Berliner Klub

Bei Rot-Weiß feiern die Mitglieder ihr „nettes Mädchen“

Am Montag besucht Lisicki den Klub an der Hundekehle

Das Wetter spielte mit. Dort, wo die Vereinsmitglieder sonst auf dem Steg am See oder auf der Terrasse sitzen, drängte sich gestern Nachmittag alles im Klubhaus des LTTC Rot-Weiß zusammen. Rund 150 der 1000 Mitglieder verfolgten gebannt das Spiel von Sabine Lisicki. Ohne Werner Ellerkmann: Der Präsident war am Freitag von den Eltern der Tennisspielerin eingeladen worden und kurzerhand nach London geflogen.

„Wir freuen uns für Sabine. „Sie ist ein nettes Mädchen. Für uns Tennisspieler ist es toll, wenn ein Deutscher im Finale steht, und besonders toll ist das natürlich, wenn derjenige auch noch im eigenen Klub spielt“, sagte Vorstandsmitglied Jan Wever. Applaus und besorgtes Raunen wechselten sich im Klubhaus ab. Der zehnjährige Lukas Bauer fand es cool, dass Sabine Lisicki so weit gekommen ist: „Sie hat die Besten der Welt geschlagen, sie hat eine sehr gute Vorhand, und viel Kraft in den Armen.“

Das Spiel hat die Mitglieder mobilisiert, alle fiebern mit, auch Karlheinz Teichmann wünschte Sabine Lisicki den Sieg: „Wenn sie Wimbledon gewinnt, wäre sie eine würdige Nachfolgerin für unsere heißgeliebte Steffi Graf, nach der unser Stadion benannt ist.“ Das Spiel läuft. Hinter der Theke schenkt der Wirt wie ein Weltmeister die kühlen Getränke aus. Auch Koch Jon Subras (30) hat für diesen Sonnabend reichlich Vorrat an Würstchen und Nackensteaks besorgt. Fest steht bereits, dass die Tennisspielerin ihren Verein am Montag besuchen wird. Darüber freut sich Rot-Weiß auch deshalb, weil ab Montag ein hochklassiges Jugendturnier an der Hundekehle ausgetragen wird.

Ein Wunsch verhallt ungehört

Aber nicht nur im Klubhaus herrschte großer Andrang. Die Plätze im „Talk about Race“ an der Franklinstraße waren an diesem Nachmittag gefragt. Trotz der sommerlichen Temperaturen hat keiner der Besucher vorzeitig das Feld geräumt. „Das war ein klasse Endspiel, auch wenn Sabine heute nicht ihr Können auf den Tennisplatz zaubern konnte“, sagte Moritz Wolf. Gemeinsam mit Freunden hatte der angehende Student das Wimbledon-Endspiel nicht verpassen wollen. „Die zwei Stunden kann man schon dafür opfern, zumal mit Sabine eine Berlinerin im Endspiel steht“, sagte er.

Und während er für seine künftigen Kommilitonen mit einem sicheren Gefühl für das Spiel beste Kommentare lieferte, rief ein Knirps nur zwei Tische weiter: „Ich möchte auch Tennis lernen.“ Vielleicht war das der entscheidende Augenblick, in dem ein neuer Wimbledon-Star hätte geboren werden können. Doch die Augen und Ohren der Eltern sind in diesem Moment konzentriert auf einen der zahlreichen Großbildschirme in dem Eventlokal gerichtet, und der Wunsch des Knaben bleibt somit ungehört.