Interview

„Heute könnte man glauben, da läuft ein Pornofilm“

Schlagerstar Roberto Blanco über die Spiele in Wimbledon

Er füllte als Schlagerstar und Showmaster große Hallen, hatte Millionenquoten im TV. Am liebsten aber war und ist Roberto Blanco (76) selbst Zuschauer – beim Tennis. Seit 50 Jahren tingelt er von Court zu Court. Stefan Frommann sprach mit ihm darüber.

Berliner Morgenpost:

Kann man sagen: Das Singen ist Ihr Beruf, Tennis ist Ihre Leidenschaft?

Roberto Blanco:

Ganz genau. Schon als ich Student in Beirut war, bin ich gerne zu Tennisturnieren gegangen. Als ich in den 60er-Jahren nach Deutschland kam, konnte ich meine Leidenschaft für das Tennis richtig ausleben.

Sie saßen schon auf allen Tennis-Tribünen.

Das können Sie so sagen. Roger Federer hat mich in Wimbledon in seine Loge eingeladen. Ich kenne Nadal, Becker sowieso, ach, es sind so viele. Und viele haben mich zu ihren Turnieren eingeladen. Roland Garros in Paris mag ich für seine Atmosphäre. Ich liebe auch Wimbledon. Ich war aber auch schon in Melbourne und in New York. Viel Beton dort, aber auch eine tolle Stimmung.

Über was haben Sie in Wimbledon am meisten gestaunt?

Am meisten über die Geduld der Engländer, die draußen übernachtet haben, um reinzukommen. Außerdem über die typische britische Art dort, die Traditionen, seien es die Erdbeeren oder die freundlichen Polizisten.

Was hat sich am meisten verändert?

An erster Stelle das Preisgeld. Und natürlich das Material. Ich habe noch einen alten Holzschläger zu Hause und einen dieser kleinen Aluminiumschläger von Jimmy Connors. Ich wundere mich, wie der damals damit getroffen hat.

Viele sagen, es sei noch schneller und vor allem noch kraftvoller geworden.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn ich Federer, Nadal oder Djokovic sehe. Erst recht die Frauen. Serena Williams drischt die Bälle nur so über den Platz. Was mir neu vorkommt, sind die Schreiereien, dieses unglaublich laute Gestöhne. Wenn man die Augen schließt, glaubt man, da würde ein Pornofilm laufen. Aber das gehört offensichtlich dazu.

Wer begeistert Sie heute am meisten?

Federers Art zu spielen, begeistert mich. Nadals unglaublicher Kampf. Djokovic ist ein echter Athlet. Murray hat einen unglaublichen Sprung nach vorne gemacht. Und: Chapeau vor Tommy Haas, dass er überhaupt wieder da ist. Wir haben im Moment viel Glück mit ihm.