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Schwerer Schlag für Lewandowski

Nach der Entscheidung von BVB-Boss Watzke ist der Traum des Stürmers vom Wechsel zum FC Bayern vorerst geplatzt

Es ist das vorläufige Ende einer nervenden Posse, eines beispiellosen Gezerres. Robert Lewandowski erhält keine Freigabe für einen Wechsel zum FC Bayern München. „Er wird 2013 nicht nach München wechseln“, sagte Hans-Joachim Watzke und zog damit einen Schlussstrich unter die wochenlangen Mutmaßungen, Halbwahrheiten und Prognosen, die sich um die Zukunft des polnischen Stürmers von Borussia Dortmund rankten. In den vergangenen vier Wochen, so der Vorsitzende der Geschäftsführung des BVB, hätte es zweimal telefonischen Kontakt mit den Bayern gegeben. „Wir haben allein aus börsenrechtlichen Gründen darauf hingewiesen, dass wir ein schriftliches Angebot für Lewandowski benötigen“, sagte Watzke der Bild: „Aber dieses Angebot ist nicht eingetroffen.“

Ein schwerer Schlag dürfte diese Entscheidung in erster Linie für Lewandowski sein, der noch in der vergangenen Woche öffentlich erklärt hatte, zu seinem Wunschverein wechseln zu wollen – wenn auch ohne Nennung des Namens. Zugleich hatte er die Hoffnung geäußert hatte, dass sich beide Vereine schnell einigen werden.

Das ist mit der Entscheidung, die die Dortmunder auch Lewandowski persönlich mitgeteilt haben, nun vom Tisch. Zwar könnte er bei einem entsprechenden Angebot diesen Sommer immer noch den BVB, wo er noch bis Juni 2014 unter Vertrag steht, verlassen. Nur eben nicht nach München. „Wir werden nichts kategorisch ausschließen. Meine Aussage, dass er 2013 nicht zu den Bayern wechselt, steht“, sagte Watzke gegenüber der Morgenpost: „Wer daraus schließen will, dass diese Aussage nicht für andere Verein gilt, darf das tun.“

Prompt zeigte die zahlungskräftige internationale Konkurrenz ihr Interesse. Der spanische Rekordmeister Real Madrid, gegen den Lewandowski im Champions-League-Halbfinale viermal traf, sucht ebenso einen Topstürmer wie die englische Prominenz. Sollte Wayne Rooney Manchester United verlassen, bräuchte der englische Meister hochkarätigen Ersatz. Und beim Europa-League-Sieger FC Chelsea plant Rückkehrer José Mourinho eine teure Runderneuerung. Mit anderen Worten: Sollte Lewandowski ins Ausland wechseln wollen, der auch bereit wäre, die Ablöseforderung des BVB zu erfüllen, sei dies vorstellbar. „Das heißt aber nicht, dass wir bei allen anderen Vereinen auch das letzte Wort hätten“, so Watzke: „Unser Wunsch ist es, Robert davon zu überzeugen, dass es gut für ihn ist, ein weiteres Jahr bei uns zu spielen.“

Die spannende Frage ist, ob Lewandowski das auch einsieht. Gedanklich schien er sich schon ganz auf einen Wechsel nach München eingestellt zu haben. Er sagte: „Ich glaube, dass dies nicht die endgültige Entscheidung des Chefs ist und sich die Situation bald ändert.“ Einen Transfer ins Ausland hatte er bislang kategorisch ausgeschlossen. In jedem Fall wäre Lewandowski nur schwer zu ersetzen. Der Kolumbianer Jackson Martinez, den Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp bereits beobachtet hatten, soll den FC Porto nur für festgeschriebene 40 Millionen Euro verlassen dürfen. Der Belgier Christian Benteke (Aston Villa) gilt gar als unverkäuflich. Mittelfeld-Wunschkandidat Kevin de Bruyne scheint vom FC Chelsea keine Freigabe zu bekommen. Auch die Ablöse, die der brasilianische Erstligist Atletico Mineiro für den talentierten Bernard erhebt, ist extrem hoch. Obwohl die Dortmunder in der vergangenen Saison durch die Champions League rund 70 Millionen Euro eingenommen haben und 37 Millionen Ablöse für Mario Götze von den Bayern bekommen, soll unkalkulierbares Risiko vermieden werden. Wenn Lewandowski also noch ein Jahr bleiben sollte, hätte Zorc ein weiteres Jahr Zeit für die schwierige Nachfolgeregelung gewonnen. Der Verzicht auf eine Ablöse für Lewandowski wäre da in Anbetracht der guten finanziellen Gesamtsituation des Vereins zu verschmerzen.

Abzuwarten bleibt, ob die beiden Berater von Robert Lewandowski die Entscheidung der Borussen kommentarlos schlucken werden. In der Vergangenheit hatten Cezary Kucharski und Maik Barthel, die sich nicht gerade durch die in Spielerberaterkreisen übliche Diskretion auszeichnen, immer wieder die Wechselabsichten ihres Klienten öffentlich gemacht und so Druck auf die Dortmunder Führung ausgeübt.