Leichtathletik

Harting fordert WM-Ticket für seinen Bruder

Olympiasieger kritisiert harte Norm des Weltverbandes

Der große Robert dominiert die Welt der Scheibe schon seit gut drei Jahren, sein kleiner Bruder Christoph soll ihm so schnell wie möglich in die Diskus-Weltelite folgen: „Im Training ist er in vielen Übungen oft schon besser als ich. Eigentlich bin ich ihm nur noch im Kraftbereich deutlich überlegen“, sagt Robert Harting mit ganz viel Stolz in der Stimme über den „Mini-Harting“. Der Olympiasieger und zweifache Weltmeister bezeichnet seinen „kleinen“ Bruder schon lange als viel talentierter als sich selbst und sagt: „Hoffentlich haben wir in zwei, drei Jahren dann ein richtiges Harting-Duell.“

Doch noch ist der große Harting absoluter King im Ring. Bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm holte der Europameister mit locker herausgeworfenen 67,95 Metern den siebten nationalen Titel und unterstrich gleichzeitig seinen Anspruch auf sein drittes WM-Gold seit 2009 in Folge. Dahinter landete Martin Wierig (Magdeburg), der Harting im tschechischen Ostrau erstmals hatte bezwingen können, mit 66,10 Metern auf Platz zwei. Dann folgte Christoph Harting mit 62,61 Meter. Wierig erkennt die Gefahr, die sich da anbahnt: „Die Hartings sollen keine Doppel-Macht werden. Ich versuche, das zu verhindern.“

Noch technische Probleme

Christoph habe noch viele technische Probleme, „er versteht die Physik des Diskuswurfs noch nicht richtig“, sagte Robert hinterher, „er hätte sicher einen Meter weiter werfen können.“ Wie vor anderthalb Monaten, als Christoph Harting seine Bestleistung auf 64,99 Metern schraubte. Diese Leistung hätte bei den vergangenen Weltmeisterschaften immer zu einem Platz unter den besten Acht gereicht, 2011 sogar zu Platz fünf. Doch seine Teilnahme bei der Weltmeisterschaft in Moskau (10. bis 18. August) ist im Gegensatz zu Roberts noch alles andere als sicher – in diesem Jahr wurde die Norm auf 66 m angehoben. Ein Unding für Robert, der sich für seinen sechs Jahre jüngeren Bruder einsetzt.

„Es ist unverständlich und unnötig, dass der Weltverband die Normen angehoben hat“, sagte Robert Harting, der im gleichen Alter zwei Meter weiter schmiss, „der Verband muss jetzt entscheiden, ob er ihn mitnimmt. Für die Perspektive wäre das sicher nicht schlecht. Mit so einer Weite ist Lars Riedel früher mal Weltmeister geworden.“ Das war 1991 in Tokio mit 66,20 m.

Und auch Christoph, der mit 2,05 Metern Körperlänge vier Zentimeter mehr misst als Robert, würde seinen „großen“ Bruder nur allzu gern nach Russland begleiten. „Wir sind ein Team“, sagte er. Und wie sein Bruder kann auch er ein richtiger Dickkopf sein. „Er hört nicht auf seinen großen Bruder und macht sein Ding. Nur manchmal kommt er zu mir und dann helfe ich ihm. Aber so oft kommt das nicht vor“, sagte der Olympiasieger.

Das dritte Gold in Folge im Visier

Und bei aller Bruderliebe will sich Robert Harting in den kommenden Wochen vor allem auf sich selbst konzentrieren: In Moskau soll, nein muss sein drittes Gold her. Alles andere zählt nicht. „Ich werde alles dafür tun, um zu behalten, was ich schon habe. Aber für den Titel muss ich noch so zwei Meter drauflegen“, sagte Harting, der sich in den nächsten Wochen noch einmal im Training quälen wird, „hier habe ich noch einmal mit reduzierter Kraft geworfen und mich auf die Technik konzentriert. In Moskau heißt es dann: Go Baby.“

Sein großer Rivale wird dann wieder einmal Piotr Malachowski heißen. Hartings Dauerrivale aus Polen führt die Weltjahresbestenliste mit 71,84 Metern an, geworfen im direkten Duell. Aber wer weiß: Vielleicht wird Malachowski von den Hartings ja auch im Doppelpack attackiert? Ein Traum, für den die beiden Berliner nicht nur in diesem Sommer hart arbeiten werden.