Tennis

Paris ist Nadals Reich

Als erstem Tennisspieler gelingt es dem Spanier, ein Grand-Slam-Turnier acht Mal zu gewinnen

Rafael Nadal sank überwältigt in den roten Sand von Roland Garros, schlug die Hände vor sein Gesicht und schrie seine Freude in den wolkenverhangenen Himmel über Paris. In den Jubel des spanischen Sandplatzkönigs über seinen achten Titel bei den French Open mischte sich Erleichterung und Glück. Nach dem einseitigen 6:3, 6:2, 6:3 im Finale über seinen Landsmann David Ferrer waren alle Zweifel und Schmerzen seiner monatelangen Zwangspause vergessen. Mit dem Triumph krönt Nadal sein Comeback und schreibt ein bedeutendes Stück Tennis-Geschichte.

„Das ist ein besonderer Tag für mich. Ich danke allen, die mich in dieser schweren Zeit unterstützt haben. Das waren harte Tage für mich. Ich habe noch nicht einmal davon geträumt, hier acht Mal zu gewinnen“, sagte ein sichtlich bewegter Nadal. Nie zuvor hatte ein Spieler acht Mal ein einziges Grand-Slam-Turnier gewonnen. Nicht Roger Federer, nicht Rod Laver und auch keiner der Heroen aus der grauen Tennis-Vorzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erst Nadal, diesem stillen, fast schüchternen Familienmenschen aus Manacor auf Mallorca, gelang dieses einzigartige Kunststück. Welch seltsame Idee der Organisatoren, den Coupe des Mousquetaires von Lautsprecher Usain Bolt überreichen zu lassen. Nadal nahm die Trophäe im Nieselregen von Paris sichtlich gerührt aus den Händen des schnellsten Mannes der Welt entgegen.

222 Tage Zwangspause

Nicht einmal ein Jahr ist es her, als seine Leidenszeit mit dem Zweitrundenaus in Wimbledon begonnen hatte. Bereits bei seinem siebten Titelgewinn in Paris hatte sein anfälliges Knie Vorboten geschickt. Es schmerzte bei jedem Schritt. Das Fettgewebe unter der Patellasehne hatte sich entzündet, Hoffa-Kastert-Syndrom nennen das die Mediziner. 222 Tage Zwangspause durchlitt Nadal, musste sich die großen Finals bei den Olympischen Spielen in London, bei den US Open und den Australian Open vor dem heimischen Fernseher anschauen.

„Das war die härteste Aufgabe bisher“, gab der 27-Jährige in Paris zu. Nicht zu vergleichen mit Marathon-Matches wie im Halbfinale gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic, als Nadal erst nach intensiven 4:37 Stunden mit 9:7 im fünften Satz gewonnen hatte. „Du schätzt jeden Moment, wenn du das Spiel liebst, wenn du liebst, was du tust.“

Im Rückblick war das der entscheidende Schritt zu seinem zwölften Major-Titel, das vorweggenommene Finale. Am Sonntag, im vierten spanischen Endspiel der French-Open-Geschichte vor den Augen des Kronprinzen Felipe, brauchte Nadal nicht einmal mehr seine gesamte Hingabe, um den braven David Ferrer bei dessen Final-Premiere zu bezwingen und die 1,5 Millionen Euro Preisgeld einzustreichen. Mit 31 Jahren hatte er erstmals die Chance auf einen Grand-Slam-Titel, war jedoch chancenlos und verlor zum 20. Mal im 24. Duell mit seinem guten Freund Nadal. „Glückwunsch an Rafa, er hat all dies verdient“, sagte der Weltranglisten-Fünfte.

Dabei hatte der Rekord-Champion in seinen Matches zuvor sechs Stunden länger auf dem Platz gestanden als Ferrer, der sogar ohne Satzverlust das Finale erreicht hatte. Doch Roland Garros ist Nadals Reich, hier hat ihn erst einer bezwungen, der Schwede Robin Söderling. Vier Jahre liegt diese Niederlage nun zurück, ist mittlerweile aber nur noch eine Fußnote in der Erfolgsgeschichte von Nadal.

Ebenfalls kaum mehr als eine Randnotiz waren die Störenfriede auf dem Court Central, die Nadal und Ferrer im zweiten Durchgang für einen Moment den Rhythmus raubten. Erst brüllten zwei Demonstranten ihren Frust über die gleichgeschlechtliche Ehe heraus, dann schaffte es ein Mann mit freiem Oberkörper, weißer Maske und Bengalo in der Hand auf den Platz. Nadal blieb jedoch gelassen und reichte dem Sicherheitsbeauftragten, der ihm zur Hilfe geeilt war, die Hand.