Tennis

Haas stößt gegen Djokovic an seine Grenzen

35-Jähriger chancenlos gegen die Nummer eins der Welt

Eine Stunde war gespielt, und die Selbstgespräche von Tommy Haas klangen immer verzweifelter. „Jesus“ raunzte der Routinier in den Himmel über Wimbledon, er hatte gerade drei Breakbälle gegen Novak Djokovic abgewehrt und seinen Aufschlag trotzdem abgeben müssen. Wahrscheinlich hätte Haas im All England Club auch göttlicher Beistand nicht geholfen – zu stark spielte der Weltranglistenerste aus Serbien. Haas unterlag 1:6, 4:6, 6:7 (4:7) und verpasste es, beim wichtigsten Tennisturnier der Saison zum zweiten Mal nach 2009 ins Viertelfinale einzuziehen.

Haas musste sich nach seiner sechsten Niederlage im neunten Duell mit Djokovic kaum Vorwürfe machen. Klar: Der gebürtige Hamburger knüpfte nicht an die Vorstellungen der ersten drei Runden an, vor allem in Satz eins unterliefen ihm bei eigenem Aufschlag zu viele leichte Fehler. Doch Djokovic bewies im gesamten Match eindrucksvoll, dass er in diesem Jahr erster Anwärter auf den Titel im Südwesten Londons ist.

Auch Murray ohne Satzverlust

Egal wie präzise Haas sein gefürchtet variables Angriffstennis vorführte, der Wimbledonsieger von 2011 befreite sich aus beinahe jeder Lage. Es muss frustrierend sein, wenn der Gegner im Spagatschritt ins äußerste Eck des Platzes rutscht und Sekundenbruchteile später auf der anderen Seite zum Winner ansetzt. Haas spürte früh, dass er seinen Sieg von 2009 an diesem Tag kaum würde wiederholen können. Der 35-Jährige kämpfte bis zum letzten Ballwechsel, doch die Magie, die es benötigt, Djokovic bei einem Grand Slam zu bezwingen, fehlte Deutschlands Topspieler.

Das war bereits bei den French Open in Paris so gewesen, als Haas ebenfalls in drei Sätzen im Viertelfinale an Djokovic gescheitert war. Beim Masters in Miami war ihm in dieser Saison auch ein Sieg gelungen, ein Masters ist jedoch nicht Wimbledon. Als Haas gerade im Spiel angekommen war und mit seinem ersten Break im zweiten Satz 4:2 in Führung ging, erhöhte Djokovic das Tempo und agierte urplötzlich aggressiver. Anschließend führte Haas kaum noch Selbstgespräche – das ist bei ihm ein schlechtes Zeichen. Im dritten Satz kassierte er zum 2:4 ein Break, der Kopf mit der umgedrehten Kappe hing immer tiefer. Haas kämpfte sich noch einmal heran, wehrte beim Stand von 4:5 einen Matchball ab, doch am Ende reichte es nicht.

Djokovic bleibt im Turnierverlauf ohne Satzverlust. Nach den frühen Niederlagen von Rafael Nadal und Roger Federer läuft in diesem Jahr alles auf ein Endspiel zwischen Djokovic und Andy Murray heraus. Der britische Hoffnungsträger setzte sich gegen Michail Juschni (Russland/Nr. 20) 6:4, 7:6 (7:5), 6:1 durch und hat in vier Matches ebenfalls noch keinen Satz verloren.