Tennis

Die Rückkehr des Lächelns

Tennisprofi Sabine Lisicki nutzt Tag zwei nach Wimbledon, um ein paar Dinge klarzustellen

Das Finale von Wimbledon ist kaum 48 Stunden alt, da ist Sabine Lisicki schon in die nächste Runde eingezogen. Um 13 Uhr betritt sie den 14. Stock des Hotel Interconti in Tiergarten. Sie trägt ein beige-farbenes Jackett, ein blaues Oberteil und das übliche strahlende Lächeln im Gesicht. Von Erschöpfung keine Spur. „Nach acht Wochen bin ich endlich wieder in meiner Heimat Berlin. Ich freue mich auf das, was passiert“, sagt sie. Was das genau sein wird, weiß ihr holländischer Manager Olivier van Lindonk: „Wir machen jetzt ein paar Tage Media.“ Lisicki nickt und lächelt.

Es ist ihr Glück, dass die Berlinerin den Trubel so genießen kann. Denn nach dem sensationellen Einzug in das Finale des wichtigsten Tennisturniers der Welt wollen alle ein Stück vom Lisicki-Kuchen abhaben. Sie habe das in London ja gar nicht so mitbekommen, sagt Lisicki, aber schon der Empfang am Flughafen Tegel einen Tag zuvor sei eine Überraschung gewesen: „So viele Leute, das war ein schönes Gefühl.“

Die 23-Jährige und ihr Umfeld wollen jetzt die Früchte des Erfolgs ernten. Bis Ende der Woche bleibt sie in Berlin, die meiste Zeit wird für öffentliche Termine draufgehen. Anschließend fliegt sie nach Florida, die Vorbereitung auf die Hartplatz-Saison steht an. Drei Turniere möchte Lisicki auf dem Belag absolvieren, bevor in sechs Wochen mit den US Open das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres beginnt. Die Erwartungen sind groß. Lisickis Fräuleinwunder hat Lust auf mehr gemacht. Vor allem aber hat es die Überlegungen befeuert, ein weiteres WTA-Turnier nach Deutschland – und insbesondere Berlin zu holen. „Ich hoffe, dass es ein Turnier in Berlin geben wird. Ich würde sehr gern in meiner Heimat spielen“, sagt sie.

Sie ist wieder Single

Ihr Heimatklub LTTC Rot-Weiß – bis 2008 Ausrichter der German Open – führt bereits Verhandlungen mit Sponsoren. Ein internationales Damenturnier auf Rasen, das macht die Runde. „Berlin soll im Gespräch sein. In zwei Jahren wird Wimbledon um eine Woche nach hinten verlegt. Dann wäre Zeit für ein weiteres Turnier. Und dann auch noch Rasen…“, philosophiert Lisicki. Dass ihr Verein möglicherweise sogar den Court neben dem Steffi-Graf-Stadion nach ihr benennen will, hat sie gar nicht mitbekommen: „Das wäre eine große Ehre.“ Überhaupt wird die Zeit genutzt, um ein paar Dinge klarzustellen. So wünscht sich Lisicki, dass ihr Sport den Weg zurück ins öffentlich-rechtliche Fernsehen findet, auch wenn sie den ersten Grand-Slam-Titel seit 14 Jahren nicht nach Deutschland holen konnte. Ein bisschen Enttäuschung sei noch da, doch Tränen würden nicht mehr fließen, muss sie Moderator Claus Lufen enttäuschen.

Gute Nachrichten gibt es für heimliche Verehrer: „Ich spreche eigentlich nicht über mein Privatleben. Ich kann nur soviel sagen: Das ist nicht mehr aktuell“, sagt sie einem Fernsehsender über ihre Beziehung zu Benjamin Starke. Lisicki und der drei Jahre ältere Ex-Schwimmprofi sollen seit Anfang 2012 ein Paar sein. Nachdem sie noch die Frage, ob das britische Prinzenpaar Kate und William ihr Baby „Sabine“ nennen wird, mit einem lauten Lachen beantwortet hat („Da habe ich mir keine Gedanken drüber gemacht“), dankt sie ihren Eltern: „Es war ein langer Weg. Das hat uns zusammengeschweißt.“

Richard und Elisabeth Lisicki sind wie immer dabei, sie haben sich etwas abseits gesetzt. Seit Weihnachten begleiten sie ihre Tochter ununterbrochen auf der Tour. Für Stunk sorgt das in der fahrenden Familien-WG nicht. „Sabine und ich sind vom selben Schlag. Wenn wir uns mal streiten, ist nach zehn Minuten alles wieder in Ordnung“, sagt Richard Lisicki. Trotz seiner ruhigen Art ist dem studierten Sportwissenschaftler die Zufriedenheit anzumerken. „Für mich ist ihr Erfolg eine logische Konsequenz der harten Arbeit“, sagt der 61-Jährige, der seine Tochter seit frühester Kindheit fördert. Es sei eine Frage der Zeit gewesen, bis eine deutsche Spielerin wieder einen großen Erfolg feiern könne. Dass es ausgerechnet seine Sabine ist, sei besonders schön. Auch er hat von den Plänen eines WTA-Turniers in Berlin gehört, warnt aber: „Es ist nicht so leicht, bei der WTA eine Lizenz zu bekommen.“

Seit zwei Monaten teilt Lisicki sich das Traineramt mit dem Belgier Wim Fissette: „Wir respektieren und ergänzen uns gut.“ Jetzt müsse man Sabine vor allem auf die Umstellung von Gras- auf Hartplatz vorbereiten. Regenration sei zunächst besonders wichtig. Zehn Stunden und 33 Minuten stand Lisicki in Wimbledon insgesamt auf dem Platz. Den anstehenden Medien-Marathon wird sie definitiv überstehen. Zu verlieren hat sie dieses Mal nichts.