Interview

„Ich erlebe gerade die verrückteste Woche meines ganzen Lebens“

Safa Sentürk über den Rummel nach 16 Treffern in einem Spiel

– Genau 68 Minuten hat Safa Sentürk dafür gebraucht, berühmt zu werden. Mit seinem Klub BSV Hürtürkel gewann der 22-Jährige am Wochenende in der Berlin-Liga (6. Spielklasse) 16:1 gegen den Tabellenletzten Club Italia. Alle Tore erzielte Sentürk zwischen der 10. und der 78. Minute. Insgesamt fünf Hattricks. Es heißt, es habe nie einen Spieler im deutschen Fußball gegeben, der mehr Tore in einem offiziellen Spiel geschossen hat. Die Medien feiern ausgiebig den Hobbyfußballer, der sein Geld mit Bauarbeiten in der Firma seines Vaters verdient. Morgenpost-Redakteur Jörn Meyn sprach mit Sentürk über das seltsame Gefühl, plötzlich eine kleine Berühmtheit zu sein und seinen großen Traum vom Profifußball.

Berliner Morgenpost:

Herr Sentürk, kann man sagen, dass Sie gerade eine ziemlich ungewöhnliche Woche erleben?

Safa Sentürk:

„Ja, das stimmt. Nicht nur die 16 Tore. Vor allem, was danach alles auf mich zukam. Andauernd hat mein Telefon geklingelt. Viele Leute haben mir gratuliert und gesagt, dass ich jetzt so weitermachen soll. Und dann haben sehr viele Medien angefragt und wollten Interviews mit mir machen. Ich erlebe gerade die verrückteste Woche meines ganzen Lebens. Dennoch ist es ein unglaublich schönes Gefühl.

Wie sind Sie mit dem ganzen Trubel um Ihre Person umgegangen?

Ich hätte nicht gedacht, dass daraus so eine große Sache wird. Wir wollten eigentlich ja nur die Meisterschaft in der Berlin-Liga damit krönen, dass mein Team mich noch zum Torschützenkönig macht. Danach habe ich einfach mein Leben so weitergeführt wie vorher.

Sie hatten vor der Partie insgesamt 18 Tore erzielt. Jetzt sind es 34. Wie kam es dazu? Hat Ihr Trainer gesagt: Heute legen wir alle nur Safa auf?

Genau so ist es gelaufen. Am Anfang hat das keiner so wirklich ernst genommen, denn mein Konkurrent um die Torjägerkanone hatte ja acht Tore mehr als ich auf dem Konto. Aber als ich dann die ersten Tore reingehauen habe, hat wirklich jeder nur noch auf mich gespielt. Das war schon verrückt. Dafür bin ich meinen Teamkollegen sehr dankbar.

Können Sie sich eigentlich noch an jedes einzelne Tor erinnern?

Nein, nicht wirklich. Das verschwimmt irgendwie. Ich habe mir darüber auch keine Gedanken gemacht. Irgendwann stand es halt 16:1.

Gab es seit dem Spiel schon ein paar Anfragen von anderen Klubs, die Sie verpflichten wollten?

Der SV Babelsberg hatte mich vorher schon einmal kontaktiert und nach den 16 Toren dann noch einmal. Für Babelsberg habe ich schon einmal in der Regionalliga gespielt. Aber das geht zeitlich für mich nicht: Ich muss arbeiten. Wenn ich professionell trainieren will, muss ich mich darüber auch finanzieren können. Das ging da nicht. Aber vielleicht kommt ja noch etwas. Schauen wir mal.

Ist das Profigeschäft denn Ihr Ziel? Mit 22 Jahren sind Sie ja noch nicht zu alt.

Ja, davon träume ich. Ich möchte oben angreifen. Ich glaube, dass ich auch das Zeug dazu habe.

Bei welchem Klub würden Sie denn am liebsten spielen?

Mein Lieblingsklub ist Galatasaray Istanbul. Das wäre mein absoluter Traumklub. Aber wenn wir mal ehrlich sind: Das ist noch meilenweit entfernt.

Am Sonnabend bestreiten Sie mit Ihrer Mannschaft das letzte Saisonspiel. Diesmal geht es dann gegen den Berliner SC. Der Klub ist Vierter und hat insgesamt erst 42 Gegentore kassiert. Muss der Berliner SC sich jetzt darauf einstellen, dass noch ein paar dazu kommen?

Wir treffen normalerweise in jedem Spiel, und ich hoffe natürlich, dass auch ich wieder ein oder zwei Tore machen kann (lacht). Aber die 16 Tore gegen Club Italia sind einmalig gewesen. Das werde ich wohl nie wieder schaffen.