Motorsport

Mercedes kommt glimpflich davon

Formel-1-Team wird nach unerlaubtem Reifentest nur von einem Nachwuchstest ausgeschlossen

Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Dabei hatte sich die Formel-1-Szene insgeheim schon auf eine drastische Strafe für Reifen-Exklusiv-Lieferant Pirelli und das Mercedes-Team eingestimmt. 14 Stunden Verhandlungen inklusive einer Nachtschicht hatte sich das zwölfköpfige Internationale Tribunal des Automobil-Weltverbands Fia unter dem Vorsitz von Richter Edwin Glasgow bewilligt, um dem im Vorfeld fast schon als dreister Betrug apostrophierten Vergehen auf den Grund zu gehen.

Und dann das Urteil: Der Formel-1-Rennstall Mercedes wird wegen unerlaubter Reifentests mit dem Hersteller Pirelli verwarnt und von der Teilnahme am Young Driver Test im Juli, bei dem Nachwuchs-Piloten in aktuellen Autos sitzen, ausgeschlossen. Kleine Fußnote: Exakt diese Strafe hatte Mercedes-Anwalt Paul Harris schon am Donnerstagabend vorgeschlagen. Der Ordnung halber erhielt auch Pirelli eine Gelbe Karte.

Auslöser des Streits waren Probefahrten von Mercedes vom 15. bis 17. Mai in Barcelona. Nico Rosberg und sein Teamkollege Lewis Hamilton testeten auf Bitten von Hersteller Pirelli neue Reifen. 1000 Kilometer wurden abgespult, zu knapp 10 Prozent kamen Pneus zum Einsatz, die schon für diese und nicht erst für die nächste Saison konzipiert sind. Alles verboten. Folgerichtig hatten Red Bull und Ferrari Protest eingelegt.

Die Konkurrenten gaben sich hinterher dementsprechend unzufrieden mit der Entscheidung, die in Paris getroffen wurde. „Immerhin ist es eine Bestrafung“, sagte Motorsportberater Helmut Marko von Sebastian Vettels Rennstall Red Bull spöttisch: „Aber das ist nicht das Urteil, was wir erwartet haben. Wir hatten mit einer weitaus schärferen Strafe gerechnet.“

Nach Ansicht von Chris Horner, Teamchef von Weltmeister Vettel, hat der umstrittene Drei-Tage-Test Mercedes wesentlich mehr genutzt, als ihm nun der Ausschluss von den Probefahrten im Juli schaden könne. „Da waren zwei Top-Piloten in den Autos, die bringen wesentlich exaktere Erkenntnisse als Nachwuchs-Fahrer. Dort verbannt zu werden, ist keine besondere Strafe.“

Wie schwammig offenbar sowohl die Fia-Regeln sind, zeigen einige Statements. „Wir hatten keine Ahnung, welche Reifen eingesetzt wurden. Wir wussten nicht, was genau Pirelli testen will“, meinte Mercedes-Teamchef Ross Brawn, man habe ja nichts gelernt. „Ich wüsste nicht, wie wir die Daten in Zukunft nutzen sollten.“ Das grenzt an Hohn. Wobei Brawns Tage im Silberpfeil-Rennstall bei einem harten Urteil wohl gezählt gewesen wären.

Als strafmildernd wurde bewertet, dass Mercedes eine Aussage von Fia-Renndirektor Charlie Whiting als „qualifizierte Erlaubnis missverstanden“ habe und „keine böse Absicht“ vorgelegen hätte. Das Werksteam hatte Whiting telefonisch kontaktiert. „Wir haben ihn zweimal angerufen. Er hat zugestimmt“, so Mercedes-Anwalt Paul Harris. Dabei sprach die Fia Whiting die Kompetenz ab, allein eine solche Erlaubnis zu erteilen. Im Gegenzug sollen anderen Teams nun ähnliche Tests eingeräumt werden.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Mercedes als Motorenlieferant für die Fia ein wesentlicher Faktor bei der mit Saisonbeginn 2014 anstehenden Umstellung der Triebwerke von 2,4-Liter-Achtzylindern auf verbrauchsgünstigere Turbo-Triebwerke ist. „Dieses Urteil akzeptieren wir“, sagte Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda erleichtert. Eine Peinlichkeit bleibt „Testgate“ für ihn und das Team dennoch.