Sebastian Machowski

Der Basketballtrainer, der den Rinderzüchtern weichen muss

Berliner Sebastian Machowski steht mit Oldenburg im Finale

Sebastian Machowski kam am Sonnabendvormittag kaum zum Einkaufen auf dem Markt. Dauernd wurde er angesprochen, ihm wurde auf die Schulter geklopft und alles Gute gewünscht. „Die Leute hier leben das alles intensiv mit“, sagt Machowski. Denn in Oldenburg gibt es momentan nur ein Thema: Basketball. Die Baskets, der Bundesligaklub aus der niedersächsischen Stadt mit gut 150.000 Einwohnern, stehen im Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft. Mit Machowski als Trainer.

Es ist für den 41-Jährigen der nächste Schritt, der nächste Höhepunkt in seiner Trainerkarriere: Am heutigen Sonntag (14.35 Uhr/Sport1) beginnt die Finalserie (Modus Best of five) zwischen den Brose Baskets Bamberg, zuletzt dreimal in Serie Double-Gewinner, und den Oldenburgern. „Eigentlich“, sagt Machowski lächelnd „war das Finale ja schon, wir sind nun nur noch Beiwerk und Statisten.“ Das sei nur ein Spaß, fügt er schnell hinzu, aber man merkt ihm an, dass es genervt hat, dass es in den Medien fast überall geheißen hatte, das Halbfinale zwischen Bamberg und Bayern München sei eigentlich schon das vorweggenommene Endspiel gewesen.

Sicher, Bamberg sei der Favorit, „der Kader ist tiefer – und sie haben den Heimvorteil“. Die Serie beginnt im Fränkischen, in einem eventuellen entscheiden fünften Spiel würde erneut in Bamberg gespielt. Aber warum sollte Oldenburg nicht die Überraschung schaffen? „Wir haben bisher eine wirklich gute Saison gespielt“, sagt der Trainer. In der Liga wurde die Punkterunde als Zweiter hinter Bamberg abgeschlossen, in der europäischen EuroChallenge (unter der Europaliga und dem Eurocup angesiedelt) erreichten die Baskets das Final Four in Izmir und wurden Dritter. Es lief sehr gut für Oldenburg und Machowski, der erst zu Saisonbeginn zum Klub kam. Er hat einen großen Anteil am Erfolg des Vereins, der 2009 Deutscher Meister wurde, danach aber dem sportlichen Erfolg hinterhergelaufen war. Bis Machowski kam, der für seine Leistungen in dieser Saison bereits zum „Trainer des Jahres“ gekürt wurde.

„Ich sehe mich als Player’s Coach“, sagt er als Selbsteinschätzung. „Ich verstehe, was die Spieler brauchen und was in ihnen vorgeht.“ Weil er selbst lange genug Profi gewesen ist. Der in Berlin geborene Machowski erlernte wie so viele spätere Alba-Profis das Basketball-ABC bei TuS Lichterfelde. Von 1991 an stand er fünf Jahre lang bei Alba unter Vertrag, er gehörte zum Team, das 1995 den Korac-Cup gewann.

Danach begann für ihn eine Europa-Tour. Insgesamt, rechnet man Lichterfelde mit, spielte er für 14 Klubs in sechs Ländern (Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland, Polen).

Der Spieler wurde zum Trainer während seiner Zeit bei den Polen von Kotwica Kolobrzeg (Kolberg). Als dort der Coach in der Saison 2007/2008 entlassen wurde, machte man Machowski, der bereits die B-Lizenz besaß, kurz entschlossen zu dessen Nachfolger als Spielertrainer. Im Jahr danach war er nur noch Coach und führte Kotwica zum Pokalsieg. Es schlossen sich drei Jahre in Braunschweig an, wo er das Team nach sieben dürren Jahren gleich dreimal hintereinander ins Play-off führte. Und er nahm den Erfolg mit nach Oldenburg.

„Das gesamte Spektrum“ von Trainern hat er während seiner 17 Jahre dauernden aktiven Zeit erlebt. „Vom Choleriker bis zum Pferdeflüsterer war alles dabei.“ Wobei er zugibt, von Svetislav Pesic zu seiner Zeit bei Alba wohl am meisten mitbekommen zu haben. Besonders wichtig ist es ihm, „authentisch zu bleiben“. Er sei keiner, „der wie verrückt am Spielfeldrand herumläuft“.

Fürs Finale setzt er erst einmal „kleine Ziele“: Die Baskets wollen zumindest ein zweites Heimspiel erzwingen. Die Defensive ist zum Prunkstück der Oldenburger geworden, in der Offensive ist das Punkten auf viele Schultern verteilt. „Das macht uns unberechenbar.“ Wobei im Play-off der ehemalige Albaprofi Julius Jenkins herausragt, der in den fünf Halbfinalpartien gegen Ulm im Schnitt 23 Punkte erzielte. „Es steckt noch viel Leben in ihm“, lobt der Trainer den 32-jährigen US-Amerikaner.

Einen weiteren Schub hat Basketball in Oldenburg durch die neue, 6000 Zuschauer fassende Halle bekommen. „Tragisch“ nennt es Sebastian Machowski, dass die Baskets ihr Heimspiel am kommenden Mittwoch in der alten Arena (3148 Plätze) austragen müssen. Der Grund: Die große Halle ist durch eine Rinderzuchtausstellung belegt. Es dreht sich in Oldenburg eben doch nicht alles um Basketball.