Kaderverstärkung

Borussia Dortmund steht vor dem Königstransfer

Mchitarjan kommt für 25 Millionen Euro aus Donezk

Menschen, die Borussia Dortmund lange kennen, hatten ihre Zuversicht nie verloren. „Ich denke, dass wir eine ambitionierte Mannschaft haben werden“, sagte Kapitän Sebastian Kehl, der seine bereits zwölfte Saisonvorbereitung mit dem BVB absolviert, im Hinblick auf die Transferpolitik, die den Borussen in den vergangenen Wochen einige Schwierigkeiten bereitet hatte. Einige Wechsel ließen sich nicht realisieren, andere zögerten sich hinaus.

Doch es scheint, als ob die Gelassenheit, die der Spielführer und die Verantwortlichen der Borussen in den vergangenen Wochen an den Tag gelegt hatten, angebracht war. Nach und nach bekommt das neue Gesicht des Champions-League-Finalisten Konturen: Der griechische Verteidiger Sokratis kam für 8,5 Millionen Euro Ablöse aus Bremen, am Sonntag stieß der gabunische Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang für zwölf Millionen von St. Etienne zum Team. Nun steht auch der Königstransfer kurz vor dem Abschluss: Henrich Mchitarjan ist in Dortmund und soll bereits den Medizincheck absolviert haben.

Es war kompliziert, den armenischen Ausnahmefußballer von Schachtjor Donezk nach Dortmund zu lotsen, aber am vergangenen Freitag konnten die gröbsten Hindernisse offenbar aus dem Weg geräumt werden. Da hatten BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc einen äußerst stressigen Verhandlungstag in Donezk hinter sich gebracht, an deren Ende wohl eine Vereinbarung stand: Angeblich haben sich die Dortmunder mit Schachtjor auf eine Ablöse von 25 Millionen Euro geeinigt.

Doch die verworrenen Strukturen und Besitzverhältnisse im von Oligarchen geprägten ukrainischen Fußball ließen es trotzdem noch nicht zu, den Transfer als perfekt zu vermelden: Es wird offenbar immer noch an der endgültigen Vereinbarung gestrickt. Allzu lange dürfte diese allerdings nicht mehr auf sich warten lassen.

Mit Mchitarjan dürfte der BVB Watzkes ehrgeizige Vorgabe in die Tat umgesetzt haben. Der Geschäftsführer hatte erklärt, die Dortmunder würden in der kommenden Saison eine Mannschaft haben, die mindestens „genauso stark“ sei wie die in der vergangenen Saison. Sind Sokratis (24) und Aubameyang (24) als perspektivreiche Ergänzungsspieler einzuschätzen, was in Anbetracht der Kaderqualität nicht mal abwertend ist, dürfte Mchitarjan wenig Probleme haben, auf Anhieb in der Stammelf Fuß zu fassen. Er scheint wie die Ideallösung für die Nachfolge von Mario Götze: technisch stark, trickreich, mit guter Übersicht und Passgenauigkeit. Zudem noch extrem schnell und körperlich robust.

Der 24-Jährige wäre jemand, der ähnlich wie der vor einem Jahr zu Manchester United abgewanderte Shinji Kagawa die Struktur des Dortmunder Spiels mit seinen Fähigkeiten noch klarer herausstellen könnte: Mchitarjan ist in der Lage, ein Spiel extrem schnell zu machen. Das Annehmen und sinnvolle Weiterleiten des Balles in Form von öffnenden Pässen ist seine Spezialität.

„Stand jetzt werden wahrscheinlich noch zwei Spieler kommen. Davon einer, der so richtig Qualität hat“, sagte Cheftrainer Jürgen Klopp. Gemeint war Mchitarjan, ein Spielertyp, den auch Klubs wie der FC Liverpool oder Juventus Turin gern in ihrem Aufgebot gewusst hätten. Es dürfte die Perspektive gewesen sein, die den Armenier nach Dortmund lotste. In 29 Spielen der ukrainischen Liga erzielte er 25 Tore (zehn Vorlagen). Mit Schachtjor spielte er im Achtelfinale der Königsklasse gegen den BVB – an diesen Tagen wurden die Dortmunder auf ihn aufmerksam.