Vorbereitung

Ronny enttäuscht Hertha mit schlechten Fitness-Werten

Auch Ramos muss nacharbeiten. Heute Test in Strausberg

Schritt für Schritt wird die Qualität der Gegner angehoben. Im zweiten Spiel der Saisonvorbereitung tritt Hertha BSC am heutigen Sonntag bei Fünftligist FC Strausberg an (15 Uhr, Energiearena). Zum Aufgalopp hatte sich der Bundesligist bei Sechstligist Falkensee-Finkenkrug mit 4:0 durchgesetzt.

Seit einer Wocher bereitet Trainer Jos Luhukay seine Mannschaft auf das Ziel Klassenerhalt vor. Und schon die ersten Tage zeigen, dass die Mission Erstliga-Fußball einige Stolpersteine bereit hält. Die Meriten der zurückliegenden Zweitliga-Saison zählen nichts mehr. Die persönlichen Verdienste interessieren nicht. Gemeint ist Ronny (18 Tore, 14 Vorlagen in der Vorsaison). Der Hauptstadt-Klub hat die Leistung des Brasilianers mit einem exzellent dotierten Vier-Jahres-Vertrag honoriert. Mit seinem Jahressalär ist Ronny in die Riege der Einkommens-Millionäre aufgestiegen.

Um so enttäuschter waren Trainer Jos Luhukay und Manager Michael Preetz, in welcher Verfassung Ronny aus den Ferien in der Heimat zurückkehrte. Die „Bild“ berichtete, dass Ronny den obligatorischen Laktat-Test abbrechen musste und die schlechtesten Fitness-Werte aller Profis aufwies. Auch Adrian Ramos kehrte mit schwachen Werten aus dem Urlaub zurück.

Hertha-Manager Preetz wollte das Thema nicht öffentlich kommentieren. Nur soviel: „Insgesamt hat die Mannschaft ein herausragendes Niveau bei den Fitnesswerten abgeliefert.“ So glänzten etwa Sandro Wagner, Änis Ben-Hatira, Roman Hubnik und Hany Mukhtar. Auch die meisten anderen Profis hatten das Urlaubsprogramm, das ihnen vom Trainer-Team auf den Weg gegeben worden war, präzise umgesetzt.

Trainer Luhukay sagte, dass er sich grundsätzlich nicht über die internen Daten einzelner Spieler äußere. „Aber die Basis, die wir haben, ist exzellent. Ich hatte noch nie eine Mannschaft mit einem so guten Durchschnittswert.“

Um so ärgerlicher ist, dass Ronny es im Urlaub hat schludern lassen – und das nicht zum ersten Mal. Nicht nur, weil der Spielmacher nach dem geglückten Aufstieg versprochen hatte, er werde das Vertrauen, dass Hertha mit dem neuen Vertrag in ihn setze, zurückzahlen, indem er fit aus Brasilien zurückkehren werde. Stattdessen nährt Ronny unfreiwillig jene Zweifel, ob er überhaupt die körperlichen Voraussetzungen für das intensive, schnelle Spiel in der Bundesliga mitbringe. So vertrauensvoll das Verhältnis von Ronny zu Luhukay ist, der Trainer ist für kompromissloses Durchgreifen bekannt. Bei einem Mangel an Professionalität kennt Luhukay kein Pardon. Mit Alexander Baumjohann hat Hertha einen Profi verpflichtet, der die Ronny-Position spielen kann.

Dass der grundsätzliche Geist im Team ein anderer ist, belegt das Beispiel Pierre-Michel Lasogga (21). Der Stürmer hatte nach der U21-Europameisterschaft eigentlich frei bis Donnerstag, dem 4. Juli. Doch Lasogga fragte beim Trainer, ob er bereits heute ins Trainingslager mitfahren könne. Wissend, dass am Scharmützelsee vor allem Kondition gebolzt wird. Luhukay hat die Anfrage wohlwollend zur Kenntnis genommen, Lasogga ist dabei.

Davon abgesehen verweist die Angelegenheit auf ein anderes Problem. Die Vereins-Verantwortlichen sind alarmiert. Die Veröffentlichung der internen Laktat-Resultate zeigt ein Leck bei Hertha, durch das vertrauliche Informationen nach außen dringen. Trainer Luhukay weiß, dass der Aufsteiger im rauen Bundesliga-Geschäft nur bestehen wird, wenn Hertha geschlossen auftritt.

Das Vertrauen untereinander war ein Faustpfand der vergangenen Serie. Anscheinend ist das ein weiterer Punkt, an dem der blau-weiße Tross in der Vorbereitung noch arbeiten muss.

Im übrigen hält die Fluktuation im Trainer-/Betreuer-Team an. Heute nicht mehr an Bord des Mannschaftsbusses ist Henrik Kuchno. Der Konditionstrainer, seit 2009 bei Hertha, hat kurzfristig seine Kündigung eingereicht.