Karriereende

Ballack verlässt unter Tränen die Fußballbühne

Der 36-Jährige könnte aber bald als Trainer zurückkehren

Es war 22.06 Uhr am Mittwochabend, als sich ein großer deutscher Fußballer von der Fußballbühne verabschiedete. Michael Ballack stand im Mittelkreis des Leipziger Stadions und hörte, wie die 50.000 Zuschauer seinen Namen skandierten. Aus den Lautsprechern erklang „My Way“ von Frank Sinatra, und Ballack begab sich unter tosendem Beifall auf seine Ehrenrunde.

Der heute 36 Jahre alte langjährige Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hatte zu seinem Abschiedsspiel geladen, das er nach seinem unrühmlichen Ende beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) selbst organisiert hatte. Ein Team „Weltauswahl“ spielte gegen ein Team „Ballack & Friends“ (3:4). Dreimal traf er selbst in einer Partie zweier Mannschaften, die gespickt waren mit Weltstars. Darunter waren Didier Drogba, Andrej Schewtschenko und Miroslav Klose, René Adler, Lothar Matthäus, Bernd Schneider oder Torsten Frings. Selbst sein Freund Michael Schumacher, der siebenmalige Formel-1-Weltmeister, erwies ihm die Ehre. Auch Bundestrainer Joachim Löw war gekommen, mit dem Ballack nach seiner Demission aus der Nationalelf aneinander geraten war. Betreut wurden die Teams von Ballacks ehemaligen Trainern Jose Mourinho und Rudi Völler. Ballack selbst spielte je eine Hälfte für beide Mannschaften.

Es war der emotionale Schlusspunkt einer Karriere, die für Ballack 1994 in Chemnitz begonnen hatte und ihn zum 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen, zum FC Bayern, zum FC Chelsea und wieder zurück nach Leverkusen führte. Im vergangenen Sommer hatte Ballack den Entschluss gefasst, aufzuhören. Nun schaut er zurück auf eine Laufbahn, die ihm vier deutsche Meistertitel, drei DFB-Pokalsiege sowie den Meistertitel und Pokalsieg in England brachte. Der ganz große Titel blieb ihm aber verwehrt. Ballack stand zweimal im Champions-League-Finale (2002, 2008), im WM-Finale (2002) und dem EM-Endspiel (2008) – jedes Mal ging er als Verlierer vom Platz. Und dennoch war es eine groß Karriere, denn Michael Ballack hat ein Jahrzehnt lang die Nationalmannschaft geprägt. Sein Abschiedsspiel stand auch im Zeichen der Flutopfer. Ballack spendet 100.000 Euro aus den Erlösen des Spiels und ließ ein Spendenkonto schalten.

Als Ballack nach seiner Ehrenrunde das Mikrofon überreicht bekam, konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. „Es war eine tolle Karriere für mich“, sagte Ballack gerührt. „Der Fußball ist etwas ganz Besonderes. Ich bin einfach dankbar. Vielen Dank für alles“. Doch was passiert nun? Jetzt, wo er endgültig „Ciao“ gesagt hat? Er kann sich, sagte Ballack zu Wochenbeginn, in Zukunft eine Tätigkeit als Trainer vorstellen. „Ich warte jetzt erst einmal den Sommer ab. Klar ist: Ich werde den Trainerschein machen“, sagte Ballack.