1. FC Union Berlin

Eggimann ist schon ein Berliner

Unions neuer Abwehrchef aus der Schweiz fühlt sich bereits nach wenigen Tagen heimisch

Die gute Laune ist ihm anzusehen. In jeder Übung, die er auf dem Trainingsplatz an der Alten Försterei absolviert, auch wenn sie noch so anstrengend ist. In jedem Gespräch, dass er führt, ob mit seinen Mitspielern oder mit den Fans. Es scheint so, dass Mario Eggimann bereits seit Jahren seine Fußballschuhe für den 1. FC Union schnürt. Dabei ist der Schweizer erst seit Mitte Juni in Berlin zu sehen, steht heute in Fürstenwalde (18.30 Uhr) erst zum dritten Mal für Union auf dem Platz, im Testspiel gegen den tschechischen Zweitligisten Banik Most.

Zuhause ist, wo man sich wohlfühlt, heißt es in einem Sprichwort. Und Eggimann muss sich bereits in Köpenick verdammt wohl fühlen. Seine Augen fangen an zu leuchten, als er vom durchaus grünen Südosten der Hauptstadt erzählt.

„Man muss nicht groß über Berlin diskutieren“, sagt der 32-Jährige. Seine Zelte in der Hauptstadt aufzuschlagen, hat ja aufgrund der Vielfältigkeit der Metropole für Hinzugezogene immer schon seinen besonderen Reiz gehabt. „Was ich aber geil finde, ist die Umgebung hier“, erzählt Eggimann. Nein, er schwärmt sogar: „Das ist wie bei mir in der Schweiz, wo ich aufgewachsen bin. Kleine Altstadt, mit einem See oder Fluss, das gefällt mir sehr gut. Ich fühle mich sehr wohl, deswegen wohne ich auch hier in der Nähe des Stadions.“

Leitwolf in der Defensive

Man könnte unweigerlich auf die Idee kommen, Eggimann wurde ausgeschickt, einen Reiseführer für Köpenick mit all seinen Vorzügen zu erstellen. Doch der Eidgenosse wurde verpflichtet, um Fußball zu spielen. Nicht als irgendjemand, sondern als neuer Leitwolf in der Defensive. „Ich sehe in ihm ganz klar einen Führungsspieler, von dem unsere Mannschaft profitieren wird“, urteilte Trainer Uwe Neuhaus voller Lob über seinen neuen Innenverteidiger.

Ein Lob, das verpflichtet und bei jüngeren Spielern doch schon mal Druck verursachen könnte. Oder diese spezielle Art von Lampenfieber, wenn es zu einem neuen Verein geht. Eggimann ist die Ruhe selbst. Zu weit ist der 1,89-Meter-Mann bereits herumgekommen in der Welt, zu viel hat er erlebt, als dass ihn jetzt noch die Nervosität packen würde. „Ich mache meinen Job, so wie ich ihn immer gemacht habe“, sagt er lapidar. Doch er gibt auch zu: „Jeder Wechsel zu einem neuen Verein ist etwas Besonderes. Hier war ich natürlich besonders überrascht, weil ich im Vorfeld sehr viel darüber gehört und gelesen habe, was hier so abläuft, gerade im Umfeld. Und auch mit dem Altbau, wo ich mich vor ein paar Jahren schon mal warm gemacht habe – das ist einfach etwas Spezielles.“

Vor ein paar Jahren, das war, als er mit dem Karlsruher SC an der Alten Försterei vorspielte. Ein aufstrebender Profi Anfang 20, bereit, die Bundesliga zu erobern, was ihm mit dem Aufstieg 2007 schließlich gelang. Ein Jahr später dann der Wechsel zu Hannover 96. Seine bislang erfolgreichste Zeit begann, mit Qualifikation für den Europapokal und der Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Südafrika – wieder dieses Leuchten in seinen Augen, als er sich erinnert. „Das war natürlich schon ein einmaliges Erlebnis, die gesamte Zeit in Südafrika war schon speziell“, erzählt er: „Man hat damals schon gemerkt, dass die WM erstmals in Afrika stattfindet. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut.“ Zumal ihm mit seiner „Nati“ etwas inzwischen Historisches gelungen war: der bislang letzte Sieg gegen die Spanier bei einem großen Turnier (1:0). „Danach haben wir ja leider nicht mehr so viel geholt.“ Den Erfolg gegen die Iberer hätte Eggimann gerne gegen ein Weiterkommen im Turnier eingetauscht.

Doch Fußball ist bekanntlich kein Wunschkonzert. Und Eggimann auch nicht mehr einer der ersten Kandidaten, wenn der Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld seinen Kader zusammenstellt. „Hitzfeld kennt mich gut und weiß natürlich, was er an mir hat. Aber er hat auch irgendwann einen Umbruch in der Mannschaft vollzogen, den hatte er auch ganz klar angekündigt“, so Eggimann. Er blickt nach vorne. „Ich konzentriere mich jetzt voll auf Union, und alles andere ergibt sich von allein.“

Intensive Jahre in Hannover

So wie der Wechsel eines erfahrenen Bundesliga-Spielers (126 Einsätze, sieben Tore) von Hannover zu Union? „Mich hat gereizt, mit dieser Truppe zusammenzuarbeiten. Der Teamgeist ist enorm hoch, und das ist das, was ich auch wieder wollte und was mir ein bisschen gefehlt hat. Das finde ich einfach geil“, macht der Schweizer deutlich. Freilich ohne mit Groll zurückzublicken: „Ich habe sehr gute und intensive Jahre in Hannover gehabt. Aber ich habe in Karlsruhe auch eine sehr schöne Zeit erlebt, und diese Zeit wollte ich jetzt noch einmal suchen. Ich hoffe, dass ich sie hier finde.“ Sein siebter Sinn – der, der ihn auch als Abwehrspieler in brenzligen Situationen auf dem Platz auszeichnet – gibt ihm jedenfalls eindeutige Signale: „Mir gefällt es, etwas Neues zu machen. Und ich glaube nach wie vor, ich habe hier eine Super-Entscheidung getroffen. Ich glaube, man spürt das ein bisschen.“ Trotz Altbau, sprich Umkleide-Container, der ohnehin bald ausgedient hat. „Ich finde Union schon sehr professionell. Man merkt, dass sich die Leute hier unheimlich viel Gedanken machen. Wir haben super Trainingsbedingungen, die Plätze sind einmalig. Die Fitnessabteilung ist auch professionell“ – Eggimann ist „sehr positiv“ überrascht.

Von seinem neuen Arbeitgeber wie von seinem neuen Zuhause. „Mir gefällt alles, was mit Wasser zu tun hat. Meine Frau war früher Schwimmerin, wir gehen oft schwimmen mit den Kindern, da legen wir sehr viel Wert drauf.“ Hat Berlin demnach seine Entscheidung beeinflusst, zu Union zu wechseln? „Sicher auch, das muss ich schon ganz klar sagen.“ Und schon wenige Tage haben ausgereicht, um aus Eggimann einen Berliner zu machen.