Handball

Romero lässt die Füchse träumen

Sein Treffer sichert Sieg in Hannover und Verteidigung des vierten Platzes. Berliner wollen Wildcard-Turnier für die Champions League ausrichten

Die Zeit war abgelaufen, da trat Iker Romero an die weiße Linie. Sieben Meter ist sie vom Tor entfernt. Zweimal prellte der Spanier den Ball auf den Boden. Er hob den Kopf, spannte seinen Wurfarm nach hinten, pustete die Wangen auf, zielte – und traf. Dann warfen sich seine Mannschaftskollegen auch schon mit Anlauf auf ihn und ließen ihn hochleben. Die 200 mitgereisten Fans jubelten ihren Helden lautstark zu. „Iker ist bei uns eben der Mann für die besonderen Momente“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning.

Es war ein würdiges Finale. Im letzten Spiel der Handball-Saison besiegten die Füchse den TSV Hannover-Burgdorf 31:30 (11:14) und sicherten damit Rang vier in der Bundesliga. Dieser berechtigt zur Teilnahme am Wildcard-Turnier für die Champions League. Durch den Erfolg der Berliner war auch der Ausgang der Partie des HSV Hamburg in Melsungen (30:30) unerheblich.

In den vergangenen Tagen war zunächst nicht klar gewesen, ob womöglich der HSV nach seinem Triumph in der Champions League von der europäischen Handball-Föderation EHF eine Wildcard erhält und die Füchse trotz sportlicher Qualifikation leer ausgehen. Doch die Berliner haben bereits eine Anmeldung zu dem Qualifikationsturnier vorliegen. Hanning bestätigte den Vorgang gegenüber der Morgenpost: „Ja, wir haben die Unterlagen von der EHF zugeschickt bekommen.“ Am Montag soll die Anmeldung per Fax an den Verband rausgehen. Die 25.000 Euro Startgebühr sind auch schon überwiesen. Und der Geschäftsführer der Füchse legte sogar noch einen drauf, er verriet: „Wir werden uns bemühen, das Champions-League-Turnier nach Berlin zu holen.“

Im Saisonfinale mussten die Füchse auf Sven-Sören Christophersen verzichten. Der Nationalspieler hatte sich im Training einen Einriss der Patellasehne zugezogen und wird in der kommenden Woche am Knie operiert. Er war gestern aber mit nach Hannover gereist, um seine Mannschaft zu unterstützen. Zur Freude der Füchse-Fans machte sich auch Ivan Nincevic vor dem Anwurf mit warm. Nur zweieinhalb Wochen nach dem Kopfstoß des Hamburgers Torsten Jansen, bei dem sich Nincevic eine Fleischwunde unter dem Auge und eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hatte, meldete sich der Kroate wieder fit.

In seinem letzten Spiel für die Füchse wollte der Linksaußen unbedingt ein paar Minuten ran. „Mir fehlen zwar nach 16 Tagen Pause Kraft und Kondition, aber ich kann spielen“, hatte der Rechtshänder gesagt. Nach dreieinhalb Jahren verlässt Nincevic den Verein, er geht künftig für Minsk in Weißrussland auf Torejagd. Für ihn wird in Zukunft Colja Löffler auf der linken Bahn auf und ab flitzen, er durfte gestern auch beginnen. Doch nach 19 Minuten war es so weit. Im Trikot mit der Nummer 27 rannte Nincevic aufs Feld. Er holte sogleich einen Siebenmeter heraus, den Romero verwandelte. Fast die ganze erste Halbzeit liefen die Füchse dennoch einem Rückstand hinterher.

Dass es gegen Hannover nicht leicht werden würde, war den Füchsen klar, hatten sie doch das Hinspiel in der Schmeling-Halle verloren. Irgendwie lief es auch gestern zunächst nicht rund. Während die Platzherren selbstbewusst agierten, hakte es im Angriff der Berliner. In der Halbzeit nahm Kapitän Torsten Laen seine Kollegen noch einmal in die Pflicht. Auch der Däne verlässt die Füchse im Sommer, und das letzte Spiel wollte er nun partout nicht verlieren. Neben Nincevic und Laen liefen gestern auch Johannes Sellin, Evgeni Pevnov, Börge Lund und Mark Bult ein letztes Mal im Füchse-Trikot auf.

Angetrieben von ihrem Kapitän drängten die Berliner auf den Ausgleich, und es war tatsächlich der Däne, der in der 41. Minute zum 19:19 traf. Nur Sekunden später brachte der Kreisläufer seine Füchse nach einem Tempogegenstoß das erste Mal in der Partie in Führung (21:20). Das Spiel war nun völlig offen, beide Mannschaften agierten auf Augenhöhe. Die Begegnung war nicht immer hochklassig, aber spannend. Neben Laen trumpfte jetzt auch Sellin auf. Der Linkshänder, der in Berlin zum Nationalspieler gereift ist, nutzte immer wieder den Gegenstoß zum Torerfolg, oder er traf per Siebenmeter. Wie beim 24:23 (48.) oder 26:26 (51.) und 27:27 (52.).

Bis zur letzten Sekunde blieb das Spiel ausgeglichen, mit der Schlusssirene foulte der Däne Morten Olsen Sellin mit einem Bodycheck. Sellin wälzte sich vor Schmerzen auf dem Boden, Olsen bekam Rot, die Füchse einen Siebenmeter. Und dann kam er, der große Auftritt von Iker Romero. 31:30, die Füchse dürfen von der Champions League träumen.

Für die Füchse geht mit Platz vier eine Saison zu Ende, die von den Verantwortlichen als großer Erfolg gewertet wird. Bereits zum dritten Mal in Folge hat sich die Mannschaft für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Nach zwei Jahren, in denen sie direkt das Ticket für die Champions League gelöst hatten, müssen die Berliner nun den Umweg über das Wildcard-Turnier nehmen. Doch auch wenn es am Ende mit der Königsklasse nichts wird und die Berliner im EHF-Pokal antreten, ist die Stimmung bestens. „In einer Stadt wie Berlin musst du einfach international spielen. Das erhöht die Attraktivität“, sagt Hanning, „das Märchen geht auf jeden Fall weiter.“ Auch Dagur Sigurdsson ist stolz auf das Erreichte. „Wir haben unsere Ziele die vergangenen zwei Jahre übertroffen, die Mannschaft hat Großes geleistet“, bilanzierte der Isländer.