Motorsport

Ferrari kritisiert das milde Urteil für unerlaubten Reifentest

Nach dem juristischen Ende des Reifenstreits ist der Zoff um die Testfahrten von Mercedes noch immer nicht beigelegt.

Scharfe Kritik am Urteil, das einigen Formel-1-Rivalen der Silberpfeile zu milde ausfiel, kam vor allem von Ferrari. „Wir haben gelernt, dass es selbst wenn man schuldig ist – und in diesem Fall ist das ein unbestreitbarer und verifizierter Fakt –, einen Weg gibt, sich so gut wie möglich durchzuwurschteln“, schrieb auf Ferraris Internetseite der für seine bissigen Kolumnen berüchtigte, sogenannte Pferdeflüsterer – angelehnt an das springende Pferd im Ferrari-Wappen. Es mache einen etwas perplex zu sehen, wie die schuldige Partei praktisch ungeschoren davonkomme, nachdem man sich einen „unfairen sportlichen Vorteil“ verschafft habe.

Die unabhängigen Richter hatten in der Tat Verstöße gegen den Test-Paragrafen 22 des Sport-Regelwerks und 151 des Internationalen Sport-Codes festgestellt. Das Internationale Tribunal rechnete dem deutschen Rennstall in seinem Urteil am Freitag aber an, dass er in guter Absicht gehandelt habe. Nachdem sich die Silberpfeile auch zweimal vorab bei Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting über die Rechtmäßigkeit informiert hatten, wurden sie lediglich verwarnt und vom nächsten Nachwuchsfahrer-Test im kommenden Monat verbannt. „Ein Witz-Urteil“, befand die italienische „La Gazzetta dello Sport“. „Mercedes ist schuldig gesprochen – die Strafe aber ist lächerlich“, meinte „Corriere dello Sport“. In der siebenstündigen Verhandlung in Paris war festgestellt worden, dass Mercedes nie eine offizielle Erlaubnis für die Testfahrten gehabt habe.

Kein Grünes Licht, dafür aber nur die Gelbe Karte. So sehen es Rivalen. Auch Red Bull. Der Teamchef des Weltmeister-Rennstalls, Christian Horner, sprach ebenfalls von einem milden Urteil. Der Pferdeflüsterer von Ferrari fragte spöttisch: „Und was wäre, wenn der ganze Vorfall nach dem Young-Driver-Test stattgefunden hätte. Was wäre dann die Bestrafung gewesen? Wäre ihnen dann verboten worden, Ende des Jahres am Dinner teilzunehmen?“