Tennis

Haas kratzt an den Top Ten

Erfolg in Paris beschert ihm Rang elf. Auf Rasen kann er weiter punkten

Auch bei einem Tennisspieler im etwas reiferen Alter brechen manchmal noch Gefühle aus vergangenen Zeiten durch. „Man ist begeistert wie ein kleiner Junge, wieder auf Rasen zu sein, dass es jetzt losgeht mit der Grasplatz-Saison“, sagte Tommy Haas bei seiner Rückkehr nach Halle in Westfalen, wo er in dieser Woche als Titelverteidiger am Start ist. Der 35-Jährige hat dieser Tage viele Gründe, mit sich und seinem Leben zufrieden zu sein. Von der Tribüne schauen ihm seine Verlobte Sara Foster und die gemeinsame Tochter Valentina zu. Die Fans sind überall begeistert von ihm, weil er mit erstaunlichem Erfolg der jüngeren Konkurrenz die Stirn bietet. Und nun klopft er gar an das Tor zu den Top Ten. In der ATP-Weltrangliste wurde Haas nach seinem Durchmarsch ins Viertelfinale der French Open auf Rang elf notiert, so weit oben wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. 2002 war er sogar über Monate die Nummer zwei der Welt gewesen.

Die Chancen für den gebürtigen Hamburger stehen in der Tat nicht schlecht, gilt er doch als Spieler, der auf dem Grün besonders gut zurechtkommt. In Halle hat er nicht nur vergangenes Jahr, sondern auch 2009 gewonnen. Doch man täte ihm Unrecht, würde man ihn als Rasenspezialisten bezeichnen. Haas hat insgesamt 14 Turniertitel – auf allen Belägen, ob Sand, Hartplatz oder Teppich. In Westfalen muss er nun zudem auch erst einmal viele Punkte aus 2012 verteidigen. Aber der große Sprung könnte ihm danach gelingen. Denn in Wimbledon verabschiedete er sich im Vorjahr bereits in der ersten Runde nach einer Fünfsatz-Niederlage gegen Philipp Kohlschreiber. Da kann er fleißig punkten – und dementsprechend klettern.

Doch vor London steht zunächst das deutsche Klein-Wimbledon an. Erst am Mittwoch muss Haas ran, entweder gegen den Letten Ernests Gulbis oder Marcos Baghdatis aus Zypern. „Das sind schon richtige Brocken“, sagte der Deutsche, „und danach könnte es gegen Milos Raonic gehen, der hat einen Hammeraufschlag und damit sogar Roger Federer schon in Not gebracht.“ Dennoch wirkt Haas locker, lässig und leicht. Aber auch konzentriert und ehrgeizig. „Ich werde alles geben, um noch einmal den Pokal zu holen. Das wäre eine wunderbare Sache“, sagte er am Tag vor dem Start in die 21. Turnierauflage.

„Die Müdigkeit ist schon vergessen, die nach den anstrengenden Wochen auf Sand in den Knochen steckte“, frohlockte Haas angesichts der Rasenplätze. Er freute sich auch deshalb, weil er eine Glasplatte mit einem Stern und seinem Namen für den Vorjahres-Erfolg in den Boden auf dem Walk of Fame der „Roger-Federer-Allee“ einlassen durfte.

Apropos Federer. Weil auch der Schweizer noch Matchpraxis vor dem ersten Einzelstart suchte, fragte er Haas, ob man nicht gemeinsam im Doppel starten wolle. Der meinte dazu trocken: „Da wäre ich ja ganz schön blöd, wenn ich nein gesagt hätte.“ Also gingen sie am Montag ins Rennen. Sie unterlagen in der ersten Runde aber der deutsch-österreichischen Kombination Philipp Petzschner/Jürgen Melzer – ihres Zeichens Wimbledon (2010) und US Open-Sieger (2011) – mit 6:7 (3:7), 4:6.