Boxen

Klar im Kopf und endlich ein Mann

Viel Lob für Boxweltmeister Huck nach seinem souveränen Sieg über Afolabi. Im September zweites Duell mit Arslan

Das Wort zum Sonntag kam von Kalle Sauerland. „Marco hat viel Mist aus seinem Kopf bekommen“, sagte der Sohn von Boxstallchef Wilfried Sauerland. Und der 36-Jährige hielt nicht mit seiner Meinung hinterm Berg, dass unter dem Begriff „Mist“ nur in Teilen die boxerischen Vorstellungen des alten und neuen Cruisergewichts-Weltmeisters nach Version der World Boxing Association (WBO), Marco Huck, zu verstehen waren. „Wir hatten sehr intensive Gespräche über seine Zukunft. Er hat sich meiner Meinung nach anfangs überschätzt, aber wir haben zueinander gefunden. Marco ist erst 28 Jahre alt, aber er ist in den letzten sechs Monaten zum Mann geworden“, ließ Sauerland seiner Erleichterung freien Lauf.

Hucks Punktsieg (117:111, 115:113, 114:114) im nunmehr dritten Duell gegen den 33-jährigen Briten Ola Aafolabi, betreut von Klitschko-Trainer Fritz Sdunek, war aus Sicht des derzeit größten deutschen Profiboxteams weit mehr als nur ein Erfolg des Athleten. Die rund 6000 Fans in der Max-Schmeling-Halle und in der Spitze 3,95 Millionen bei der ARD hatten einen Titelverteidiger gesehen, der sich konditionell und mental ausgezeichnet vorbereitet hatte.

Diesmal keine Ausbrüche im Ring

Der aber auch, entgegen seiner Gewohnheiten, auf emotionale Ausbrüche im Ring verzichtet hatte. Huck hatte immer eine Hand mehr im Ziel als der etwas planlos wirkende Afolabi, der vor allem beim heftig umstrittenen Remis im zweiten Duell (2012 in Erfurt) Zweifel an Hucks boxerischer Klasse geweckt hatte. „Explosiv, kontrolliert – und mit Köpfchen“, lachte Huck-Trainer Ulli Wegner bei dem Versuch, Hucks Berliner Auftritt in Kurzform zu charakterisieren. Dem 71-Jährigen war dabei Erleichterung anzumerken. Nach dem unerwarteten Titelverlust seines Lieblingsboxers Arthur Abraham im Supermittelgewicht (an den Magdeburger Robert Stieglitz) hätte das Team Sauerland, hätte auch Wegner mit lediglich noch einem Weltmeister dagestanden: dem an einer komplizierten Handverletzung laborierenden gebürtigen Kubaner Yoan Pablo Hernandez. „Marco hat nicht nur für sich gewonnen. Er hat angenommen, was ich ihm gesagt habe. Er hat heute viel Druck vom Team genommen. Ich bin heute ein zufriedener Mensch“, so Wegner.

Zufrieden war auch Firat Arslan. „Ich war für Marco, habe mir sehnlich gewünscht, dass er gewinnt und habe daran fest geglaubt. Gegen Marco noch einmal zu boxen, ist ein Fest des deutschen Boxsports. Nur große Kämpfe bringen große Helden hervor, und dafür kämpfen wir“, verkündete der 42-jährige Profi. Am 14 September in Stuttgart kann Arslan einen erneuten Versuch starten, ein Held zu werden. Er hatte nach der von ihm als nicht korrekt empfundenen Niederlage gegen Huck (3. November 2012 in Halle/Westfalen) eine Revanche verlangt. Und Marco Huck? „Afolabi hat es mir nicht leicht gemacht, ich musste schon über mich hinauswachsen. Ich habe bewiesen, dass ich der wahre Champion bin“, ließ Huck nach dem 36. Erfolg im 39. Profikampf wissen. Restlos zufrieden ist er aber nicht. Huck will ins Schwergewicht.

Eine Revanche gegen Arslan gebietet die Fairness. Doch danach gelüstet es „Käpt’n Huck“ entweder nach einer Titelvereinigung oder dem Wechsel in die Königsklasse. Sollte es zu einer Titelvereinigung kommen, schließt Wilfried Sauerland Gespräche mit Box-Ikone Don King nicht aus. Der 81-jährige Amerikaner managt Guillermo Jones (42, Panama), den Weltmeister nach Version der World Boxing Association (WBA).

Wilfried Sauerlands Einschätzung „Ich sehe Marco vorläufig im Cruisergewicht“, spricht durchaus für eine Kontaktaufnahme mit King. „In den ersten acht Runden war das der beste Marco Huck, den ich je gesehen habe“, schlug Wilfried Sauerland dann noch einmal den Bogen zum Kampf. Und auch Ola Afolabi, der im verbalen Scharmützel im Vorfeld der Auseinandersetzung kein gutes Haar am Titelverteidiger gelassen hatte, gab unumwunden zu: „Der Beste hat gewonnen.“