Handball

Füchse kämpfen im Saisonfinale um die Champions League

Nincevic vor Comeback, Christophersen fällt aus

So ein bisschen spannt die Haut an der Narbe noch, wenn Ivan Nincevic spricht. „Oder wenn ich lache“, sagt der Kroate und wagt ein kurzes Lächeln. Grund dazu hat er. Die Verletzung in seinem Gesicht – eine fünf Zentimeter lange Fleischwunde – heilt gut, die Kopfschmerzen von der schweren Gehirnerschütterung sind weg. Am Donnerstag hat der Linksaußen wieder mit der Mannschaft trainieren können und die Einheit nach 16 Tagen Pause gut überstanden. Also alles bestens. Fehlt nur noch ein Schritt zum sportlichen Glück. „Ich würde gern noch mal für die Füchse auflaufen und mich auf dem Feld verabschieden“, sagt Nincevic, der die Berliner nach dreieinhalb Jahren verlässt.

In der Bundesliga steigt heute das Saisonfinale, alle Partien des 34. Spieltags werden um 16.30 Uhr angepfiffen. Bis auf die Begegnung SC Magdeburg gegen Frisch Auf Göppingen, sie fällt wegen der sich verschärfenden Hochwassersituation in der Stadt aus und wird nicht nachgeholt. Das Spiel wird mit 2:0 Punkten für Göppingen gewertet. Während der THW Kiel seit Wochen als Deutscher Meister feststeht, kämpfen im Tabellenkeller mit dem VfL Gummersbach (gegen Absteiger Neuhausen) und dem TV Großwallstadt (gegen Kiel) zwei Traditionsklubs im Fernduell um den Klassenerhalt. Auch für die Füchse hat der finale Auftritt bei der TSV Hannover-Burgdorf große Bedeutung, geht es für die Berliner doch nicht weniger als um das Ticket für die Beletage des europäischen Handballs: die Champions League.

Einriss der Patellasehne

Platz fünf und damit der Start im EHF-Cup ist dem Hauptstadtklub bereits sicher, doch die Füchse wollen mehr. „Wir wollen jetzt unbedingt Platz vier halten und werden dafür in Hannover alles tun“, verspricht Kapitän Torsten Laen. Und Nationalspieler Sven-Sören Christophersen weiß: „Es wäre für uns das Größte, wieder in der Champions League zu spielen.“ Christophersen muss das Spiel in Hannover allerdings von zu Hause aus verfolgen, er zog sich im Training eine Knieverletzung (Einriss der Patellasehne) zu und wird in der kommenden Woche operiert. Der Rechtshänder wird bei gutem OP-Verlauf voraussichtlich knapp fünf Wochen pausieren und ist somit zum Trainingsstart am 11. Juli wieder fit.

Um das Qualifikationsturnier für die Königsklasse zu erreichen, müssen die Berliner Platz vier halten. Allerdings herrscht nach dem Champions-League-Triumph des HSV Hamburg, der in der Liga derzeit Fünfter ist, Unklarheit darüber, wie das Prozedere bei der Europäischen Handballföderation (EHF) sein wird. Im Fuchsbau ist man zuversichtlich. „Wir verlassen uns auf die EHF. Vorher müssen wir jedoch unsere Hausaufgaben machen. Das heißt: Mit einem Sieg in Hannover wollen wir den vierten Tabellenplatz sichern“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning.

Im Falle einer Niederlage wären die Füchse auf Schützenhilfe aus Melsungen angewiesen, wo der HSV zum letzten Spiel antritt. Aber soweit wollen es die Berliner nicht kommen lassen. „Wir wollen den HSV unbedingt hinter uns lassen“, appelliert Laen an die Ehre. Zudem haben die Füchse mit den Niedersachsen noch eine Rechnung offen. Im Hinspiel besiegte Hannover die Berliner in der Schmeling-Halle 28:27. Das Team von Trainer Dagur Sigurdsson ist also gewarnt. „Hannover ist eine Mannschaft auf absoluter Augenhöhe und hat über die gesamte Saison hinweg ein konstantes Niveau gezeigt“, sagt der Füchse-Coach. Neben Nincevic werden auch Johannes Sellin, Evgeni Pevnov, Mark Bult, Börge Lund und Torsten Laen ein letztes Mal im Füchse-Trikot auflaufen. Und natürlich will Sigurdsson seinem Torjäger Nincevic (492 Treffer in dreieinhalb Jahren) einen würdigen Abgang bescheren. Sigurdsson: „Wir entscheiden kurz vor dem Spiel, ob Ivan einen Kurzeinsatz bekommt.“