Sören Brandy

Vom Union-Fan zum Union-Spieler

Stürmer Sören Brandy unterschreibt einen Vertrag bis 2015. Mit ihm ergeben sich für die Offensive neue Möglichkeiten

Die Schritte sind ein wenig schwer, als Sören Brandy das Trainingsgelände an der Alten Försterei verlässt. „Das ist eben Vorbereitung“, sagte er, seine Stimme klingt ein bisschen erschöpft. Das liegt nicht nur an der ersten Übungseinheit, die er unter seinem neuen Trainer Uwe Neuhaus absolviert hat. „Es war eine schwierige Woche und auch eine Überraschung für alle, dass der MSV Duisburg die Lizenz nicht bekommt“, sagte der Fußballprofi.

Die Entscheidung des Schiedsgerichts des Deutschen Fußball-Bundes, die dem MSV am vergangenen Mittwoch die Lizenz für die Spielzeit 2013/14 endgültig verweigerte, brachte die noch vor wenigen Wochen kaum vermutete Veränderung in Brandys Karriere. Gestern unterschrieb der Offensivmann einen Zweijahresvertrag beim 1. FC Union, gültig für die ersten zwei Ligen. Seine Gedanken sind jedoch immer noch in Duisburg. „Für den MSV ist es sehr schade, ich glaube, wir hatten eine gute Truppe, da fällt es einem nicht leicht, den Verein zu wechseln. Wobei ich natürlich sehr weich falle. Union ist ein Riesenverein mit überragenden Fans, ich habe schon immer von diesem Verein geschwärmt“, erklärte der Blondschopf: „Aber ich wollte die Entscheidung des Schiedsgerichts abwarten, das gebietet auch der Respekt gegenüber dem MSV. Ich sage es ganz ehrlich: Zu diesem Zeitpunkt wäre ich auch gern in Duisburg geblieben.“

Nach dem DFB-Entscheid brauchte er folglich ein, zwei Tage, um sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, nach Berlin zu wechseln. Doch nach dem ersten Kontakt mit Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischem Leiter, war die Entscheidung schnell gefallen. Beide kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten bei Rot-Weiss Essen.

Unangenehmer Spielertyp

„Einen unangenehmen Spielertypen wie Sören Brandy will man unbedingt in seinen Reihen wissen, niemals beim Gegner“, sagte Schäfer, „deshalb ist es gut, dass wir Sören von unserem Weg überzeugen konnten. Er kennt sich in der Liga ausgezeichnet aus und bringt eine riesige Portion Motivation mit.“ Laut Schäfer seien die geplanten Neuverpflichtungen damit abgeschlossen. Brandy ist nach Martin Dausch, Mario Eggimann, Damir Kreilach und Benjamin Köhler der fünfte Zugang bei den Köpenickern.

Den „unangenehmen Spieler“ nimmt Brandy grinsend zur Kenntnis: „Ich definiere mich ein bisschen über den Zweikampf, das ist meine Spielweise.“ Insofern dürfte nicht zuletzt Unions Defensivabteilung froh sein, ihn in ihren Reihen zu wissen. „Ich spiele jetzt schon seit fünf Jahren gegen Union. Da kennt man sich schon untereinander. Aber die Jungs machen es mir auch einfach“, fühlte sich der Neue gut aufgenommen.

Wobei Union offensichtlich schon lange eine Rolle in seinem Leben gespielt hat. „Ich habe hier vor fünf oder sechs Jahren das erste Mal gespielt, im alten Stadion noch, das hat für mich auch schon einen Riesencharme gehabt“, erzählte Brandy. Und geriet sogar fast ins Schwärmen: „Dann die Fans, die das Stadion teilweise selbst gebaut haben, auch das Weihnachtssingen dringt bis nach Nordrhein-Westfalen vor. Die Vereinslieder habe ich schon in Paderborn in der Kabine auf dem iPod angemacht und der Mannschaft vorgespielt.“ Dinge, die vor allem die Union-Fans gern hören werden, die ihn ob seiner Spielweise gegen ihr Team bislang nicht mit Sympathiebekundungen überschüttet haben.

Brandy jedenfalls freut sich auf Berlin. „Das ist die Hauptstadt, hier wird alles entschieden, eine Weltstadt eben. Ich war ja erst ein oder zwei Mal kurz privat hier. Jetzt habe ich ein bisschen mehr Zeit und freue mich darauf, einige Ecken kennenzulernen.“ Und er freut sich auf Union. „Der Klub hat mittlerweile die Ambitionen, oben mitzuspielen. Ich will jetzt nicht vom Aufstieg sprechen, aber sicherlich von größeren Ambitionen als in Paderborn oder Bielefeld.“ Beide Klubs wurden zuvor als Brandys mögliche neue Arbeitgeber gehandelt.

Für den Trainer ergeben sich dadurch neue Varianten in der Offensive. Brandy kann im bevorzugten 4-4-2-System als zweiter Angreifer agieren, im 4-1-4-1 in zurückgezogener Position oder in einem 4-2-3-1 sogar als alleinige Spitze. Neuhaus freut sich jedenfalls auf einen „lauffreudigen Spieler, der mit seiner emotionalen Art mitreißen kann. Er will immer den Ball, ist ständig unterwegs und schont sich und den Gegner nie. Er ist offensiv variabel über links, rechts, zentral oder als hängende Spitze einsetzbar.“ Brandy selbst sieht sich nicht als „klassischen Neuner, der 15 Tore garantiert. Ich bin mehr derjenige, der drumherum arbeitet oder auf die Flügel ausweicht“. Gut möglich, dass er bei Union dennoch klassische Torjäger-Qualitäten bei sich entdeckt. Denn die Rückennummer, die er sich ausgesucht hat, ist die 9.