Confed-Cup

Glücksgefühle in der Heimatstadt

Dante erlebt beim Confed-Cup mit Brasiliens Nationalelf emotionale Momente. Martinez schaut nach München

Von der mit Palmen beschatteten Terrasse des brasilianischen Mannschaftshotels ertönen deutsche Gesänge. Mit hörbarem Akzent und sichtlichem Vergnügen geben David Luiz und Marcelo den jüngsten Hit ihres Mitspielers Dante zum Besten: „Wir gewinn' Meisterschaft, wir gewinn' Champions League!“ Was ursprünglich als Motivationshilfe für seine Mitspieler beim FC Bayern München gedacht war, ist inzwischen ein Schlager in der Selecao. „Sie haben es sich selbst beigebracht. Wenn wir den Confed-Cup gewinnen, werde ich mir für sie etwas Eigenes ausdenken. Das macht Spaß und sorgt für gute Stimmung“, sagt Dante.

Der Bayern-Abwehrchef war vergangene Woche als erster Fußballer mit zwei Titeln in den deutschen Charts gelandet. Dass er die Stimmung auch mit einem sportlichen Coup heben würde, ahnte Dante zu diesem Zeitpunkt nicht. „Es ist absolut unglaublich, dass ich in meinem ersten Spiel direkt ein Tor mache. Noch dazu in meiner Heimatstadt. Hier in Salvador habe ich als kleiner Junge das Fußballspielen gelernt, insofern schließt sich für mich ein Kreis“, sagte der 29-Jährige nach seinem Führungstreffer zum 4:2-Sieg der Brasilianer über Italien.

In 122 Bundesliga-Spielen hatte Dante Bonfim Costa Santos nur neun Treffer erzielt, jetzt bejubelte er seine Torpremiere für das Team des Rekord-Weltmeisters. Dass er trotzdem im Halbfinale am Mittwoch (21 Uhr) gegen Uruguay wieder nur auf der Bank sitzen könnte, stört den Triple-Gewinner aus München nicht groß. „Niemand ist beleidigt oder neidisch auf den anderen. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, hier dabei sein zu dürfen und weiß, dass ich den anderen bereits durch meine Anwesenheit viel geben kann. Wir sind ein Team. Wenn wir gewinnen, ist das unser aller Sieg.“

Anders als Luiz Gustavo, der in München oft zweite Wahl ist, in der brasilianischen Nationalelf aber in der Startformation steht, geht es seinem spanischen Bayern-Kollegen Javi Martinez ähnlich, er kam im Spiel gegen Nigeria (3:0) erstmals nicht zum Einsatz. „Es ist schwer“, sagte Martinez zum Kampf um mehr Spielanteile. Sein Blick richtete sich am Montag im fernen Brasilien aber weniger auf das bevorstehende Halbfinale mit Italien als auf die Präsentation seines neuen Chefs in München. Via Twitter wollte er die Pressekonferenz mit Pep Guardiola verfolgen. „Ich bin mal gespannt, wie gut er Deutsch spricht“, bemerkte Martinez. Fest steht für ihn, „dass wir viel lernen werden von Guardiola“. Zunächst einmal wolle er den Trainer anrufen, um zu klären, wie lange er Urlaub hat nach dem Turnier.

In Brasilien lernen die Fußball-Profis gerade, wie sehr das Volk unter den Verhältnissen im Land leidet. „Ich wünsche mir, dass die soziale Situation in unserem Land besser wird, dass wir vorwärtskommen“, sagt Dante, den es freut, wenn die Nationalelf der brasilianischen Bevölkerung helfen kann. „Es ist schön, dass wir Spieler dazu beitragen können, den Leuten mit unserem Spiel Freude zu schenken. Wenn wir siegen, ist das eine Form der Unterstützung.“ Die Mannschaft habe Verständnis für die Proteste, solange sie friedlich blieben.

Die Welle der Auflehnung, die seit Beginn des Confed-Cups durchs Land wogt, reflektiert für ihn auch die Situation beim WM-Gastgeber. „Die Entwicklungen bei der Selecao sind in gewisser Weise ein Spiegelbild der aktuellen Veränderungen im Land. Sie gehen beide einher und sind noch lange nicht abgeschlossen“, sagt Dante. Dass alles andere als der WM-Titel im nächsten Jahr als Misserfolg gedeutet würde, schreckt den Wuschelkopf nicht: „Irgendwie sind dieser Druck und diese hohe Erwartungshaltung auch schön. Er zeigt, wie wichtig wir und unser Spiel für die Menschen hier sind. Es fühlt sich gut an, einen so hohen Stellenwert zu haben.“