Beachvolleyball

Dinner for two und zum Nachtisch eine Medaille

Berliner Beachvolley-Duo Katrin Holtwick/Ilka Semmler startet als aussichtsreichstes deutsches Team bei der WM in Polen

Sand ist nicht gleich Sand. Wenn die Beachvolleyballspielerinnen Katrin Holtwick (29) und Ilka Semmler (27) das erste Mal ihre nackten Füße in den Sand an irgendeinem Ort dieser Welt stecken, er durch ihre Zehen rinnt oder an ihren Füßen kleben bleibt, wissen auch sie, wie hart oder leicht die nächsten Stunden werden. „Wenn der Sand weich und tief ist, sodass du weniger gut springen und laufen kannst, ist es für viele ein Nachteil“, erklärt Ilka Semmler. „Gerade kleine Spielerinnen haben dann einen viel höheren Aufwand, um sich durch den Sand zu bewegen.“

Für Holtwick und Semmler ist das alles zwar auch eine Herausforderung, aber kein Problem – die beiden Berlinerinnen haben das Gespür für Sand. „Wir können uns gut anpassen“, sagen sie. Beweisen wollen sie das ab Montag bei den Weltmeisterschaften in Stare Jablonki/Polen. Bisher haben die beiden zwar wie kein anderes deutsches Duo mit Show-Auftritten und Fotosessions auf sich aufmerksam gemacht, doch die sportlichen Schlagzeilen blieben meist anderen vorbehalten. Nicht, weil Holtwick/Semmler in der B-Liga spielen würden – keinesfalls. Aber bei internationalen Meisterschaften trumpften andere deutsche Teams auf, ob nun Sara Goller/Laura Ludwig oder allen voran die Olympiasieger Julius Brink/Jonas Reckermann. Jetzt ist die Situation anders. Holtwick/Semmler gehen als Weltranglistenfünfte und damit beste Deutsche in die Titelkämpfe. „Wir wissen, dass alles möglich ist. So etwas kann beflügeln“, sagt Semmler, mit 1,83 Metern die Blockspielerin. Ihr Selbstvertrauen hat einen Grund. In den Jahren zuvor waren die zwei nicht gerade für fulminante Saisonstarts bekannt gewesen. Dieses Mal aber legten sie mit Rang drei los und bestätigten diesen Platz danach bei zwei Turnieren der Weltserie. Dass der letzte Stopp in Rom eher mäßig verlief, hatte zwar einen unschönen, aber immerhin einen Grund: eine Blasenentzündung bei Semmler.

Einen Dämpfer hat ihnen Platz 17 nicht verpasst. „Wir wissen ja, woran es lag. Rom hat nichts an unserer Formkurve geändert“, sagt Holtwick.

Es wäre an der Zeit, dass sie nach Podiumsplätzen in der Weltserie und EM-Silber 2010 hinter Goller/Ludwig jetzt auch in Polen ganz vorne mitmischen. „Eine WM-Medaille wäre natürlich schön. Es ist ein großer Vorteil, wenn du in der WM-Saison schon auf dem Podium warst und diese Turniere auch top besetzt waren“, sagt Semmler. Hinzu kommt: Vor einem Jahr spielten sie sich bei einem Turnier am WM-Ort auf Platz drei, was Holtwick so schnell nicht vergessen wird.

Überall wird Sand mitgenommen

Schließlich wird sie in ihrer Berliner Wohnung ständig daran erinnert. „Mir begegnet der Sand aus Stare Jablonki jeden Tag“, erzählt sie. Er steht in einem kleinen Einwegglas auf einem Regal im Wohnzimmer. Daneben hortet sie etwa 29 andere kleine mit Sand gefüllte Gläser – eine ungewöhnliche Sammelleidenschaft. An fast allen Turnierorten füllt sie sich eine kleine Menge Sand als Erinnerung ab. „Der wertvollste Sand ist jener von den Olympischen Spielen 2012“, sagen beide, auch wenn Olympia mit Platz neun nicht gerade perfekt ausging.

Manchmal aber sieht Katrin Holtwick ihr Wohnzimmer mit den Einweggläsern wochenlang nicht. Vom 28. März bis zum 2. Juli verbrachte sie gerade mal elf Nächte im eigenen Bett, den Rest in Hotelzimmern mit Semmler. Das ist schon fast wie eine Ehe, da muss dann nicht nur das Sportliche passen. „Es ist mehr Freundschaft als Geschäftsbeziehung“, versucht Holtwick eine Definition. Bei dem Erfolgsduo Brink/Reckermann klang das meist andersherum. „Ich glaube, so eine Männerfreundschaft musst du ja auch erst mal definieren“, sagt Semmler lachend, „ich kenne kaum Männerteams, die sich als beste Kumpels oder Freunde definieren.“ Bei den Frauen sei das anders. Holtwick, auf dem Feld die emotionalere, die das Team pusht, und Semmler, die kühlere, die wieder Ruhe hineinbringt, haben einen ähnlichen Freundeskreis. Sie unternehmen auch privat mal etwas miteinander.

Getrennte Wege gehen sie nur beim „TV Total Turmspringen“. Da stürzt sich Semmler in die Tiefe, während Holtwick das nicht geheuer ist. Die zwei sind in den Medien präsent, im März beispielsweise beim „Perfekten Promi-Dinner“. In der Saison aber steht der Sport im Mittelpunkt. Das perfekte Dinner nach einer WM-Medaille stellt sich Holtwick übrigens so vor: „Ein Eis, Sekt und ein ordentliches Stück Rindfleisch.“