Fußball

Bilanz einer EM: Trainer Adrion bleibt, aber die Spieler gehen

Ein Hauch von Abschied lag in der heißen Luft von Tel Aviv, als Lewis Holtby am Montag mit traurigen Augen auftrat.

„Wir waren wie eine Familie, da kommt Wehmut auf. Es ist schade, dass es so auseinandergeht. Ich hoffe, dass sich viele Spieler in der A-Nationalmannschaft wiedersehen werden“, sagte der Kapitän der deutschen U21-Junioren einen Tag nach der 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Spanien, die das EM-Aus schon nach der Vorrunde besiegelte.

Während für viele Spieler in Israel ihre Karriere im DFB-Trikot wohl endet, will Trainer Rainer Adrion bleiben. „Ich habe gerade meinen Vertrag um ein Jahr verlängert und werde ab August die neue U21 für die EM 2015 aufbauen“, sagte Adrion und betonte: „Ich denke nicht, dass man die EM als totales Scheitern betrachten kann. Man darf nicht nur das nackte Ergebnis sehen.“ Adrion darf sich dabei auch der Fürsprache von Joachim Löw sicher sein. Immerhin war die U21 bei der EM 2011 sogar in der Qualifikation gescheitert, Adrion blieb damals dennoch im Amt, nicht zuletzt dank der Rückendeckung des Bundestrainers.

Redebedarf gibt es dennoch. Etwa über das Fehlen von Namen wie Julian Draxler oder André Schürrle, die mit Joachim Löw auf USA-Reise waren, oder Mario Götze und Toni Kroos, die auch ohne Verletzung in Israel nicht dabei gewesen wären. „Da kann man drüber diskutieren“, sagte Adrion und schloss für die kommende EM-Qualifikation ein neues Konzept nicht aus: „Die Analyse werden wie gemeinsam machen. Dann werden wir vielleicht zu einem Ergebnis kommen, das dies für die Zukunft relevant ist.“

Erfahrung hat gefehlt

Kapitän Holtby wollte das Fehlen von Draxler oder auch Ilkay Gündogan nicht als Ausrede gelten lassen. „Ich trauere nicht Spielern hinterher. Wir hätten es auch mit dieser Mannschaft gepackt, wenn wir erfahrener agiert hätten“, sagte der 23-Jährige, der als einziger im deutschen U21-Aufgebot schon A-Länderspiele auf dem Konto hat: „Wenn man sieht, wie viele Bundesliga-Einsätze auf dem Platz standen, können wir nicht sagen, dass Leute gefehlt haben.“

Während Holtby gute Chancen auf Einsätze bei Löw hat, wird für einen erheblichen Teil der Mannschaft das bedeutungslose Gruppenspiel am Mittwoch gegen Russland vielleicht das letzte Länderspiel ihrer Karriere. Der Unterschied zu den Europameistern von 2009 könnte größer kaum sein: Aus der damaligen U21-Elf gehören Spieler wie Manuel Neuer, Mesut Özil, Sami Khedira oder Mats Hummels heute zum Stamm der A-Mannschaft. „2009 der Titel, jetzt in der Vorrunde raus. Das ist richtig bitter“, sagte auch Mittelfeldspieler Patrick Herrmann, der immerhin im Notizbuch von Löw steht und schon eine Einladung erhielt. Das interessierte den Gladbacher nach dem Spiel aber herzlich wenig: „Natürlich ist das Gefühl beschissen. Wir haben eine gute Mannschaft, konnten das aber nicht umsetzen.“