Beachvolley

Beim WM-Debüt gleich Silber gewonnen

Sensation durch Beachvolleyballerinnen Borger/Büthe. Berliner Erdmann/Matysik im Halbfinale

Ganz hat es nicht gereicht, doch Karla Borger und Britta Büthe haben ein neues Beachvolleyball-Kapitel aufgeschlagen. Als erstes deutsches und sogar europäisches Team waren die Stuttgarter WM-Debütantinnen bei der Weltmeisterschaft in Polen ins Endspiel eingezogen – und fahren nun völlig überraschend mit der Silbermedaille nach Hause. „Wir hatten keinen festen Rückflug gebucht, irgendwie war das ein Zeichen“, meinte Borger.

Dass Borger/Büthe im Finale gegen die international erfahrenen Chinesinnen Chen Xue/Xi Zhang nach großem Kampf knapp mit 1:2 (21:18, 17:21, 19:21) an der ganz großen Sensation vorbeischrammten, konnte den Gesamteindruck nicht trüben. „Unglaublich. Wir hatten keinen Druck und konnten locker aufspielen“, sagte die 25-jährige Büthe nach dem Halbfinal-Krimi gegen die USA. Auch Karla Borger konnte den Erfolg kaum fassen. Gemeinsam mit ihrer Partnerin gewann die 24 Jahre alte Stuttgarterin sieben WM-Spiele nacheinander. Vor 8000 begeisterten Volleyball-Fans im masurischen Kurort Stare Jablonki wehrten Borger/Büthe noch im Endspiel fünf Matchbälle ab und hatten selbst einen. Doch den Lohn für ein Superspiel konnten sie nicht einfahren.

Mit einem fast perfekten ersten Satz und einer Energieleistung im zweiten Durchgang hatten sich Borger/Büthe zuvor gegen die an Rang drei gesetzten US-Amerikanerinnen April Ross und Whitney Pavlik mit 2:0 (21:15, 21:19) durchgesetzt. Sie waren vor dem WM-Turnier auf Rang 17 eingestuft worden. 45.000 Dollar (35.000 Euro) Preisgeld darf der Überraschungs-Vizeweltmeister mit nach Hause nehmen.

Seit 2010 bilden Borger/Büthe ein Team. Aber erst seit dieser Saison treten die beiden, die seit November des Vorjahres vom spanischen Trainer Guillermo Hernandez gecoacht werden, als eines von drei deutschen Frauen-Nationalteams an. Rang fünf bei der EM und ein vierter Platz auf der Welttour in Rom waren vor dem WM-Finale ihre besten Platzierungen. Die Verbindung zum neuen Coach kam eher zufällig zustande. Hernandez war mit seiner argentinischen Frau Silvana Olivera, die beim Volleyball-Bundesligisten MTV Stuttgart in der Halle spielt, nach Schwaben gekommen. Bundestrainer Jörg Ahmann hatte Borger und Büthe lange im Jugendbereich gefördert und den Tipp Hernandez gegeben: Jetzt konnte der Spanier schon jubeln: „Das ist eine Riesenüberraschung“, sagte er, „Karla und Britta haben ihre Stärken genutzt.“

Auch die deutschen Männer sind auf Medaillenkurs. Jonathan Erdmann und Kay Matysik aus Berlin schlugen im Viertelfinale die Brasilianer Evandro Oliveira/Vitor Felipe mit 2:0 (21:17, 21:19) und stehen erstmals im WM-Halbfinale, wo es heute gegen die Niederländer Alexander Brouwer/Robert Meeuwsen geht. Sie sind noch ohne Satzverlust. „Noch haben wir nicht alles ausgeschöpft. Wir haben noch ein, zwei Sachen in petto“, sagte der 25 Jahre alte Erdmann: „Es gibt drei Medaillen zu vergeben. Wir hätten gern eine, am liebsten die, die am meisten glänzt, die goldene.“