Neue Saison

Der Aufstieg wäre das schönste Geschenk

Trainingsauftakt am Tag nach der Hochzeit von Trainer Neuhaus: Die Morgenpost nennt die Knackpunkte der kommenden Saison

Die Pause war kurz, nicht einmal vier Wochen sind seit dem letzten Punktspiel vergangen. Und schon richten sich die Blicke beim 1. FC Union auf die Spielzeit 2013/14. Mit dem offiziellen Trainingsauftakt heute im Stadion an der Alten Försterei (16 Uhr) beginnt für den Berliner Fußball-Zweitligisten die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit. Knapp fünf Wochen sind es, bis am 19. Juli der erste Anpfiff erfolgt. Die Morgenpost gibt Antworten auf die fünf entscheidenden Fragen vor der vielleicht wichtigsten Saison der Vereinshistorie.

Wie lautet die Zielsetzung?

Legt man die Worte von Baris Özbek zu Grunde, dann ist der siebte Platz aus der Vorsaison nur eine Zwischenstation gewesen. „Wir haben nächstes Jahr ein ganz anderes Ziel, und das ist der Aufstieg. Das kann man auch ganz offen sagen“, ließ der Mittelfeldspieler wissen. Worte, die es in dieser Deutlichkeit weder von Trainer Uwe Neuhaus noch Klubchef Dirk Zingler gegeben hat und wohl auch nicht geben wird.

Doch das Oberhaus rückt mehr und mehr ins Bewusstsein bei den Köpenickern. Das kurzzeitige Schnuppern an Relegationsplatz drei bereits in der Vorsaison hat Appetit auf mehr gemacht. Das wird auch beim Blick auf die Transfers deutlich. Längst stehen nicht mehr nur jüngere, talentierte Spieler im Fokus, sondern auch gestandene Profis, die mit ihrer Erfahrung sofort helfen können, den nächsten Schritt zu machen. Die Verpflichtungen von Abwehr-Routinier Mario Eggimann und Mittelfeldspieler Benjamin Köhler (beide 32) belegen dies. Mit Platz drei wird also zumindest intern schon geliebäugelt.

Gibt es weitere Zugänge?

Mit Köhler, Eggimann, Damir Krailach und Martin Dausch wird Union seinem Anhang heute vier neue Spieler präsentieren, ein weiterer Stürmer wird noch gesucht. Das Quartett setzt die Ankündigung von Trainer Neuhaus („Wir werden sicherlich noch für jeden Mannschaftsteil einen Spieler holen“) in die Tat um. Eggimann soll der Abwehr mehr Stabilität verleihen, Krailach ist als Lenker im defensiven Mittelfeld vorgesehen, Dausch ist im offensiven Mittelfeld variabel einsetzbar.

Und Köhler dürfte sich problemlos als Ersatz für den verletzten Björn Jopek (Kreuzbandriss) auf der linken Seite einfügen. Gestern Nachmittag wurde der Transfer perfekt gemacht. Der Berliner unterschrieb einen Vertrag bis 2014 mit einer leistungsbezogenen Option für ein weiteres Jahr. „Ich bin sehr glücklich, nach so vielen Jahren wieder in meine Heimat zurückzukehren. Über Union muss ich wohl nicht viel sagen. Für mein Spiel brauche ich Emotionen auf dem Platz und von den Rängen, da bin ich bei Union ja wohl an der richtigen Adresse“, sagte der Ex-Herthaner zu seinem Wechsel aus Kaiserslautern. Coach Neuhaus freut sich jedenfalls auf einen „starken, cleveren und sehr erfahrenen Spieler. Er kann ein Spiel an sich reißen und ist immer auch für ein Tor gut.“ Das führt unweigerlich zur nächsten Frage:

Was wird aus Mattuschka?

Der Kapitän war vergangene Saison mit zehn Toren und 13 Vorlagen der drittbeste Scorer der Liga hinter Ronny (Hertha BSC/18+14) und Mohamadou Idrissou (Kaiserslautern/17+9). Der Vertrag des 32-Jährigen wurde um ein weiteres Jahr bis 2014 verlängert. Doch ist „Tusche“ noch einmal in der Lage, eine solch gute Saison hinzulegen? „Das kann nach einem Jahr vorbei sein, aber auch noch fünf Jahre weitergehen. In dem Alter sind auch Verletzungen immer ein Problem“, sagte Trainer Neuhaus.

Und mit Dausch und vor allem Köhler ist die Konkurrenz nun größer, als sie zuvor mit Santi Kolk oder Tijani Belaid gewesen ist. Dass der Niederländer und der Tunesier nur noch eine Erinnerung bei Union sind, spricht für Mattuschka. Doch der Trainer zieht nun eine Systemänderung in Erwägung. „Im 4-4-2-System ist Mattuschka auf der Zehn gebunden. Vielleicht verändern wir auch etwas, spielen mit zwei Sechsern. Die müssen sich aber auch im Wechsel mit in die Offensive einschalten können. Dann gibt es das System mit nur einem Stürmer. Spielt Mattuschka dann auf der Zehn, muss er öfter in den Strafraum.“

Baut der Coach den Rekord aus?

Uwe Neuhaus, seit Freitag mit Britta Calmus (Leiterin der Union-Buchhaltung) verheiratet, ist seit 2007 bei Union, so lange wie kein anderer aktueller Trainer im deutschen Profifußball. Sein Vertrag läuft jedoch am Saisonende aus. Bislang bekam der 53-Jährige selbst in höchsten Krisen die unbedingte Rückendeckung des Vereins, wie zu Beginn der Vorsaison, als nach fünf Spielen nur ein Punkt auf dem Konto stand. Interessant wird es, sollte sich Union erneut zunächst im Ligakeller wiederfinden. Sollte der Angriff auf die vorderen Plätze ins Stocken geraten, wird sich zeigen, ob die Treue zum bisherigen Erfolgstrainer größer ist als der Wunsch, doch schon im nächsten Jahr aufsteigen zu wollen.

Was bringt die neue Tribüne?

Mit ihren zwei Eisern-Lounges (für insgesamt 412 Gäste), 30 Vip-Logen, die von den Mietern sogar individuell eingerichtet werden können, sowie Business-Seats verfügt Union nun über insgesamt 1734 Vip-Plätze. Hinzu kommen noch einmal 1823 normale Haupttribünenplätze. Zahlen, die sich für den Klub vor allem wirtschaftlich auswirken werden. Bis zu 2,5 Millionen Euro sind an Mehreinnahmen allein durch den Neubau möglich. Der Etat dürfte dadurch die 20-Millionen-Euro-Grenze überschreiten. „Mit einem eigenen Weg und in unserem eigenen Tempo ist es uns gelungen, Union in der Zweiten Liga zu etablieren“, sagte Klubchef Dirk Zingler. Nun ist nicht nur er davon überzeugt, „dass auf diese Weise perspektivisch auch der Aufstieg in die Bundesliga möglich ist“. Vielleicht sogar schon im nächsten Jahr.