Motorsport

Stars drohen mit Streik

Formel 1 sucht fieberhaft nach Gründen für Reifen-Fiasko in Silverstone

Die Formel-1-Stars hat vor dem Deutschland-Rennen die nackte Angst um Leib und Leben gepackt. Die Reifen-Explosionen von Silverstone verunsichern Fahrer und Teams zutiefst und haben sogar eine Debatte um einen Boykott des Gastspiels auf dem Nürburgring entfacht. „Das ist einfach nicht akzeptabel. Sie machen erst etwas, wenn jemand verletzt wird“, schimpfte Mercedes-Pilot Lewis Hamilton.

Der Weltverband Fia berief eine Krisensitzung für Mittwoch ein, Präsident Jean Todt drängte Reifenhersteller Pirelli zu schnellen Lösungen. Chefvermarkter Bernie Ecclestone kündigte nach Rücksprache mit Todt am Montag an, Pirelli werde sechs zusätzliche Testtage ohne Auflagen erhalten, um das Problem zu beheben. „Sie können machen, was sie wollen“, sagte Ecclestone. Ändert sich aber bis zum Wochenende nichts, könnten die Fahrer streiken. „Darüber werden wir ganz sicher diskutieren. Für unsere Sicherheit könnten wir das tun“, sagte Ferrari-Pilot Felipe Massa.

Die eskalierte Lage erinnert fatal an den Indianapolis-Skandal von 2005, als die Michelin-Reifen den Belastungen auf der US-Strecke nicht standhielten und fast alle Teams ihre Autos nicht starten ließen. Nur die drei von Bridgestone ausgerüsteten Rennställe fuhren unter wütenden Beschimpfungen der Fans den Grand Prix. Rekord-Weltmeister Michael Schumacher entschied das Rennen damals für sich. „Wir wollen kein neues Indianapolis“, sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Lange war die Debatte um die empfindlichen Pirelli-Pneus in dieser Saison ein Machtspielchen zwischen den Teams, die besser oder schlechter mit den Gummimischungen zurechtkommen. Jetzt aber geht es um die Gesundheit und das Leben der Fahrer. „Natürlich war das riskant“, sagte Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg. Sein zweiter Saisonsieg vor Webber und Ferrari-Star Fernando Alonso geriet fast zum Randaspekt inmitten des hochbrisanten Reifenstreits. „Die müssen das analysieren, denn so etwas ist nicht gut für die Formel 1“, fügte Rosberg hinzu.

Doch was kann Pirelli bis zum Freitagstraining in der Eifel wirklich verändern? „Wir haben etwas gesehen, das wir nicht verstehen“, bekannte Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery und beteuerte: „Wir nehmen das Thema sehr ernst.“ Das italienische Unternehmen aber ist keineswegs der Alleinschuldige an dem Desaster. Der neue Reifen mit höherem Verschleiß wurde ausdrücklich auf Wunsch der Formel 1 eingeführt. Als sich zu Saisonbeginn die Pannen und Klagen häuften, bot Pirelli Änderungen an. Doch Lotus, Ferrari und Force India, deren Autos gut mit den Reifen zurechtkommen, blockierten eine Reform.

„Wir müssen alle zusammenhalten. Jetzt geht es nicht mehr um irgendeinen Vorteil, sondern nur noch um die Sicherheit“, betonte Mercedes-Manager Toto Wolff.