Wimbledonsieger

Großbritannien verneigt sich vor Andy Murray

Die Queen gratuliert dem Wimbledonsieger. Erhebt sie ihn nun in den Adelsstand?

Ob Queen Elisabeth II. seit Sonntag schlecht geschlafen hat, ist nicht überliefert. Denkbar wäre es, nur die 87 Jahre alte Monarchin besitzt schließlich die Machtbefugnis, einen Helden aus ihrem Commonwealth Empire zum Ritter, zu schlagen. Und was liegt nach dem Wochenende näher, als Andrew „Andy“ Murray in den Adelsstand zu erheben? Die Times regte bereits an, dem ersten britischen Gewinner der Offenen Englischen Tennismeisterschaften seit 77 Jahren den Ritterschlag zu erteilen: „Erhebe Dich, Sir Andy, Du Ritter des Heiligen Grals!“ Ihre herzlichsten Glückwünsche hat die Queen ihrem Untertan aus Schottland zumindest schon einmal übermittelt.

Dass Murray eines Tages den Titel „Sir“ vor seinem Vornamen tragen wird, darüber gibt es im Vereinigten Königreich keine Zweifel mehr nach seinem Triumph auf dem Rasen von Wimbledon. Die Frage ist nur, wann Elisabeth II. das Ritual vollziehen wird. Die Wettbüros schlagen bereits Kapital daraus. Wer glaubt, dass Murray beim nächsten Wimbledon-Turnier als Sir Andrew aufschlagen wird, bekommt beim Anbieter William Hill für den richtigen Tipp das Sechsfache seines Einsatzes zurück.

Die Briten feiern ihren Andy Murray wie einen Heilsbringer. Als solcher kann sich der 26-Jährige auch fühlen. Mit seinem Matchball zum 6:4, 7:5, 6:4 über den Weltranglistenersten Novak Djokovic aus Serbien erlöste er ein ganzes Volk vom Fluch des Nicht-mehr-gewinnen-Könnens auf der legendärsten aller Tennisanlagen. Nach exakt 28.127 Tage, oder aber wie die Sun errechnete, „nach 15 Premierministern und drei Monarchen“, durften die Briten endlich wieder einen Champion aus ihrer Nation beim ältesten und bedeutendsten Turnier der Welt bejubeln. Im Sommer 1936 hatte der legendäre Fred Perry als bislang letzter den Pokal aus vergoldetem Sterling-Silber überreicht bekommen.

Murray hier, Murray da, Murray überall. Alle huldigen dem Erlöser. Die BBC verzeichnete beim Finale mit 17,3 Millionen Zuschauern und 72,8 Prozent Marktanteil den höchsten Wert in diesem Jahr. Die Zeitungen räumten am Montag ihre Titelblätter frei und druckten ganzseitige Fotos des neuen Königs von Wimbledon. „Murray bezwingt den Everest des Sports und lässt das Herz einer Nation erglühen“, titelte der Guardian. Und der Independent schwelgte: „Das war eine Inspiration für jeden, der zugeschaut hat, nachdem Großbritannien gedacht hat, dass dieser Tag nie kommen würde.“

Von jetzt an werden alle nachfolgenden Generationen an Murray gemessen. Der Volksheld aus Dunblane hofft, das die Nation nicht wieder 77 Jahre auf den nächsten Wimbledon-Champion warten muss. „Dieses Turnier ist so unglaublich schwer zu gewinnen, daher könnte es durchaus sein, dass es wieder eine ganze Weile dauert“, sagte Murray. „Doch mit all dem Geld, was in dem Land in den Sport investiert wird, sollten es nicht wieder 70 Jahre oder mehr werden.“

Mit seinem Aufstieg begeisterte Murray selbst Premierminister David Cameron derart, das dieser ihn kurzerhand zum „Traumfänger“ fürs ganze Land ernannte. „Andy zeigte dem Vereinigten Königreich, dass es sich lohnt zu träumen“, sagte der Politiker. Deshalb könne er sich keinen vorstellen, der den Ritterschlag mehr verdient habe.