Testspiel

Hertha nimmt die nächste Hürde

Beim 6:1 im Test in Strausberg überrascht Trainer Luhukay mit dem Wunsch nach einer Erstliga-Saison ohne Heimniederlage

Gekommen waren die 4000 Zuschauer, um die Profis von Hertha BSC einmal ganz aus der Nähe zu erleben. So nett das standesgemäße 6:1 (2:0) des Hauptstadt-Klubs beim fünftklassigen FC Strausberg war – für das größte Aufsehen sorgte Jos Luhukay. Beim Halbzeit-Interview am Stadionmikrofon wurde der Cheftrainer zu den Zielen von Hertha nach dem Aufstieg in die Bundesliga befragt. Luhukay sagte ebenso entspannt wie selbstbewusst: „Ich möchte, dass wir auch in der kommenden Saison im Olympiastadion kein Heimspiel verlieren.“

Spontan ging ein Raunen durchs Publikum, dann setzte es eine Mischung aus ungläubigem Gelächter und Applaus. Hertha hatte zwar im vergangenen Spieljahr eine weiße Heimweste behalten. Aber da hießen die Gegner in der Zweiten Liga Sandhausen, Ingolstadt, Aalen oder Union. Während künftig die Bayern, Dortmund, Leverkusen und Schalke in Berlin vorsprechen werden.

Ndjeng dribbelt sich durch

Der Ausflug nach Brandenburg war ein netter Aufgalopp, ehe es ab heute im Konditionstrainingslager am Scharmützelsee ernst wird. Trainer Luhukay wechselte wie schon beim ersten Vorbereitungsspiel in Falkensee (4:0) zur Pause die komplette Mannschaft durch. Die Formation um Ronny und Adrian Ramos tat sich in der ersten Hälfte schwer gegen den gut organisierten Oberligisten. Der Bundesligist dominierte zwar klar, tat sich aber zunächst schwer, seine Möglichkeiten zu nutzen.

Erst eine Einzelleistung von Marcel Ndjeng, der an drei Verteidigern und Torwart Christopher Ewest vorbeiging und den Ball einschob, brachte die Führung (19.). Adrian Ramos, der ansonsten seine liebe Mühe mit dem Spielgerät hatte, erzielte den zweiten Treffer (25.).

Dennoch war nicht zu übersehen, dass Hertha sich in der Vorbereitung befindet. So versiebte Ronny geradezu kläglich den besten Angriff des Spiels. Die Gäste versuchten es mit Direktspiel, Ronny auf Ramos, der schickte Levan Kobiashvili in den Strafraum. Dem Georgier warfen sich zwei Verteidiger und der Schlussmann entgegen, Kobiashvili passte in den Rücken dieses Trios – und Ronny schob den Ball aus sechs Metern am leeren Tor vorbei (36.).

Die Hertha-Elf des zweiten Durchgangs ging um einiges zielstrebiger zu Werke. Sandro Wagner spielte Sami Allagui frei, der auf 3:0 erhöhte (52.).

Dann leistete sich Nico Schulz einen gedanklichen Blackout. Herthas Mittelfeldspieler passte von der Außenlinie unbedrängt quer in den eigenen Strafraum – dem Strausberger Alexander Rahmig in die Füße. Dessen zwei erste Versuche parierte Torwart Philip Sprint, aber der dritte Schuss segelte ins Netz, der vielumjubelte Ehrentreffer (55.).

Der neben Wagner auffälligste Berliner sorgte rasch für den alten Abstand. Hany Mukhtar, der mit Kapitän Peter Niemeyer auf der Doppelsechs spielte, erhöhte auf 4:1 (59.).

Es war ein familiärer Fußball-Nachmittag in Strausberg. Seinen Einstand im Hertha-Dress gab Alexander Baumjohann. Der Mittelfeldspieler, ablösefrei vom 1. FC Kaiserslautern gekommen, fremdelte sichtbar in der neuen Umgebung. Die Laufwege mit den Kollegen, die Raumaufteilung, das wird alles noch besser werden. Aber selbst in so einer Partie deutete Baumjohann seine Qualitäten mit einem gewitzten Steckpass in die Mittelstürmer-Position an. Wagner ließ sich nicht bitten und vollendete zum 5:1 (63.). Der Angreifer zeigte sich gerüstet für den Konkurrenzkampf im Sturm mit Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga. Wagner schoss mit dem 6:1 seinen zweiten Treffer und setzte den Schlusspunkt dieser Vorbereitungspartie (70.). Trainer Luhukay sagte: „Es ist wichtig, dass wir von Spiel zu Spiel besser werden. Die Spieler brauchen diese Begegnungen, um in den Rhythmus zu kommen.“ Sechs Wochen vor dem Start monierte der Coach nicht die vergebenen Chancen, sondern freute sich, „dass wir uns viel mehr Chancen erarbeitet haben, als in Falkensee drei Tage zuvor“.

Kuchno wechselt zu Schalke

Nun werde er guten Mutes mit der Mannschaft ins Konditionstrainingslager fahren. Nicht dabei ist der Konditionstrainer. Henrik Kuchno (39) hatte am Sonnabend Manager Michael Preetz und den Trainer informiert, dass er am Montag einen neuen Job antreten will. Kuchno wird nahtlos zu Schalke 04 wechseln.

„Wir werden den Posten nicht neu besetzen“, sagte Luhukay. Die Aufgaben von Kuchno werde Co-Trainer Markus Gellhaus übernehmen. Kuchno genießt in der Branche einen guten Ruf. Er war von 2010 bis 2012 maßgeblich für die Fitness bei Hertha zuständig. Doch nach der Ankunft von Luhukay und Gellhaus im vergangenen Sommer hatte er seine Zuständigkeiten weitgehend an den Cotrainer abtreten müssen. „Deshalb trifft uns der Weggang als Mannschaft nicht“, sagte Luhukay. „Aber Henrik ist ein guter Typ, menschlich und mit seinem Ehrgeiz wird er uns fehlen.“