Transferpolitik

Wenn Geld zum Fluch wird

Warum Borussia Dortmund bisher vergeblich nach den angekündigten Verstärkungen sucht

Die Ausstatter von Borussia Dortmund werden wohl einige Anzüge nachträglich anfertigen müssen. Denn wenn sich die Spieler des Champions-League-Finalisten heute Vormittag am Trainingsgelände in Dortmund-Brackel zur Einkleidung treffen, werden einige Profis, die in der zukünftigen Mannschaft von Jürgen Klopp eine Rolle spielen sollen, noch nicht anwesend sein.

Zu Beginn der Saisonvorbereitung steht allenfalls fest, dass noch nichts feststeht – zumindest was die mit Spannung erwarteten Spielerverpflichtungen angeht. Markige Sätze von Hans-Joachim Watzke stehen im Raum. Der BVB werde eine Mannschaft präsentieren, die „mindestens ebenso gut“ wie die der vergangenen Saison sei, hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung nach der Final-Niederlage in der Königsklasse gegen Bayern München am 25. Mai gesagt. Watzke weckte Erwartungen damit.

Die zu erfüllen, ist angesichts eines aufgeheizten Transfermarkts gar nicht so einfach. Einen Ersatz für Mittelfeldmann Mario Götze, den die Dortmunder an die Bayern verloren haben, konnten Watzke, Klopp und Sportdirektor Michael Zorc bislang noch nicht präsentieren. Und das liegt nicht daran, dass das zur Verfügung stehende Budget zu gering ist.

Im Gegenteil: Zu den 37 Millionen Euro Ablöse für Götze kommen noch 70 Millionen, die die Dortmunder aus der erfolgreichen Saison in der Champions League eingenommen haben. „Konkret heißt das, dass wir 50 Millionen Euro in neue Spieler investieren können“, konkretisierte Watzke gegenüber „Bild“.

Bislang steht der griechische Defensivallrounder Sokratis (acht Millionen Euro Ablöse) als einziger Zugang fest. Zorc, der bei der Transferpolitik federführend ist, macht die Erfahrung, dass Geld auch zum Fluch werden kann. Besonders bei den Offensivspielern, nach denen die Borussen ihre Fühler ausgestreckt haben. Zorcs Verhandlungspartner bei den abgebenden Vereinen wissen sowohl um den Bedarf als auch um die finanziellen Mittel der Dortmunder. Da werden, wie im Fall des brasilianischen Mittelfeldtalents Bernard, auch schon mal die Preise verdoppelt: Zunächst wollte Atletico Mineiro zehn Millionen Ablöse – als die Dortmunder anfragten, wurden plötzlich 20 Millionen aufgerufen. War es vor diesem Hintergrund ein Fehler, dass Watzke die geplanten Investitionen so offensiv ankündigte?

Nein. Es war eher eine Notwendigkeit. Und zwar um aufzuzeigen, dass es auch nach den Versuchen der Bayern, die Dortmunder als Konkurrenten zu destabilisieren (Götze-Transfer, das anhaltende Theater um Robert Lewandowski), weiter das Bestreben gibt, sich in der nationalen und internationalen Spitze zu halten. Zum einen muss der BVB als einziges börsennotiertes Unternehmen der Bundesliga den Aktionären Perspektiven aufzeigen. Zum anderen, sagt Watzke, müsse der Mannschaft signalisiert werden, „dass wir sportlich weiter sehr ambitioniert bleiben“. Daran werde sich trotz des aktuell einen oder anderen Rückschlages auf dem Transfermarkt nichts ändern.

So bleibt Zorc weiter am Ball, was den armenischen Nationalspieler Henrikh Mkhitaryan (24) von Schachtjor Donezk angeht. Das Problem soll allerdings auch hier die Ablöseforderung von etwa 30 Millionen Euro sein. Parallel bemühen sich die Borussen um den französischen Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang (24) von AS St. Etienne, dessen Transfer „Bild“ gestern als perfekt meldete, während der Verein dies nicht bestätigte.

Die Dortmunder wollen sich nicht unter Druck setzen lassen. „Mit Geld könnten wir alles schnell lösen“, sagte Watzke: „Aber wir wollen auch wirtschaftlich weiter sinnvoll handeln.“ So wird Trainer Jürgen Klopp Mittwoch zumindest ohne weitere Verstärkungen ins Kurztrainingslager nach Kirchberg in Tirol reisen. Was das zukünftige Gesicht des BVB angeht, bleibt es spannend.