American Football

WM mit Selbstbeteiligung

Im American Football müssen Nationalspielerinnen Reisekosten bezahlen

Ein bisschen aufgeregt ist Christina Schampel schon. In Finnland beginnt heute für die 30-Jährige vom Deutschen Meister Berlin Kobra Ladies mit dem American-Football-Nationalteam die Weltmeisterschaft. Dort trifft Deutschland bereits in der Vorrunde auf den großen Favoriten USA, der bei seinem WM-Titel vor drei Jahren während des gesamten Turniers keinen einzigen Punkt kassierte. „Ich bin gespannt, wo die Amerikanerinnen so schweben“, sagt Schampel. Einen Sieg hält sie für ausgeschlossen. „Aber vielleicht gelingt uns ja ein Touchdown.“

Dass sie in diesem Jahr den Sprung ins Nationalteam geschafft hat, verdankt sie neben ihrem sportlichen Talent auch ihren Eltern, die sie großzügig finanziell unterstützen. „Mama und Papa sind mein Hauptsponsor“, erzählt sie. Denn was im Fußball undenkbar wäre, ist im Frauenfootball ganz normal: Die Spielerinnen müssen für den Großteil der Kosten selbst aufkommen. 1500 Euro zahlt jede für Flug, Unterkunft, Verpflegung und den Helm in Nationalfarben. WM-Ausrichter Finnland übernimmt nur die Kosten für die Reinigung der Trikots.

Die hohe Selbstbeteiligung führt dazu, dass einige der besten Spielerinnen gar nicht in der Nationalmannschaft vertreten sind. „Auch bei den Berlin Kobra Ladies gibt es einige, die sportlich ganz sicher gut genug wären, die sich die WM-Teilnahme aber nicht leisten konnten“, sagt Jacqueline Conrad, die wie Schampel und vier weitere Berlinerinnen in Finnland dabei ist. So kommt es, dass im deutschen Aufgebot lediglich eine Spielerin von Vizemeister Düsseldorf steht, dafür aber fünf von Zweitligist Stuttgart. Vier spielen nicht einmal in der zweiten Liga. „Trotzdem haben wir starke Leute im Team“, beharrt Conrad. Sie hat sich bei der WM den Gewinn einer Medaille fest vorgenommen.

Auch Christina Schmidt, eine weitere Kobra Lady, musste trotz der finanziellen Belastung nicht lange überlegen, ob sie teilnehmen sollte. „Das ist das Höchste, das man erreichen kann“, sagt sie. Sie zögerte auch deshalb nicht, weil niemand weiß, ob und wann es erneut Welttitelkämpfe geben wird. Im Frauenfootball gibt es keinen festen Rhythmus; die WM findet statt, wenn sich ein Ausrichter und ausreichend Teilnehmer gefunden haben. Obwohl sich vielerorts Teams gründen, steckt der Sport noch in den Anfängen. Von vielen wird das Treiben auf dem Feld belächelt, chauvinistische Sprüche sind keine Seltenheit. „Dabei geht es bei uns körperlich genauso zur Sache wie bei den Männern“, sagt Schampel. Trotzdem gibt es kaum Sponsoren. „Für die Firmen ist es schwierig, über den Frauenfootball etwas zu verkaufen“, meint sie. Beim Männerfootball könnten die Unternehmen mit dem Bild des starken Mannes werben, „aber mit einer starken Frau können sich eben nur wenige identifizieren.“

Deshalb ist die Nationalmannschaft in diesem Jahr andere Wege gegangen, um die finanzielle Belastung der Spielerinnen zumindest ein wenig zu senken. Über einen Fanshop und ein Spendenportal, auf dem unter anderem auch soziale Projekte für die Dritte Welt um Unterstützung werben, sollten Einnahmen akquiriert werden. Allerdings mit mäßigem Erfolg: Bis Mitte Juni waren erst fünf Prozent der erhofften Summe zusammengekommen. Christina Schampel und ihre Teamkolleginnen werden weiter auf ihr Erspartes und die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen sein.