Leichtathletik

Der Niederlage folgt gleich eine neue Kampfansage

Berlins Diskus-Star Harting ist sogar ein wenig erleichtert

Das ganze Gerede von der Siegesserie, seiner angeblichen Unschlagbarkeit und die entsprechend hohe Erwartungshaltung hatte Robert Harting nach außen hin immer ziemlich cool weggesteckt. Als machte es dem Diskus-Olympiasieger, Welt- und Europameister aus Berlin gar nichts aus, dass dadurch natürlich auch der Druck immer mehr zunahm. Jetzt gibt er ehrlich zu: „Ich bin auch ein bisschen froh darüber, dass es dankenswerterweise vorbei ist.“ So erklärt es der 28-Jährige in einer Videobotschaft an seine Fans.

Es ist vorbei. Die Serie ist gerissen. Nach 1024 Tagen und 35 Erfolgen hintereinander musste sich der starke Mann vom SCC in Hengelo erstmals seit August 2010 wieder geschlagen geben. Beim Sportfest in der niederländischen Stadt erreichte Harting mit 69,91 Meter zwar eine Saisonbestweite, aber der Pole Piotr Malachowski, sein ewiger Konkurrent, gewann mit 71,84 Meter. „Ein unglaubliches Ergebnis“, kommentiert der Berliner. „Ich gönne das Piotr natürlich. Es ist keine Schande, hinter einer solch starken Leistung Zweiter zu werden.“ Der Pole übertraf zum ersten Mal die Schallmauer von 70 Metern. Für den Berliner war es der drittbeste Wurf seiner Karriere (nach 70,66 Meter und 70,31 Meter im Mai 2012).

„Traurig, wirklich traurig“ sei er jedoch vor allem darüber, „dass ich die guten Bedingungen nicht nutzen konnte“. Angenehme Temperaturen, günstiger Wind – „schade, dass ich einen Wurf deutlich über 70 Meter nicht stehen konnte“. Der Versuch war ungültig, nicht so der grandiose Wurf von Malachowski. Harting scheint es gar nicht so ungelegen zu kommen, dass sein Konkurrent, der Europameister von 2010, jetzt in Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Moskau (10. bis 18. August) „der haushohe Favorit ist“, wie es Deutschlands „Sportler des Jahres 2012“ ausdrückt.

Wie wird Robert Harting, der schon mal zum Grübeln neigt, diese Niederlage verkraften? Er ist sich sicher: „Die nächsten Tage werden wahrscheinlich ein bisschen schwer.“ Aber er blickt auch gleich nach vorn: „Es geht weiter.“ Immer wieder sei es eben „das alte Duell“ gegen den Polen. Harting verspricht mit Blick auf die WM: „Ich werde alles versuchen, ihn wegzuhauen.“ Auf alle Fälle sei er „wieder voll motiviert“.

Malachowski war einen Tag nach seinem 30. Geburtstag natürlich glücklich. „Drei Jahre lang bin ich diesem Wurf hinterhergejagt, und wir hatten perfekte Bedingungen.“ Vom Uralt-Weltrekord des Schweriners Jürgen Schult – 74,08 Meter aus dem Jahr 1986 – ist aber auch er noch ein gutes Stück entfernt.