Transfergerüchte

Silvio ist sich zu schade für Unions Ersatzbank

Stürmer aus Brasilien schließt Wechsel nicht aus

Natürlich beschäftigen ihn die Ereignisse in seinem Heimatland. Das gilt für das Sportliche, das der Confed-Cup in Brasilien in diesen Tagen zu bieten hat, aber auch für die Begleiterscheinungen. Die Demonstrationen und die Ausschreitungen, die das größte Land in Südamerika erschüttern. „In Brasilien wurde lange nichts getan, stattdessen viel Geld für Stadien ausgegeben, die nur drei, vier Mal genutzt werden“, erklärt Silvio: „Aber es gibt kein Gesundheitssystem, auch die Ausbildungsmöglichkeiten sind nicht gut. Da sollte man das Geld besser investieren. Aber die Leute sind jetzt aufgewacht.“

Der Fußballprofi des 1. FC Union ist keineswegs überrascht, dass die Bevölkerung in seiner Heimat ausgerechnet jetzt auf die Barrikaden geht, da die Generalprobe für die Heim-WM im nächsten Jahr im Gange ist. „Ich habe schon ein bisschen erwartet, dass es so kommen wird. Die Menschen dort können das nicht mehr ertragen. Dann explodiert es, und alle gehen auf die Straße. Die machen das richtig“, sagt Silvio.

Es ist nicht das einzige Thema, über das sich der 28-Jährige derzeit seine Gedanken macht. Wer Silvio in den Tagen der Saisonvorbereitung beobachtet, sieht einen Angreifer voller Einsatzbereitschaft. Es kann ja eigentlich auch nur besser werden nach einem Jahr voller Enttäuschungen. Immer wieder hatten ihn Verletzungen in der Hinrunde der vergangenen Saison zurückgeworfen. Und gerade, als er im Wintertrainingslager in Spanien wieder so weit war, um für Trainer Uwe Neuhaus als Alternative zu gelten, knickte er um – schwere Stauchung des rechten Sprunggelenks.

Was ihm blieb, war nur der Platz auf der Bank, derweil seine Teamkollegen entweder durch Treffsicherheit (Terodde, Nemec) glänzten oder sportlich einfach an ihm vorbeigezogen waren (Skrzybski). Nun, da Union noch einen fünften Stürmer verpflichten will (dem Vernehmen nach soll Sören Brandy vom MSV Duisburg vor einer Unterschrifft bei den Köpenickern stehen), wird die Konkurrenz nicht kleiner. „Letztes Jahr war nicht so gut. Aber das ist vorbei, jetzt muss man wieder nach vorne schauen“, sagt Silvio. Welche Hoffnungen er für die bevorstehende Saison hat? „Ich hoffe nicht nur, ich versuche, meine Arbeit jeden Tag vernünftig auf dem Platz zu machen.“

Durch Leistung überzeugen – das klingt zunächst nach jemandem, der es noch einmal wissen will. Zumal sein Vertrag 2014 ausläuft. Doch Silvio ist auch Profi genug, um die Augen nicht vor der Realität zu verschließen. „Wenn man so schaut, sehen meine Chancen nicht so gut aus. Aber ich glaube, es ist noch alles offen und möglich.“

Keine Alternative im Mittelfeld

Sein Trainer wiederum umreißt die Situation des Südamerikaners wie folgt: „Silvio ist Bestandteil der Mannschaft, genau wie jeder andere auch. Und es ist bekannt, dass wir noch einen neuen Stürmer holen wollen“, sagte Uwe Neuhaus: „Es ist alles leistungsabhängig, er kann sich selber die Chancen ausrechnen. Dann werden wir sehen, wie er sich entscheidet.“ Zumal der Coach ihn nicht als Alternative für das offensive Mittelfeld sieht. Doch selbst wenn dem so wäre, hätte Silvo nicht weniger Konkurrenz im Kampf um einen Platz in der Anfangsformation.

Dass Silvio, vor zwei Jahren für geschätzte 500.000 Euro vom FC Lausanne gekommen und im September 2011 Unions erster Torschütze des Monats, bald nicht mehr das rote Trikot der Köpenicker tragen wird, wird immer wahrscheinlicher. „Bis August ist das Transferfenster offen. Man muss erst mal abwarten“, sagt der Brasilianer selbst. Und für einen Moment verschwindet sein charakteristisches Lachen, als er hinzufügt: „Man muss nicht wechseln. Der Ehrgeiz ist da, bei Union zu bleiben und es besser zu machen. Ich habe gemischte Gefühle. Ich denke aber, ein Wechsel tut manchmal auch gut und bringt neue Motivation.“ Es scheint demnach sicher, dass Silvio nicht noch ein Jahr auf Unions Ersatzbank schmoren wird.