Kommentar

Pirelli muss schnell handeln

Matthias Brzezinski über ein Reifen-Desaster

Exakt 1800 Reifen liefert Exklusivlieferant Pirelli zu jedem Formel-1-Rennen – seit dem WM-Auftakt in Melbourne. Mit überschaubarem Erfolg. Gestern, beim Großen Preis von England, erlebte eine Saison ihren vorläufigen Tiefpunkt, in der kein Thema so beherrschend ist wie der Umgang mit den Gummiwalzen. Vier Totalschäden in voller Fahrt, jeweils hinten links – das hätte für Lewis Hamilton, Felipe Massa, Jean-Eric Vergne und Sergio Perez tödlich enden können. Es ist zu simpel, Pirelli allein die Schuld zuzuweisen. Aber die Italiener, die von den Verantwortlichen der Fia den Auftrag erhalten hatten, Reifen zu produzieren, die den Teams viel Fingerspitzengefühl abverlangen, sind gefordert, jetzt zu reagieren.

Andernfalls sind die Fahrer gefragt. So wie 2005, als sich beim Grand Prix der USA lediglich sechs Fahrzeuge dem Starter stellten. Damals hatten alle Piloten auf Michelin-Pneus eine Rennteilnahme verweigert, weil ihre Reifen den Anforderungen der Strecke nicht gewachsen waren.

Die WM 2013 wird überlagert von Diskussionen, Verhandlungen, Mutmaßungen und dem Versuch einiger Protagonisten, sich Vorteile auf dem Gebiet der Gummiwalzen zu verschaffen. Das ist kontraproduktiv für die Formel 1. Pirelli muss handeln. Notfalls durch Lieferung der Reifengeneration 2012 zum nächsten Rennen am Nürburgring. Es geht schließlich um die Sicherheit von Fahrern und Zuschauern. Für Ursachenforschung ob der Schwächen der aktuellen Reifen ist später noch Zeit.