Pep Guardiola

„Guten Tag und grüß Gott“

Bescheiden und höflich präsentiert sich Pep Guardiola bei seiner Vorstellung als Bayern-Trainer

Und dann war er wieder weg. Verschwunden in den Katakomben der Allianz Arena, nach seinem allerersten Auftritt in München. Davor lagen knapp eineinhalb bemerkenswerte Stunden, mit einem Einstand, bei dem der als monatelanges Phantom umherschwirrende Pep Guardiola endlich menschliche Züge angenommen hatte. Mit einem Debüt als neuer Trainer des FC Bayern, bei dem er sich als höflicher und bescheidener Mann zeigte, manchmal fast ein wenig demütig. Mit einer Vorstellung, bei der er viel redete, aber noch nicht wirklich viel sagte. Und die eine entscheidende Frage aufwarf: Wie will Guardiola seine Spieler erreichen?

Die Spannung in der Stadt war in den Tagen vor seinem Antritt ins Unerträgliche gestiegen. Eine Aufregung, die nicht größer hätte sein können, hätten Ludwig II. und Franz Josef Strauß auf einmal ihre Rückkehr auf die Münchner Erde angekündigt. Schon dreieinhalb Stunden vor Beginn der Pressekonferenz hatte der Medienraum der Fußballarena für die 250 akkreditierten Reporter geöffnet, die aus aller Welt gekommen waren.

Begrüßung mit Tapas und Obatzda

Stilecht wurden spanische und bayerische Tapas kredenzt, von Oliven und Obatzda bis zur Crema Catalana und der Bayrisch Creme. Unterdessen gab es längst Live-Ticker, in denen zu erfahren war, wie sich Guardiola auf dem Sonntagsflug nach München einen Apfelstrudel bestellte, wie er mit Frau Cristina und Tochter Maria (9) am Abend das Hotel bezog, wie er Montagmorgen mit Sportdirektor Matthias Sammer frühstückte. Da noch im blauen Polohemd.

Später trug er einen grauen Zweireiher. Um fünf nach zwölf, als eine neue Zeitrechnung begann, als er mit Sammer, mit Präsident Uli Hoeneß, mit Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, mit Medienchef Markus Hörwick den Presseraum betrat. Und als Hörwick seine Einleitung beendet hatte, sagte dann endlich auch Guardiola seine ersten Worte. Auf Deutsch: „Guten Tag und grüß Gott.“

Weiter ging es mit einer Entschuldigung. „Verzeihen Sie mir mein Deutsch, ich habe ein Jahr in New York gelebt, das ist nicht der optimale Ort, Deutsch zu lernen.“ Und: „Es ist ein Geschenk und ein Glück für mich, dass Bayern München daran gedacht hat, mich zu holen.“ Guardiola wirkte verschüchtert, und zumindest am Montag wollte er nicht den Eindruck erwecken, sich als allwissender Heilsbringer aufzuspielen, der den Fußball neu erfinden möchte, geschweige denn den FC Bayern.

Dass er nicht daran denkt, sein Tiki-Taka aus Barcelona auf München zu übertragen. „Ich muss mich zu 100 Prozent anpassen. Der Fußball gehört den Spielern, nicht den Trainern. Die Zuschauer kommen, um die Spieler zu sehen, nicht den Trainer.“ Zu verkünden, das ganze System umzukrempeln, wäre wenige Wochen nach dem Triple nicht sehr klug gewesen.

Guardiola präsentierte sich als nahbarer Mann, sympathisch und authentisch, und bemühte sich, jede Frage spontan zu beantworten. Wie er mit dem Druck umgehen könne, sich an der grandiosen Saison messen zu müssen? „Ich muss in der Lage sein, damit zu leben.“ Ob er schon Kontakt zu Vorgänger Jupp Heynckes hatte, um mehr über die Mannschaft zu erfahren? „Noch nicht, aber ich hoffe, in nächster Zeit. Für mich wäre das super. Es ist eine große Ehre, sein Nachfolger zu sein.“ Und ob er als Kulturliebhaber wie in New York, wo er mit Woody Allen Essen ging, auch die Münchner Kunstszene näher kennenlernen wolle? „Dann müssen die Künstler an die Säbener Straße kommen. Ich werde die nächsten sechs Monate nur dort anzutreffen sein.“ Das sorgte für Heiterkeit.

Launig auch der Moment, als er über seine Motivation sprach und grammatikalisch ins Stocken kam: „Bayern ist einer der wenigen großen Vereine in der Welt, und wenn Bayern ruft dir… – oder ruft dich?“ – woraufhin Medienmann Hörwick ihn aufklärte.

Es war zweifellos beeindruckend, dass es sich Guardiola nach nur einem halben Jahr Unterricht zutraute, die Fragen der einheimischen Journalisten auf Deutsch zu beantworten. Doch dabei offenbarte er natürlich noch viele verständliche Defizite. Die Selbstsicherheit bei seinen Erklärungen fehlte etwas. Evident wurde dies, als er Journalisten aus der Heimat Spanien und sogar aus Italien in deren Landessprachen antwortete. Da sprudelte es aus Guardiola nur so heraus, er sprach auch viel lauter, war in seinem Element.

In diesem Moment konnte man sich als Betrachter nur schwer vorstellen, wie er gedenkt, in knapp zwei Monaten bei einem möglichen Halbzeitrückstand in der Bundesliga auf Deutsch eine Ruckrede wie einst Jupp Heynckes zu halten, um seine Mannschaft wieder aufzurütteln. „Ich hoffe, in nächster Zeit meine Deutsch-Kenntnisse noch zu verbessern“, sagte er. Das muss er auch.

Höflichkeiten gab es natürlich vom Bayern-Triumvirat ringsherum. Rummenigge sprach über Guardiolas Verpflichtung von einer „wunderbaren Geschichte, die den deutschen Fußball befruchten wird“. Sammer erwies sich als Integrationsbeauftragter: „Mein größter Wunsch ist es im Moment, dass sich die Familie Guardiola so schnell wie möglich in München wohl fühlt, dass sie das Gefühl haben, in der Heimat zu sein.“

Bayerisch versteht er noch nicht

Und Präsident Uli Hoeneß plauderte über eine Episode in New York. „Ich habe Guardiola in seiner Wohnung am Central Park besucht und hatte nach fünf Minuten das Gefühl, es passt. Wir haben drei, vier Stunden über Fußball gesprochen. Am Ende wusste ich, das ist der richtige Mann.“

Dieser richtige Mann ging nach den 60 Minuten Presserunde auf den Rasen der Arena. Da warteten zwei Kinder und das Bayern-Maskottchen „Berni“, mit denen Guardiola fröhlich herumkickte. Vor etlichen Dutzend Fotografen setzte er sich auf die Trainerbank, zum Schluss liefen auf der Videowand kurze Clips. Willkommensbotschaften von Einheimischen und Touristen aus der Münchner Innenstadt. Ganz am Ende sagte einer in tiefstem Heimatdialekt: „Jetzt packt’s o, Burschn. Auf geht’s, packmas, greift’s o.“ Da schaute Guardiola ein wenig entgeistert, dann ging er zurück Richtung Kabine. Es braucht noch seine Zeit, bis er das Bayerische versteht, und wohl auch, bis er den Verein versteht.

Guardiola ist endlich in München. Bis er angekommen ist beim FC Bayern, wird es noch ein bisschen dauern.