BMW Open

Golfstar Kaymer sucht den Weg aus der Krise

Ab Donnerstag spielt er bei den BMW Open in München

Am Dienstag wollte Martin Kaymer nach vier Monaten in den USA endlich mal wieder „ganz normale Sachen“ machen – Erdbeerenpflücken stand auf dem Programm. Der Golfstar ist auf der fast schon verzweifelten Suche, einen Weg aus seinem andauernden Tief zu finden. Zwei Tage vor den BMW Open gewährte Kaymer (28) einen ungewohnt offenen Einblick in sein Seelenleben. Es klang manchmal fast schon wie ein Hilferuf, als er im Seehaus am Englischen Garten über seine vergangenen Monate auf der Tour sprach.

Unterstützung von außen kommt für Kaymer aber definitiv nicht infrage: „Das brauche ich nicht, ich will mich nicht auf die Couch setzen. Wenn man sich selbst vertraut, dann braucht man keine Hilfe, auch wenn das vielleicht etwas länger dauert. Ich bin dabei, das zu durchleben.“ Mit einem Mentalcoach werde man „so tief reingezogen, dass man sich nur noch Gedanken macht“. Die macht er sich selbst. Gedanken darüber, wie er von Rang 35 der Weltrangliste wieder an die Spitze kommt – dorthin, wo er 2011 schon war. Seit eineinhalb Jahren, seit seinem Sieg in Shanghai im November 2011, hat der gebürtige Rheinländer auf der Tour kein Turnier mehr gewonnen.

Der Erfolg wird kommen

Aber, unterstrich Kaymer nach Platz 59 bei der US Open mit Nachdruck, „es wird funktionieren. Ich war vor zwei Jahren der beste Spieler der Welt, es muss gehen. Ein Auf und Ab ist normal, wie lange das anhält, ist schwer zu sagen.“ Sobald der Erfolg komme, werde er auch wieder lockerer. Aber Freiheit, dieser Glaube fehlte noch ein bisschen.

Deshalb hält er sich mit Prognosen für das Jubiläums-Turnier in München-Eichenried, das er 2008 als erster und bislang einziger Deutscher gewann, mit Prognosen zurück. „Das ist das einzige Turnier in Deutschland. Ich freue mich riesig. Ich bin gut vorbereitet, mal schauen, wo ich lande“, sagte der Markenbotschafter des Hauptsponsors vor der 25. Austragung, ergänzte aber: „Es gibt keinen Grund, nicht gut zu spielen.“

Dennoch klappt es seit Monaten – abgesehen von einem Erfolg Ende 2012 bei einem Einladungsturnier in Südafrika – nicht mehr so richtig. Er sei zwar öfter „nah dran gewesen“, sprach aber insgesamt von einer „schwierigen Situation“, die im vergangenen Jahr in Portugal derart frustrierend gewesen sei, „dass ich am neunten Loch am liebsten direkt nach Hause geflogen wäre“.

Er habe feststellen müssen, „umso mehr man versucht, umso schlimmer wird es“. Beim Fußball könne man zum Frustabbau „wenigstens mal einen umhauen“. Es habe deshalb erstmals sogar Gedanken in seinem Leben gegeben, „dass Golf nicht alles sein kann“. Seine Karriere frühzeitig zu beenden, stand jedoch nie zur Debatte, stellte Kaymer im gleichen Atemzug klar: „Ich liebe Golf.“

Fußballer haben es besser

Doch mit den Umständen seines unsteten Profi-Lebens hat er offenbar Probleme. „Es ist nicht immer so einfach, wenn du vier, fünf Monate nicht zu Hause bist. Viele denken, dass du ein unfassbar schönes Leben hast. Es ist aber nicht alles Sonnenschein“, räumte er ein. Er beneide deshalb Fußball-Profis wie Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez oder Manuel Neuer, „die können wenigstens immer zu Hause schlafen“.

Es seien „viele kleine Dinge“, die es schwierig machen würden, „gutes Golf zu spielen“. Er hoffe deshalb auch „auf etwas Verständnis. Ich selbst bin derjenige, der am ungeduldigsten ist und sich selbst den meisten Druck macht“, meinte Kaymer. Er müsse nun für sich „herausfinden, was passt. Ich muss meinem Körper und meinem Herz folgen“.

Für das kommende Jahr hat er sich fest vorgenommen, seinen Kalender anders zu gestalten. Der 28-Jährige wird zwar erneut in den USA und auf der Europa-Tour abschlagen, „aber ich werde nicht mehr so lange am Stück in den USA bleiben. Das habe ich gelernt. Ich werde auch mal für ein oder zwei Wochen zwischendurch nach Hause kommen.“ Zum Erdbeerenpflücken zum Beispiel…