Tour de France

Kittel verliert sein Gelbes Trikot, Martin fährt trotz Sturz weiter

Belgier Bakelants ist neuer Spitzenreiter der Tour de France

Marcel Kittels Triumphfahrt hat nur einen Tag gedauert, die Schmerzenstour für Tony Martin geht indes weiter. Am zweiten Tag der 100. Tour de France musste Kittel sein Gelbes Trikot an den Tagessieger Jan Bakelants weiterreichen. Der Belgier siegte mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Slowaken Peter Sagan. Der schwer angeschlagene Martin, der sich beim Chaos-Auftakt des Jubiläums bei einem Sturz eine Lungenprellung und eine tiefe Fleischwunde am Ellenbogen zugezogen hatte, schleppte sich bei großer Hitze 156 Kilometer ins Ziel der zweiten Etappe nach Ajaccio. Sein großes Tourziel bleibt das Einzelzeitfahren der elften Etappe am 10. Juli.

Kittel verlor bei der Fahrt über drei Steigungen in den Süden Korsikas über zehn Minuten. Dem Youngster blieb immerhin noch das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers. „Ich will einfach nur diese Atmosphäre aufsaugen und den Tag genießen“, sagte Kittel, nachdem er ganz in gelb gekleidet bei strahlendem Sonnenschein den Bus seines Teams Argos-Shimano am Start in Bastia verlassen hatte. „Es ist verrückt, ich bin immer noch ganz durcheinander“, gestand er. Die eine Nacht hatte ihm nicht gereicht, das ganze Ausmaß seines Triumphes zu begreifen – zum ersten Mal seit fünf Jahren trug ein deutscher Radprofi wieder das Maillot Jaune. Erst gegen 22 Uhr hatte Kittel den Etappensieg mit dem Team ein wenig feiern können. „Ich habe versucht, ruhig durchzuschlafen. Richtig gelungen ist mir das nicht.“

Kittel schrieb dem besonderen Trikot eine große Wirkung zu. Den Erfolg von Bastia wertete er als Beweis, dass man auch ohne Doping große Erfolge feiern kann. „Der Radsport hat eine Kehrtwende vollzogen“, sagt der Thüringer, der zusammen mit seinem Teamkollegen John Degenkolb und Martin ein Dopinggesetz in Deutschland fordert. Während Kittel den Trikot-Verlust gefasst wegsteckte, waren Martin die Qualen anzusehen. „Tony wollte unbedingt weiterfahren, und aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen“, hatte Teamarzt Helge Riepenhof vor dem Start erklärt.

Kritik an der Organisation

Der Weltmeister war am Vortag Hauptleidtragender eines Sturzes fünf Kilometer vor dem Ziel der chaotischen Auftaktetappe. Die Spuren waren am Sonntag nicht zu übersehen: Der Verband um den Ellenbogen war durchgeblutet, genauso die Bandage unterhalb des Knies, als Martin den zweiten Tagesabschnitt in Angriff nahm. Nach Meinung vieler Fahrer und Teamchefs war auch das mangelhafte Krisenmanagement der Organisatoren am Sonnabend mitverantwortlich für den fürchterlichen Massensturz. Der Zielbereich war wegen eines havarierten Busses blockiert, und das rasende Feld kam immer näher, so dass die Organisatoren kurzzeitig die Vorverlegung des Zielstriches erwogen hatten. Sie verwarfen die Absicht, als die Zielgerade wieder frei war. Aber nicht alle Fahrer waren informiert.