Tennis

Auf den Spuren von Steffi Graf

Serena Williams lässt Sharapowa keine Chance und gewinnt in Paris ihren 16. Grand-Slam-Titel

Nach dem finalen Ass sank Serena Williams auf dem roten Sand des Court Central auf die Knie und vergrub ihr Gesicht in den Händen. In einem würdigen Endspiel hatte die beste Tennisspielerin der Gegenwart Titelverteidigerin Maria Scharapowa entthront und erstmals seit elf Jahren die French Open in Paris gewonnen. Mit 6:4, 6:4 fügte Williams nach 1:46 Stunden ihrer beeindruckenden Titelsammlung den 16. Grand-Slam-Sieg hinzu. „Es war wirklich sehr schwierig. Ich war so nervös, weil ich wusste, dass ich hier gewinnen muss“, sagte Williams auf Französisch. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das nach elf Jahren noch einmal schaffen kann.“ Die Amerikanerin schaffte es als erste Spielerin, nach einer so langen Pause noch einmal dasselbe Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.

Auf der Tribüne jubelte Geburtstagskind Patrick Mouratoglou, offiziell Serenas Berater, in Wahrheit jedoch das Geheimnis hinter Williams famoser Siegesserie. Nach der Erstrundenniederlage im vergangenen Jahr hatte sie sich in Mouratoglous Akademie vor den Toren von Paris zurückgezogen, seitdem hat Williams von 76 Spielen lediglich drei verloren. Während der gemeinsamen Übungsstunden sollen sich Star und Trainer auch privat näher gekommen sein.

Bekennen wollen sich beide nicht dazu, in Paris erreichte ihre Partnerschaft dennoch den vorläufigen Höhepunkt – sportlich. Mit dem 31. Sieg in Folge, so lange war Williams noch nie in ihrer Karriere ungeschlagen geblieben, gewann sie völlig verdient die 1,5 Millionen Euro Preisgeld beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt.

Maria Scharapowa blieb da nur die Nebenrolle. Die Weltranglistenzweite und viermalige Grand-Slam-Siegerin verlor zum 13. Mal in Serie gegen Williams. Ihre einzigen beiden Erfolge in nun 16 Duellen liegen neun Jahre zurück. Immerhin verhinderte die Russin ein Debakel wie bei den Olympia 2012, als sie im Finale 0:6, 1:6 unterlag. Scharapowa lobte Williams als „großartigen Champion. Sie hat in diesem und auch in den vergangenen Jahren herausragend gespielt“.

Ein Durchmarsch wie in ihrem rekordverdächtigen Halbfinale gegen Sara Errani, das nur 46 Minuten gedauert hatte, gelang Williams aber nicht. Das lag an Scharapowas starker Anfangsphase. Die hatte sich viel vorgenommen und feuerte sich nach jedem Punkt lautstark an. Nachdem sie gleich zu Beginn vier Breakbälle abgewehrt hatte, führte sie 2:0 – dann wachte Williams auf.

Vier Spiele in Folge gelangen der 31-Jährigen, Scharapowa hatte etwas die Länge in ihren Schlägen verloren. Niemand nutzt dies so konsequent wie Williams aus. Mit einem ihrer unnachahmlichen Aufschläge über 190 km/h holte sie sich ihren ersten Satzball und verwandelte den zweiten nach 51 Minuten. Ungerührt, als sei die Führung das Selbstverständlichste auf der Welt, ging Williams zu ihrer Bank.

Ein ähnliches Bild wie zu Beginn des ersten bekamen die 15.000 Zuschauer im zweiten Satz geboten. Erneut wehrte Scharapowa im ersten Spiel Breakbälle ab. Doch Williams war längst im Spiel angekommen. Mit 31 Jahren und 247 Tagen ist sie nun die älteste Siegerin in der Ära des Profitennis (seit 1968) in Roland Garros, wo sie auch die Herzen der Fans ansprach: „Ich bin oft hier, ich arbeite hier. Ich glaube, ich bin eine Pariserin.“

Mit ihrem zweiten Titel nach 2002 ist Williams zudem dem Top-Trio in der Bestenliste der Open Era auf den Fersen. Mit nun 16 Titeln ist sie nur noch zwei Triumphe von Martina Navratilova und Chris Evert entfernt. Bislang noch unangefochten an der Spitze steht Steffi Graf, die 22 Mal in Melbourne, Paris, London oder New York gewonnen hat.