Mit Blick auf das Saisonziel sagt Dagur Sigurdsson nur: „Wir wollen uns oben halten.“