Eishockey

Seidenberg auf dem Weg zur Einmaligkeit

Deutscher Nationalspieler steht im Finale der NHL

Der Begriff der „Original Six“ klingt nach viel Geschichte, nach Tradition, auch danach, dass diejenigen, die dazugehören, irgendwie die Größten sind, weil ja keiner mehr Geschichte und Tradition bieten kann als eben das Original. Doch der Name, mit dem sechs Mannschaften aus der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL bezeichnet werden, führt ein wenig in die Irre. Die Liga wurde bereits 1917 gegründet, die Zeit der „Original Six“ beginnt jedoch erst 1943. Bis 1966 bildeten nur diese sechs Mannschaften die NHL. Zum ersten Mal seit 34 Jahren stehen sich im Finale um den Stanley Cup nun wieder zwei Teams aus dem Klub der „Original Six“ gegenüber. Ab Mittwoch kämpfen die Chicago Blackhawks und die Boston Bruins um die Trophäe.

Exklusiv war schon das Halbfinale, alle vier Stanley-Cup-Sieger der Vorjahre hatten sich zu einem Duell der Besten getroffen. Chicago schaltete dabei als Sieger von 2010 den Titelverteidiger Los Angeles in fünf Spielen aus. Boston als Meister von 2011 setzte sich souverän gegen den Gewinner von 2009 durch, die Pittsburgh Penguins. Und zwar schon in vier Spielen. „Wir haben nicht die größten Stars der Welt. Aber wir haben vielleicht das beste Team der Welt“, sagte Bruins-Stürmer David Krejci angesichts des überraschend deutlichen Erfolgs gegen die offensivstarken Pinguine.

Der Tscheche ist natürlich ein Star, sogar NHL-Topscorer im Play-off. Doch der starke Teamgedanke ist die Basis allen Tuns bei den Bruins. Deshalb sind sie wieder so weit gekommen und gehen mit den gleichen Chancen ins Finale wie die Blackhawks, die als bestes Team der Vorrunde weit vor den Bruins standen. Allerdings sind sich beide wegen der durch den Arbeitskampf verkürzten Saison in der Vorrunde nicht begegnet, so dass unklar ist, wie beide mit der Spielweise des Gegners zurechtkommen.

Krupps Name fehlt 2002

Für Dennis Seidenberg spielt das keine Rolle, „Wir brauchen den Killer-Instinkt und müssen alles vergessen, was war. Dann spielen wir unser bestes Hockey“, sagt der deutsche Nationalspieler, der bei den Bruins eine wichtige Stütze in der Abwehr ist. Schon vor zwei Jahren gewann Seidenberg als erst zweiter Deutscher den Cup. Jetzt könnte er sich einmalig machen. Zwar gewann Uwe Krupp mit zwei Mannschaften den Titel in der NHL, doch beim zweiten Erfolg mit Detroit 2002 hatte er nur zehn Saisonspiele absolviert und war im Finale nicht dabei. Deshalb wurde sein Name nicht in den Stanley Cup eingraviert.

Beide Teams sind sich ähnlich, verfügen über starke Torhüter, eine Abwehr, die hinten und auch vorn effektiv arbeitet, sowie viele gute Angreifer. Vor allem aber die unglaubliche Solidität der Bostoner in der Verteidigung scheint ein großer Vorteil zu sein. Ansonsten sieht es auch historisch ähnlich aus. In Finalduellen unter den „Original Six“ ab 1943 setzte sich Boston bislang genau wie Chicago einmal durch.