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Der Kader ist komplett

Hertha BSC erklärt die Suche nach neuen Spielern für beendet und kann sich nun auf die Bundesliga vorbereiten

So früh war Hertha BSC in den vergangenen Jahren noch nie mit der Kaderplanung fertig. Mit der Unterschrift von Alexander Baumjohann (26) unter seinen Dreijahresvertrag hat Michael Preetz dieses Jahr seinen Job als Manager in Rekordzeit erledigt. Der Zugang aus Kaiserslautern ist die vierte Neuverpflichtung in Berlin. Damit sind die Transferaktivitäten des Bundesliga-Aufsteigers bereits beendet, während andere Klubs sich noch sortieren. Und ganz nebenbei erfüllte Preetz seinem Trainer Jos Luhukay jeden Wunsch.

Frühzeitig verständigten sich Trainer und Manager, die durch den schon am 30. Spieltag feststehenden Aufstieg Planungssicherheit hatten, auf die Positionen, auf denen sich Hertha verstärken sollte. Mit Abwehrspieler Sebastian Langkamp (25) und Linksverteidiger Johannes van den Bergh (26) waren zügig zwei Spieler verpflichtet worden. Dazu kamen beide ablösefrei. Zwei Mittelfeldspieler, von denen einer zumindest auf der rechten Außenbahn eingesetzt werden kann, standen noch auf dem Wunschzettel von Luhukay.

Schnelle Abschlüsse

Die Erfüllung einer zusätzlichen Bitte konnte Preetz allerdings nicht versprechen. Der Trainer wollte schon am ersten Trainingstag am 23. Juni mit dem zukünftigen Kader trainieren. Allerdings sah der enge finanzielle Rahmen von Hertha für die weiteren Transfers vor allem Leihgeschäfte vor. Ein Markt, der normalerweise erst in Bewegung kommt, wenn alle anderen Klubs ihre Kaderplanung abgeschlossen haben und die eigene Mannschaft ausdünnen wollen.

Mit der Verpflichtung der Mittelfeldspieler Hajime Hosogai (26) und Alexander Baumjohann konnte Preetz aber auch den Wunsch des Trainers erfüllen, die gesamte Vorbereitung mit seinem kompletten Team zu absolvieren. Für Luhukay spielen die Wochen vor dem Ligastart eine große Rolle. So machte er für den Holperstart in die Zweite Liga nicht nur die Verarbeitung des Bundesliga-Abstiegs, sondern auch Sperren und späte Neuverpflichtungen verantwortlich. Unvergessen ist die Präsentation der drei neuen Stürmer Sandro Wagner, Sami Allagui und Ben Sahar, die erst im Trainingslager im österreichischen Stegersbach erstmals mit der Mannschaft üben konnten. Das Team musste sich finden und auf den gleichen körperlichen Stand gebracht werden. Manager Michael Preetz konnte sich dieses Jahr aber auch umgekehrt auf Luhukay und seine Verbindungen verlassen. Der Trainer konzentrierte sich vor allem auf Kandidaten, die er schon von seinen vorherigen Stationen kannte. Mit Langkamp und Hosogai arbeitete der Niederländer beim FC Augsburg. Aus seiner Zeit als Trainer von Borussia Mönchengladbach kannte er van den Bergh und Baumjohann. Diese Luhukay-Connection ist kein Markenzeichen des Trainers, sondern aus der finanziellen Not geboren. „Jeder Transfer, den wir im Sommer machen, muss passen. Deshalb haben wir Profis auf dem Zettel, die wir in der Vergangenheit nicht nur als Spieler, sondern auch als Menschen haben kennenlernen können. Denn dann ist das Risiko gering. Bei ihnen wissen wir, dass sie uns fußballerisch weiterhelfen können und charakterlich in die Mannschaft passen“, erklärte der Coach zum Saisonabschluss in der Berliner Morgenpost.

Dabei schaltete sich Luhukay auch aktiv ein, wenn es darum ging, Spieler nach Berlin zu lotsen. Nicht immer erfolgreich. Moritz Leitner (20) bekam vom Hertha-Trainer alle drei bis fünf Tage einen Anruf, in dem sich der Coach nach dem Befinden des Mittelfeld-Talents von Borussia Dortmund erkundigte. Seit seiner Zeit in Augsburg hat der Jungprofi ein fast väterliches Verhältnis zum Niederländer, der ihm immer wieder erklärte, wie gut Hertha seiner Entwicklung als Fußballer tun würde. Schon beim nervenaufreibenden Vertragspoker um Ronny betrieben Luhukay und Preetz eine ähnliche Arbeitsteilung. Für die harten Verhandlungen war der Manager zuständig. Da hielt sich der Trainer völlig heraus, sorgte stattdessen in langen Gesprächen für das passende Wohlfühlklima des Brasilianers. Eine Ausleihe von Leitner scheiterte aber nicht am Vorgehen des Duos Preetz-Luhukay, sondern an den Vorstellungen von Borussia Dortmund. Die Westfalen wollten das Talent nicht zwei Jahre nach Berlin geben, weil sie der Entwicklung der Blau-Weißen nicht trauten. Ein Jahr hingegen war aus Hertha-Sicht zu kurz. Statt mit der schwächsten Position in einen langen Poker mit dem BVB und den auch an Leitner interessierten Stuttgartern zu gehen, griff Hertha beim plötzlich ablösefreien Baumjohann zu. Da Kaiserslautern den Aufstieg verpasste, stand der 26-Jährige ohne Vertrag da.

Restrisiko Lasogga

„Wenn uns kein Spieler mehr verlässt, sind keine Zugänge mehr geplant“, erklärte Michael Preetz die Suche nach Neuzugängen für abgeschlossen. Der Manager weiß, dass gerade Angreifer Pierre-Michel Lasogga, der gerade bei der U21-EM in Israel spielt, Begehrlichkeiten weckt und Hertha keinen Spieler für unverkäuflich erklären kann. Also nur im Notfall geht es noch einmal auf den Transfermarkt.