French Open

Tommy Haas schimpft und scheidet aus

Im Viertelfinale der French Open beendet Topstar Novak Djokovic den Triumphzug des Deutschen

Tommy Haas ist kein Mode-Experte. Er scheitert daran, wie er zugibt, Farben zu kombinieren. Trotzdem konnte es ihm nicht gefallen, dass im Viertelfinale der French Open gegen den Weltranglistenersten Novak Djokvovic gleich zu Beginn des zweiten Satzes ein großer roter Fleck auf dem weißen Stoff prangte. Djokovic hatte Haas beim Stand von 1:1 über den Platz gescheucht. Der gebürtige Hamburger rutschte weg und machte einen Bauchplatscher auf die „terre battue.“ Die Szene stand sinnbildlich für ein Partie, in der Djokovic, der Topstar aus Serbien, zu fast jeder Zeit die Kontrolle über das Geschehen auf dem Platz behielt, und sich Haas am Ende mit 6:3, 7:6, 7:5 geschlagen geben musste.

„Ich hatte das Gefühl, dass ich die ein oder andere Chance hatte, aber ich habe sie nicht genutzt“, sagte Haas, dessen Familie sowie zahlreiche Freunde aus Los Angeles das Spiel verfolgt hatten. Er freue sich nun auf ein schönes Essen und „vielleicht ein Bier oder Glas Wein.“

Auch wenn die Niederlage des 35-Jährigen deutlich ausfiel, kann Haas Paris erhobenen Hauptes verlassen. Er hat bewiesen, dass er 2012 nicht umsonst zum Comeback-Spieler des Jahres der ATP gewählt wurde. Und er hat mit seinem Triumphzug bis ins Viertelfinale eine der bisher schönsten Geschichten dieses Grand-Slam-Turniers geschrieben. „Das ist eine unglaubliche Leistung bei meiner Vergangenheit. Wenn man hart arbeitet, wird man belohnt. Ich glaube, dafür bin ich ein gutes Beispiel“, sagte er.

Bei den letzten French Open stand Haas noch auf Platz 121 der Welt. Im Jahr davor hat es ihn sogar bis auf Position 896 verschlagen. Beim Masters-Turnier in Miami 2012 schien es dann, als ob seine Karriere endgültig vorbei sei: Um seine operierte Hüfte zu entlasten, überstrapazierte Haas sein rechtes Knie. „Ich war wieder einmal in einem Loch gelandet – verletzt, unglücklich und ohne Perspektive, weil ich meilenweit von einem guten Ranking entfernt war“, erinnerte sich Haas kürzlich in einem Beitrag im „Tennis Magazin“.

Doch er kämpfte sich zurück, erreichte in Paris immerhin die dritte Runde und beendete das Jahr auf Platz 21 der Welt. Schon Ende März hatte der Wahl-Amerikaner endgültig bewiesen, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Ausgerechnet in Miami, wo er im Jahr zuvor noch das Ende seiner Laufbahn in Betracht gezogen hat, besiegte er Djokovic glatt in zwei Sätzen.

Und auch gestern gab er gegen den Branchenprimus nicht klein bei. Bei eigenem Service setzte er den zehn Jahre jüngeren Gegner unter Druck. Im zweiten Satz war die Chance zum Satzausgleich da, aber eine 4:2-Führung im Tie-Break reichte nicht. „Teilweise war ich zu passiv und nicht aggressiv genug“, befand Haas. Insgesamt wollten viele Kleinigkeiten, die in den Spielen zuvor noch geklappt hatten, nicht gelingen. Und dann die Vorhand. Immer wieder diese Fehler mit der Vorhand. Mehrmals holte Haas in Rage aus, schimpfte: „Scheibenkleister!“ Seinen Schläger ließ er aber trotzdem ganz. Er wird ihn noch brauchen. Nächste Woche beginnt das Rasenturnier in Halle. Und grüne Grasflecken hat Haas schon immer mehr gemocht als rote aus Sand.